Da waren es nur noch zwei. Von den zehn Einsprachen gegen das Baugesuch des Bundesasylzentrums auf dem Feldreben-Areal in Muttenz wurden mittlerweile acht zurückgezogen. Dies bestätigt der Baselbieter Bauinspektor Andreas Weis auf Anfrage. «Noch diese Woche verschicke ich den Entscheid zu den verbliebenen zwei», kündigt er an. Es sind dies jene Einsprachen von Anwohnern, die als einzige tatsächlich das Baugesuch betreffen und nicht die öffentliche Sicherheit. Konkret wird infrage gestellt, ob das Grossprojekt zonenkonform ist, da Areale in der Gewerbe- und Industriezone nur zu einem Drittel von standortgebundenem Personal bewohnt werden dürfen. Da der Kanton aber ein befristetes Umnutzungsgesuch gestellt hat, dürfte dies kein Problem sein.

Patrouille und Videokameras

Der Weg scheint also endgültig frei zu sein. Asylkoordinator Rolf Rossi geht unterdessen von einer Inbetriebnahme Mitte Oktober aus. «Ich bin erleichtert», sagt er. Der bz gibt Rossi zudem erstmals Details bekannt, wie man sich mit den sechs umliegenden Unternehmen geeinigt hat. Rennbahnklinik, M+R Spedag Group AG, L-Park Immobilien AG, HRS Investment AG, die Personalvorsorgestiftung für Ärzte und Tierärzte sowie das Restaurant Alessia hatten das Sicherheitskonzept des Kantons bemängelt und auch für ausserhalb des Asylzentrums einen Sicherheitsdienst eingefordert.

Dass Kanton und Bund den Firmen derart entgegenkommen, sorgt dort fast schon für Euphorie: «Die Gespräche mit dem Kanton waren toll», sagt Frank Denzler. Der medizinische Leiter der Rennbahnklinik spricht von einem Durchbruch. «Das Sicherheitskonzept, das wir unterbreitet haben, wurde praktisch eins zu eins übernommen.» Sämtliche Forderungen seien erfüllt und damit ein höherer Sicherheitsstandard im Quartier gewährleistet. Denzler bestätigt: «Aus unserer Sicht spricht jetzt nichts mehr gegen das Asylzentrum.» Sogar der Umplatzierung von lärmenden Heizungsgeneratoren habe der Kanton zugestimmt.

Reduktion auf Rufdienst möglich

Hat der Kanton also einfach alles abgenickt, nur um die Einsprachen aus der Welt zu schaffen? Rossi verneint: «Einen Grossteil der Forderungen hatten wir im ursprünglichen Sicherheitskonzept sowieso schon vorgesehen.» Nur die Securitas-Patrouille und die Kameras seien neu hinzugekommen. Überhaupt weist der Asylkoordinator darauf hin, dass dadurch die Kosten nicht überborden: Die Kostenbeteiligung des Kantons an den Kameras sei auf 20 000 Franken pro Standort plafoniert. Und die Patrouille werde wie die ganze Securitas vom Bund bezahlt.

Ausserdem, so Rossi, sei vereinbart, dass der Ausseneinsatz der Securitas regelmässig auf seine Wirkung überprüft wird. «Merken wir, dass die Massnahme unnötig ist, können wir sie auf einen reinen Rufdienst reduzieren.» Ob die neuen Sicherheitsmassnahmen wirklich nötig sind, kann auch Denzler nicht sagen. Für ihn ist etwas anderes entscheidend: «Wir mussten die Sorgen unserer Mitarbeiter ernst nehmen.»