Klein beigeben will die Pastoralkonferenz Baselland nicht: Der Zusammenschluss der römisch-katholischen Seelsorgenden im Baselbiet hat an seiner Sitzung am Mittwoch einen Antrag an den Landeskirchenrat beschlossen, dieser solle die im Mai erfolgte Kündigung der bikantonalen Fachstelle «katholisch bl.bs» zurücknehmen (bz von gestern). In ihrer Presseerklärung sparen die Seelsorger nicht mit Kritik am Landeskirchenrat: Die Exekutive der Landeskirche habe unter ihrem Präsidenten Ivo Corvini die Kündigung «ohne jede Rücksprache mit den vorgesehenen Gesprächspartnern und – wie sich zeigte – gegen den Willen des Bischofs, der Regionalleitung und der überwältigenden Mehrheit der Seelsorger und Seelsorgerinnen» ausgesprochen.

Projektleiter eingesetzt

Der Baselbieter Landeskirchenrat wird auf die Forderung der Pastoralkonferenz nicht eingehen: Vielmehr hat er im Juli Albert Schnyder vom Institut für Betriebs- und Regionalökonomie der Hochschule Luzern damit beauftragt, als Projektleiter eine neue, Baselbiet-spezifische Lösung für über-pfarreiliche pastorale Dienstleistungen zu konzipieren. «Im Baselbiet entstehen sieben Pastoralräume. Das erfordert neue Organisationsformen. Schnyder hat auch die Gemeinde Allschwil in Organisationsfragen beraten», erklärt Martin Kohler.

Dies habe der Landeskirchenrat am Dienstag allen Seelsorgenden mitgeteilt und am Mittwoch alle Pfarrer und Gemeindeleitungen zu einer Startveranstaltung am 25. September eingeladen, an der auch der Bischofsvikar, die Regionalleitung und der Landeskirchenrat teilnehmen werden. Diese werde von Schnyder geleitet und die Seelsorgenden bekämen dort Gelegenheit, ihre Bedürfnisse vor dem Hintergrund der neuen Pastoralraum-Strukturen anzumelden.

Basel-Stadt hat sich organisiert

Käme der Baselbieter Landeskirchenrat stattdessen der Forderung der Pastoralkonferenz nach, müsste er mit dem Kirchenrat der Römisch-katholischen Kirche des Kantons Basel-Stadt darüber verhandeln, ob dieser bereit wäre, wieder eine gemeinsame Fachstelle zur Unterstützung der Seelsorge einzurichten.

Wäre man in der Stadt bereit, auf ein solches Ansinnen einzugehen? «Eigentlich sind die Ressourcen bereits verplant», erklärt Kirchenratspräsident Christian Griss. Nachdem die Baselbieter die Zusammenarbeit aufgekündigt hatten, habe man die Mittel, die bisher der gemeinsamen Fachstelle zur Verfügung standen, eingesetzt um innerhalb des neu zu errichtenden Pastoralraums vergleichbare Dienste anzubieten. «Die Struktur des Pastoralraums steht weitgehend und wird im September vorgestellt», berichtet Griss. «Falls aber die Baselbieter diesen Schritt machen, würden wir prüfen, was dies für uns heisst.»

In beiden Kantonen ist also die Arbeit an neuen Strukturen aufgegleist oder bereits fortgeschritten.

Die Gräben bleiben tief

«Die Seelsorge in den Gemeinden wurde bisher von der Fachstelle optimal unterstützt», erklärt Felix Terrier. Er leitete die Sitzung der Pastoralkonferenz, da deren Präsident im Lauf des Konflikts mit dem Landeskirchenrat in den Ausstand getreten ist. Da die vier interdisziplinär besetzten Stellen der Fachstelle je zur Hälfte aus den beiden Halbkantonen finanziert wurde, befürchtet er einen Qualitätsabbau: «Das ist, wie wenn man ein Haus abbricht und dann mit dem halben Geld ein neues bauen will», beschreibt er die Befürchtungen der Baselbieter Pastoralkonferenz. «Mit der Hälfte der Mittel wird nicht die gleiche Leistung möglich sein.»

Martin Tanner, Diakon und Gemeindeleiter in Sissach, ist sowohl Mitglied der Pastoralkonferenz als auch des Landeskirchenrats. Er kritisiert den Verlauf der Pastoralkonferenzsitzung: «Die Meinungen waren gemacht. Wer nicht einverstanden ist, hat sich zurückgehalten oder ist gar nicht gekommen.» Die Fronten seien verhärtet. «Konflikte in der Öffentlichkeit auszutragen, gibt ein schlechtes Bild der Kirche.»

Terrier bestätigt, dass die Gräben tief seien. «Ein Brückenbauer ist aber derzeit nicht in Sicht.» Mit anderen Worten: Auf Schnyder wartet nicht nur eine Aufgabe als Organisator, sondern auch als Mediator.