Ende Januar erklärte das Kantonsgericht einen Passus im Eptinger Reglement über Beiträge an die Schulwegkosten als verfassungswidrig. Mitte März bestätigte das Strafgericht einen Strafbefehl gegen Eptinger Eltern, die ihre Tochter über mehrere Monate nicht zur Schule schickten. Und vergangene Woche verunfallte ein 13-jähriges Mädchen auf dem Schulweg auf der Bölchenstrasse mit dem Velo schwer.

Das verbindende Element sind drei benachbarte Familien im Bölchengebiet, die sich seit Jahren um den Schulweg ihrer Kinder sorgen und für eine Verbesserung kämpfen. Zurück geht ihr Kampf auf das Jahr 2012. Seit damals hat die Gemeinde Eptingen keinen eigenen Kindergarten und keine eigene Primarschule mehr. Sie hob diese wegen rückläufiger Schülerzahlen auf und schloss mit Diegten und Tenniken einen Vertrag ab, dass die Eptinger Kinder dort zur Schule gehen. Zuerst erfolgte der Transport mit einem Schulbus, seit 2016 mit dem öffentlichen Bus.

Passstrasse gefährlicher als früher

Die Schliessung der Dorfschule war für alle Eptinger Familien eine Verschlechterung, weil der Schulweg umständlicher wurde. Die Familien in den Aussenhöfen traf es aber besonders. Der 52-jährige Bauer und vierfache Vater, der im Januar vor dem Kantonsgericht weitgehend gegen die Gemeinde obsiegte, schildert seine Situation: «Wir haben vier Kinder im Alter von 10, 8, 7 und 4 Jahren. Seit 2013, als die Älteste in den Kindergarten kam, fahren wir die Kinder die zweieinhalb Kilometer mit über 200 Höhenmetern an die Bushaltestelle hinunter und holen sie wieder. Und das viermal täglich.»

Zwischendurch habe er respektive seine Frau eines der Kinder monatelang nach Diegten gefahren, weil es «blockiert» gewesen sei. Der Grund: Es vergass auszusteigen, fuhr im Bus weinend weiter und niemand merkte es. Zwar würden die Kinder im Bus offiziell begleitet, aber das seien oft Zivildienstler, die sich teils mehr um ihr Handy als um die Kinder kümmerten.

Der Bauer lebt mit seiner Familie auf dem Hof, auf dem er aufgewachsen ist. Wie funktionierte denn der Schulweg früher? «Wir konnten oft mit dem Vater ein Stück weit mitfahren, wenn er die Milch in die Chesi brachte. Ansonsten gingen wir zu Fuss, meist einen steilen Weg den Wald hinunter ins Dorf. Und als wir älter waren, nahmen wir das Velo.» Dabei habe es immer wieder Stürze gegeben, aber sie hätten Glück gehabt.

Heute sei die Bölchenstrasse wegen Mehrverkehr jedoch viel gefährlicher. Sie diene als Durchgangsstrasse, als Zufahrt zu einem Hundeheim und als Ausweichroute, sobald es auf der Autobahn zu einem Stau komme. Es passierten immer wieder Fahrradunfälle, bei denen die Rega benötigt werde. Der Bauer betont: «Ich lasse meine Kinder weder mit dem Velo noch zu Fuss diese gefährliche Strasse hinunter.»

Und zu Fuss durch den Wald? Das Problem sei, dass die Kinder bei der kleinsten Verspätung den Bus verpassten. Auch sie selbst hätten früher manchmal auf dem Weg getrödelt, dann seien sie halt einfach etwas zu spät in der Schule gewesen – ohne Konsequenzen. Deshalb gilt für ihn: «Die eigentliche Ursache des Übels ist, dass wir keine Schule mehr in Eptingen haben.»

Geld ist nur drittbeste Lösung

Weil sich dieses Rad kaum zurückdrehen lässt, ist für den vierfachen Familienvater ein Sammelbus die zweitbeste Lösung. Er soll die Kinder von den Aussenhöfen an drei Sammelstellen abholen und nach Diegten und Tenniken fahren. Diese Einschätzung teilen die beiden Nachbarn. Das heisst der 63-jährige Bauer und seine Frau, die ihre Tochter wegen dem gefährlichen Schulweg mehrere Monate zu Hause behielten, sowie der Vater des verunglückten Mädchens.

Die drittbeste Lösung ist für alle drei Parteien eine angemessene Entschädigung der elterlichen Fahrdienste zur und von der Bushaltestelle. Zu einer solchen Lösung verknurrte das Bundesgericht 2016 die Gemeinde Eptingen. Doch das daraufhin ausgearbeitete Reglement hielt im Januar der richterlichen Begutachtung, die der 52-jährige Bauer anstrebte, nicht stand. Die Gemeinde hatte die zumutbaren Wege distanzmässig zu hoch und als Folge davon die Entschädigung an die elterlichen Taxidienste zu tief angesetzt und muss über die Bücher. Dieses Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig, weil die Beschwerdefrist noch nicht abgelaufen ist.

Der 63-Jährige Bauer, der auf Anhieb nicht mehr weiss, wie oft er wegen des Schulwegs schon gegen die Behörden prozessiert hat, rekapituliert: «Die Behörden haben meine Hilferufe nie richtig angeschaut. Jetzt ist mit dem Velounfall das passiert, was wir immer verhindern wollten.»