Schwere Vorwürfe gegen das Prattler Alters- und Pflegeheim Senevita Sonnenpark stehen im Raum. Der CEO der Senevita-Gruppe Schweiz widerspricht: Umfragen zeige grosse Zufriedenheit bei Bewohnern und Mitarbeitern.

Herr Wittwer, wie schätzen Sie die erhobenen Vorwürfe ein? Nehmen Sie diese ernst?

Hannes Wittwer: Wir nehmen jegliche Kritik ernst, aber die Anschuldigungen sind unwahr. Sie stehen in völligem Widerspruch zum realen Alltag im Sonnenpark. Es gab in der Aufbauphase einige Personalwechsel, aber keine der erfolgten Entlassungen war arbeitsrechtlich problematisch. In Einzelfällen kam es trotz Gesprächen zu keinem Einvernehmen. Bereitschaft und Ehrlichkeit vonseiten der betroffenen Person ist aber Voraussetzung für einen konstruktiven Dialog.

Weitere Vorwürfe sprechen von Fahrlässigkeit in der Pflege.

Unsere Pflege ist regelkonform und steht unter Aufsicht der Gesundheitsdirektion. Wir halten uns an die kantonalen Richtstellenpläne. Unfälle können leider trotzdem vorkommen. Deshalb gibt es zum Beispiel Sturzpräventionsmassnahmen. Im letzten August gab es eine Untersuchung durch das Amt für Gesundheit. Mit dem damaligen Kantonsarzt wurde eine Stellenbesetzung als Massnahme vereinbart. Diese Untersuchung wurde nach einem Kontrollbesuch abgeschlossen. Die Vorwürfe haben also keine Grundlage.

Was sagen Sie zu den Vorwürfen, die das Verhalten von Geschäftsleiterin Heike Jorkiewitz betreffen?

Diese Vorwürfe treffen mich schwer und tun weh. Frau Jorkiewitz führt den Sonnenpark sehr erfolgreich. Sie ist beliebt bei Mitarbeitern und Bewohnern. Das zeigt sich auch in zahlreichen Rückmeldungen, die uns gestern erreichten. Es ist bedauerlich, dass jemand mit so grosszügigem Verhalten solchen Anschuldigungen ausgesetzt wird.

Vertrauen Sie der Geschäftsleiterin?

Ja, zu 120 Prozent. Einige Vorwürfe von waren uns nicht neu und wir haben seit Monaten Gespräche geführt, um diese Diffamierung zu unterbinden. In dieser Zeit war der Kontakt zu Frau Jorkiewitz sehr eng und sie hat sich vorbildlich verhalten.

Es gab auch den Vorwurf, dass die zulässige Arbeitszeit nicht eingehalten oder Praktikanten über ihre Kompetenz hinaus eingesetzt wurden.

Solche Fälle von Praktikanten sind mir nicht bekannt. Das Kantonale Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (Kiga) führt regelmässig Kontrollen durch. Erst kürzlich gab es aufgrund einer Beschuldigung eine Kontrolle der Arbeitszeit. Diese läuft zurzeit noch. Von unserer Seite aus besteht kein Interesse, arbeitsrechtlichen Verordnungen zuwiderzuhandeln. Natürlich gibt es Not- und Ausnahmesituationen. Das ist im Pflegebereich nicht ganz vermeidbar. Deswegen gibt es aber Toleranzgrenzen, die vom Gesetzgeber auch vorgesehen sind.

Wie evaluieren Sie die Zufriedenheit von Bewohnern und Mitarbeitenden?

Wir lassen jährlich Zufriedenheitsumfragen unter Bewohnern und Angehörigen durchführen. Diese sind anonym und werden von einer externen Firma durchgeführt. Das gilt auch für die jährlichen Mitarbeiterumfragen. Letztes Jahr wurde das erstmals im Sonnenpark in Pratteln gemacht. Das Haus hat in allen Bereichen sehr gute Werte erzielt, bei Bewohnern und Mitarbeitern.

Kann man den Vorfall auf strukturelle Probleme der Senevita zurückführen?

Nein, es liegt kein strukturelles Problem vor. Konflikte unter Mitarbeitenden kommen vor. Jetzt herrscht grosse Verunsicherung bei Bewohnern und Mitarbeitern. Das macht mich betroffen. Wir sind ja offen für Kritik, aber solche Diffamierungen sind inakzeptabel.

Warum wurde die Stellungnahme der Geschäftsleiterin zurückgezogen?

Wenn man sich gegen derart unhaltbare Vorwürfe verteidigen muss, kann man eigentlich nur verlieren. Wir wollten uns nicht auf das Niveau der Anschuldigungen herunter lassen, sondern unsere Sicht der Dinge ausgewogen darlegen.

Die Vorwürfe stehen jetzt im Raum. Wie wird es nun weitergehen?

Da die Vorwürfe unbegründet sind, sehen wir keinen Anlass, dem weiter nachzugehen. Wichtig ist, dass Ruhe einkehrt und die falschen Anschuldigungen widerlegt werden. Bewohner und Angehörige sind verunsichert. Ihre Lebensqualität und Sicherheit liegt uns am Herzen. Ich wünsche mir, dass die involvierten ehemaligen Mitarbeiter den offenen Dialog mit uns suchen und mit dem Diffamieren aufhören.