Nach dem emotionsgeladenen Abstimmungskampf ums Trinkwasser ging Muttenz am Donnerstagabend wieder zum politischen Alltag über. In kurzer und knapper Art winkten die wenigen anwesenden Einwohnerinnen und Einwohner die neue Ableitung des Dorfbaches durch – ungewöhnlich zügig für eine Gemeindeversammlung in Muttenz. Dem Kredit über sechs Millionen Franken stimmten sie mit grossem Mehr zu.

Grund für die Umbauarbeiten des Dorfbachs, der seit über 100 Jahren eingedolt ist und auf einer Strecke von 2,5 Kilometern vom Oberdorf bis zur Birs durch das Muttenzer Siedlungsgebiet verläuft, ist das bei heftigen Regenfällen in die Schmutzwasserkanalisation auslaufende Bachwasser. Der Querschnitt der bestehenden Dorfbachableitung ist in mehreren und langen Abschnitten viel zu klein.

Bei starkem Gewitterregen besteht ausserdem für das unmittelbar unterhalb des Geschiebefangs in der Hüslimatt liegende Siedlungsgebiet Überschwemmungsgefahr. Für den zuständigen Gemeinderat Kurt Kobi war schon Wochen vor der Versammlung klar: «Dieses Geschäft ist in der Gemeinde unbestritten.» Er sollte recht behalten.

Es war aber wiederum an den Freisinnigen, die Debatte zu lancieren. Roland Bilang störte sich an der Tatsache, dass die neue Ableitung des Dorfbachs über drei private Grundstücke führen soll. «Im Reglement heisst es klar, dass, wenn nicht anders möglich, das Abwasser über Allmend abfliessen muss.» Dies sei mit den drei betroffenen Grundstücken unterhalb des Geschiebefangs Hüslimatt nicht mehr der Fall.

Bilang stellte den Antrag, den Verlauf des Dorfbachs zu ändern, und forderte dafür eine Krediterhöhung von 230000 Franken. Für die FDP, die sich stets um die Muttenzer Finanzen sorgt, eine ungewöhnliche Forderung. Die Grüne Marianne Burkhardt konnte sich einen kurzen Seitenhieb an die Liberalen nicht verkneifen: «Dass die selbst ernannte Sparpartei mehr Geld ausgeben möchte, finde ich doch schon sehr erwähnenswert.» Der Antrag von Roland Bilang hatte keine Chance. Man sei mit den betroffenen Grundstückbesitzern in Verhandlungen, sagte Bauverwalter Christoph Heitz.

Neu soll der Muttenzer Dorfbach nicht mehr in die Birs, sondern in den Rhein abgeleitet werden. Kurt Kobi hofft, Anfang 2011 mit den Bauarbeiten beginnen zu können. Das Ende sieht die Planung im Jahr 2012 vor. Die Leitungen werden abwechselnd in grabenloser Bauweise per Pressluftvortrieb und in konventioneller Bauweise im offenen Graben verlegt.