Liedertswil oder «Tschoppenhof», mit 163 Einwohnern die zweitkleinste Baselbieter Gemeinde, für einmal ganz gross. Südlich des Dorfes im Gebiet Mörlifluh – ein Flurname – ist eine bisher unbekannte Burg entdeckt worden: vom Basler Hobby-Archäologen Bruno Jagher. Dieser hat seine Entdeckung vor 15 Jahren erst letztes Jahr Archäologie Baselland offengelegt.

Jagher (67), pensionierter Biologielaborant und seit 2008 Basler SVP-Grossrat, war damals illegal auf der Mörlifluh mit einem Metalldetektor unterwegs. Deshalb verheimlichte er lange seinen Fund. Als er einen in den Fels gebrochenen Halsgraben entdeckte, vermutete er einen Schützengraben aus dem Zweiten Weltkrieg. Mit seinem Metalldetektor ortete er dort jedoch einen Reitsporn und ein paar Pfeileisen. «Zuerst hatte ich Freude, danach ein schlechtes Gewissen», erklärte Bruno Jagher gestern an der Präsentation des Jahresberichts 2014 von Archäologie Baselland in Rünenberg. 

Eiserner Reitsporn und Pfeileisen.

Eiserner Reitsporn und Pfeileisen.

Der Basler ist einer von 35 Spähern von Archäologie Baselland – und einer der aktivsten. Späher sind ehrenamtliche Mitarbeiter, die archäologische Funde sichern und für Zuwachs an Fundstellen sorgen. Laut dem stellvertretenden Kantonsarchäologen, Andreas Fischer, ist diese Tätigkeit schriftlich klar geregelt. Die Späher – nur eine Frau zählt zu ihnen – sind abseits des Siedlungsgebiets in Wald und Flur unterwegs; Zonen, die sonst zu kurz kommen. «Das Ziel sind historische Erkenntnisse», fasst Kantonsarchäologe Reto Marti zusammen.

Fachleute rätseln

Von der neu entdeckten Burg ob Liedertswil existieren weder Angaben noch schriftliche Quellen. Unbekannt ist, wie gross sie war. Auch ist nicht mehr viel davon erhalten. Die Burg wurde auf einem schmalen, steilen Grat im Hochmittelalter um das 12. Jahrhundert errichtet. Mit 890 Meter über Meer ist sie die höchstgelegene Burg im Baselbiet. Aufgrund der Fundobjekte ist sie von Adligen bewohnt worden. «Waffen gehörten zum Adel», erzählt Marti.

Weshalb suchte Bruno Jagher gerade in diesem Gebiet? «Primär aus geostrategischen Gründen», sagt er. Die Ruine Waldenburg wurde auf derselben Krete gebaut. Im Raum der Mörlifluh verbrachte Jagher schon über 100 Stunden. Seine Funde dokumentiert er akribisch und übergibt sie danach Archäologie Baselland.

Das Baselbiet ist reich an Burgen. Über 70 mittelalterliche Burgstellen sind mittlerweile bekannt. «Dies schmälert den Wert der neu entdeckten Burg – so wenig wir derzeit über sie wissen – indes keineswegs, denn sie zeigt, dass schon im frühen Hochmittelalter auch abgelegene Seitentäler des Jura herrschaftlich erschlossen wurden», schreibt der Kantonsarchäologe im Jahresbericht.