Die Stärke des Applauses nach den einzelnen Voten liess das Ergebnis schon erahnen: Wer sich an der Gelterkinder Gemeindeversammlung am Mittwochabend für den Bau des neuen Hallenbads aussprach, erhielt lauteren Applaus als die Gegner. Trotz dieses graduellen Unterschieds war es eine sachliche und faire Debatte.

«Es ist ein grosser Brocken», räumte Gemeindepräsidentin Christine Mangold ein. Um diese Investition von 17,6 Millionen Franken stemmen zu können, wird die «Gmeini» im Dezember eine Steuererhöhung um drei Prozentpunkte auf 59 Prozent bewilligen müssen. An die Gesamtkosten leistet der Kanton fünf Millionen Franken, rund eine Million kommt von den umliegenden Gemeinden. Da die Projektierung weit gediehen sei, könne man nach Ablauf der Referendumsfrist «gleich loslegen», so Mangold weiter. Allerdings wurde schon vor der Versammlung das Referendum gegen den Gemeindeversammlungsbeschluss angekündigt.

Sorgen um Handlungsspielraum

Gemeinderat Raphael Graf verwies auf die langjährigen und sorgfältigen Vorarbeiten. Zudem habe die Gemeindeversammlung vor vier Jahren bereits dem Projektierungskredit zugestimmt. Die Alternative, lediglich ein offenes Freibad zu bauen, bringe zudem nicht wesentliche Kosteneinsparungen, zumal damit der Projektierungskredit von 1,6 Millionen Franken umsonst bewilligt worden wäre.

Als Sprecher der Mehrheit der Geschäftsprüfungskommission (GPK) sagte Christian Tanner, das Hallenbad sei ein wichtiger Beitrag für die Sportinfrastruktur der Gemeinde. Für die GPK-Minderheit führte Christoph Bitterlin aus, dass die enormen Investitionen und die dadurch steigende Neuverschuldung den Handlungsspielraum der Gemeinde einschränken werde: «Dann darf nichts Ausserordentliches passieren.»

Schulrätin Eva Schelker äusserte die Befürchtung, dass durch den Bau des Hallenbads dringende Schulhausprojekte auf der Strecke bleiben könnten. Deshalb stellte sie einen Rückweisungsantrag. Dieser wurde jedoch mit einem deutlichen Nein verworfen.

«Wir nehmen uns für die nächsten Jahre den Handlungsspielraum», begründete Landrat Michael Herrmann seine ablehnende Haltung. Man könne sich dann nichts mehr anderes leisten. Die Gemeindepräsidentin erwiderte: «Gelterkinden soll eine attraktive Gemeinde bleiben» – was mit tosendem Applaus und zustimmenden Pfiffen kommentiert wurde. Ein Bürger meinte, dass er zwei Seelen in seiner Brust habe: die des Steuerzahlers und die des Sportliebenden. Gemäss dem Motto «Von der Wiege bis zur Urne – turne, turne, turne» stimme er aber dem Kredit zu.

Was der Gemeinderat mache, wenn die Steuererhöhung im Herbst abgelehnt werde, wollte ein Bürger wissen. Dann müsse der Gemeinderat über die Bücher, führte die Gemeindepräsidentin Christine Mangold aus. Gelterkinden habe aber in den vergangenen Jahren zahlreiche hohe Investitionen gemeistert. In der Schlussabstimmung nach gut einstündiger Debatte votierten 276 für den Bau des neuen Hallenbads; 31 waren dagegen, 5 enthielten sich der Stimme.

Vor der Hallenbad-Debatte hatte die Versammlung die Rechnung 2015 genehmigt. Sie schliesst bei einem Aufwand und Ertrag von je rund 25,5 Millionen mit einem Überschuss von 185 000 Franken ab.