Der Preis überraschte Beat Feigenwinter. Damit rechne schliesslich niemand. «Aber es ist schon schön, wenn meine Arbeit geschätzt wird.» Das gebe ihm Schwung für die Zukunft. Und schnell schiebt er nach: «Und der Preis ist ja nicht nur für mich. Der geht auch an alle, die bei meinen Projekten mithelfen.» Deshalb wolle er das Preisgeld auch in regionale Projekte reinvestieren.

Mit der Natur aufgewachsen

Beat Feigenwinter kennt den Wald in der Region so gut wie nur wenig andere. Der Kreisforstingenieur vom Amt für Wald beider Basel setzt sich seit Jahrzehnten für ihn ein. Er weiss: Es sieht nicht gut aus für den Wald. «Momentan kommen gewaltige Herausforderungen auf den Wald zu. Viele haben verlernt, ihn als Lebensraum wahrzunehmen», so Feigenwinter. Das gehe so weit, dass der Wald heute manchmal zur reinen Kulisse degradiert werde. Beispielsweise wenn im Wald Goa-Partys oder illegale Downhill-Bikerennen stattfinden. «Wir müssen den Wald mit all seinen wichtigen Funktionen wieder vermehrt ins Bewusstsein der Bevölkerung bringen.»

Seit Jahrzehnten engagiert sich Feigenwinter deshalb für den Naturschutz. Zum einen in seinem beruflichen Alltag. Seit 1993 arbeitet er für das Amt für Wald beider Basel. Zuvor studierte er Forstwirtschaft an der ETH und gründete nach dem Studium sein eigenes Ingenieurbüro. Feigenwinter wuchs mit der Liebe zur Natur auf. Seine Kindheit verbrachte er in Oberwil und war fast ständig mit seinen Geschwistern draussen unterwegs. «Die Hausaufgaben kamen etwas zu kurz», erinnert er sich und schmunzelt.

Vor dem Studium zögerte er kurz. Sollte er lieber Forstwirtschaft oder Biologie studieren? Er entschied sich schliesslich für die Forstwirtschaft. Im Hinterkopf hatte er das Ziel, in die Entwicklungshilfe einzusteigen. «Vor allem die Situation in Nepal oder Bhutan hat mich interessiert. Der Wald hat für die Menschen dort eine ähnliche Funktion wie in der Schweiz, gerade was den Schutz in hügeligen Gebieten betrifft.» Er entschied sich dann aber gegen eine Karriere im Ausland. Auch in der Schweiz gab es einiges für ihn zu tun. Auch in der Freizeit. Er engagiert sich beispielsweise in der Natur- und Umweltschutzkommission Waldenburg und hat mehrere Projekte initiiert. Unter anderem ein Hochstamm-Förderprojekt, einen naturnahen Schulgarten, die Pflanzung von Hecken und Baumalleen und die Organisation eines gemeinsamen Naturschutztages mit umliegenden Gemeinden.

Prävention statt Gesetze

Beat Feigenwinter will die Gesellschaft für die wichtigen Funktionen des Waldes sensibilisieren. «Wir brauchen kein strengeres Waldgesetz», ist Feigenwinter überzeugt. «Wir müssen bereits Kindern zeigen, wie wertvoll der Wald als Lebensraum ist.» Beruflich hat er manchmal die Gelegenheit, Schulklassen durch den Wald zu führen. Dabei merkt er regelmässig, dass viele Kinder im Wald unsicher sind. Er setzt sich deshalb dafür ein, dass Waldpädagogik in der Schule mehr Aufmerksamkeit erhält.

Hatte er nie Lust, für den Umweltschutz in die Politik einzusteigen? Er schüttelt den Kopf und lacht. «Dafür bin ich viel zu ungeduldig», antwortet er. «Ich glaube, ich konnte auf lokaler Ebene viel mehr in viel kürzerer Zeit bewegen.»

Rettung der Hochstammbäume

Sein bisher grösstes Projekt lancierte er im Jahr 2000: das Projekt Feldobstbau Waldenburg. Dieses hatte zum Ziel, die letzten Hochstammobstbäume in der Gemeinde zu retten. Sie sind das Erbe unserer Vorfahren und gehören zur Kulturlandschaft der Schweiz, erklärt Feigenwinter. «Und sie bieten viel Lebensraum für Tiere, Vögel und Insekten.» Bis jetzt wurden im Rahmen des Projekts rund 200 neue Bäume gepflanzt. Die Früchte der Bäume werden verarbeitet. Etwa zu Most oder zu Sekt. Momentan ist das Projekt in einer zweiten Phase, die weitere zehn Jahre dauern soll.

Neben der Pflanzung, Pflege und Erhaltung der Hochstammobstbäume werden künftig in Zusammenarbeit mit dem lokalen Naturschutzverein für seltene Vogelarten – wie Gartenrotschwanz und Neuntöter – Kleinstrukturen in Form von Ast-, Steinhaufen und Dornhecken angelegt. Daneben sollen auch vermehrt Baumgruppen in Weidegebieten gepflanzt werden. Beat Feigenwinter hat auch in den nächsten Jahrzehnten noch viel zu tun.