Jetzt liegt sie endlich vor, die Machbarkeitsstudie zum Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (ESAF) in Aesch. Sie enthält einige Überraschungen. Zwar sagt sie: Das Fest wäre in Aesch Nord machbar. Aber es gibt zwei Knacknüsse: Die eine heisst Umweltschutz-Organisationen – die andere Bauern, die ihr Land weiterhin nicht hergeben wollen für den Grossanlass.

«Wir haben zwei grosse Fragezeichen», sagte Urs Lanz gestern bei der Präsentation der Machbarkeitsstudie zum ESAF 2022 in Aesch. Der Präsident des Basellandschaftlichen Kantonalschwingerverbands leitet auch die ESAF-Projektgruppe, welche die Studie erarbeitet hat. Ein Blick in den Konferenzraum der Löhrenackerhalle, in der die Präsentation stattfand, machte klar: Die Fragezeichen werden noch eine Weile bestehen bleiben. Von den Bauern war kein Vertreter vor Ort, auch nicht von den Umweltschützern, zumindest nicht in der Gruppe der Referenten. Obwohl: Ein Umweltschützer war anwesend, nur stammt er aus dem Kanton Graubünden. Es war Marcel Züger, Biologe und Inhaber des Kulturlandschafts-Unternehmens Pro Valladas. Züger gilt in der Umweltschutz-Szene als Querdenker. Gestern lautete seine Aufgabe: die Bedenken der lokalen Naturschützer zerstreuen.

Die Vögel in Aesch Nord waren in seinem Referat das Hauptthema. Die seltenen Arten, die vom Schwingfest bedroht sein sollten, seien gar nicht derart stark gefährdet. Auch die Feldhasen könnten eine Störung von einigen Wochen oder Monaten durchaus ertragen – die Bestände würden sich nach dem Fest rasch wieder erholen, die Tiere kämen zurück, sowohl Schwarzkehlchen und Konsorten, aber auch die scheuen Hasen. Vorausgesetzt, man treffe Vorkehrungen, etwa Ruhezonen und eingezäunte Waldränder.

220 000 Besucher an drei Tagen

Auch zum Untergrund gab Marcel Züger eine Einschätzung ab. Um die Böden sorgen sich die Landwirte am meisten, etwa wegen des tonnenschweren mobilen Stadions. Züger sagte, die Angst vor Bodenverdichtungen sei weitgehend unbegründet. So sei es etwa bei den dynamischen Ruderalflächen normal, dass diese von Zeit zu Zeit «umgepflügt» würden.
Schwingverbands-Präsident Urs Lanz verriet auch die Dimensionen des geplanten Schwingfests. Die mobile Arena ist in der Grösse der Ausgabe 2010 in Frauenfeld geplant, würde also 47 000 Zuschauer fassen. Der Baselbieter Verband rechnet damit, dass an den drei Festtagen Ende August 2022 gegen 220 000 Menschen auf das Gelände strömen würden. Bei den jüngsten drei «Eidgenössischen» kamen deutlich mehr Besucher: in Burgdorf (2013) wurden 300 000 gezählt. Wie verschiedentlich durchgedrungen war, wird sich das Festgelände «nur» über das Gebiet westlich der Löhrenackerhalle erstrecken. Die mobile Arena wanderte auf den Plänen in Richtung Süden.

Eine Herausforderung ist laut der Projektgruppe auch der Verkehr. Die Besucher sollen möglichst nicht mit dem Auto anreisen. Die Tickets könnten deshalb auch für die Anreise mit dem öV gültig sein – BLT und SBB müssten dann den grössten Teil der Besucher transportieren, hinzu kämen Shuttle-Busse. In Aesch selber soll es keine Parkflächen geben. «Das gäbe ein Chaos», sagte Lanz. Die Parkplätze könnten andernorts errichtet werden, etwa im Laufental oder in Muttenz.

Dem Verband ist bewusst: Ohne das Einverständnis der Landeigentümer und Pächter ist das ESAF 2022 im Baselbiet nicht realisierbar. In den kommenden Wochen wird deshalb auch eine Delegation des Landwirtschaftlichen Zentrums Ebenrain die betroffenen Landwirte besuchen. Ziel der Visiten: Gemeinsam mit den Bauern sollen Lösungen gefunden werden für die zu erwartenden Beeinträchtigungen. Vergeben wird das ESAF im März 2018.
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