Eines war unbestritten bei der Verhandlung am Montag am Baselbieter Strafgericht. Die junge Eritreerin fand einen der beiden Angeklagten sympathisch. Sie muss ihm fast blind vertraut haben.

Anders ist nicht zu erklären, weshalb sie sich dazu bereit erklärte, mit dem deutlich älteren Mann, den sie eben erst kennen gelernt hatte, mit nach Hause zu gehen. Ebenso machte es sie nicht misstrauisch, dass ihre neue Bekanntschaft an jenem verhängnisvollen Samstagmorgen, 5. August 2017, auch noch einen Kollegen mitnehmen wollte, der, wie der Gastgeber, beträchtlich Alkohol konsumiert hatte.

Die durchzechte Nacht endete für die junge Frau, die im Mittelland wohnt, tragisch. Die Eritreerin, die seit ihrem 14. Altersjahr in der Schweiz lebt und Dialekt spricht, vollführte mit beiden Männern sexuelle Handlungen. Zumindest mit dem einen der beiden Beschuldigten kam es zu nicht einvernehmlichem geschützten Sex. Die zwei Angeklagten mussten sich am Montag vor Gericht verantworten. Die Straftatbestände lauten sexuelle Nötigung und Vergewaltigung in gemeinsamer Begehung.

Landesverweis droht

Beide Angeklagten sind Eritreer. Sie befinden sich in Asylverfahren. Die Vorfälle geschahen im Asylheim in Aesch, dort wohnte einer der Angeklagten in einem Zimmer. Ein Schuldspruch hätte für die Beschuldigten wohl einschneidende Folgen: Ihnen drohen mehrjährige Haftstrafen – und der Landesverweis.

Das Trio lernte sich in der Nacht vom 4. auf den 5. August 2017 kennen. Die damals erst seit Kurzem volljährige Frau arbeitete in Reinach an einer privaten Feier an der Bar. Dort lernte sie die zwei Landsmänner kennen. Als das Fest beendet war, gingen die drei weiterfeiern, in einer Bar in Basel. Frühmorgens bot der eine der beiden Beschuldigten ihr an, sie könne doch bei ihm schlafen. So erspare sie sich die lange Zugfahrt. Die Frau willigte ein und bestieg mit den beiden Angeklagten das 11er-Tram nach Aesch.

Im Asylheim hatte sie Oralverkehr mit dem Gastgeber. Der damals 25-Jährige habe sie dazu gedrängt. «Als wir auf dem Bett lagen, begann er, mich zu betatschen. Ich sagte ihm: ‹Wenn Du unbedingt willst, dann können wir etwas machen, wenn wir nachher endlich schlafen.»

Danach stand gemäss Anklageschrift aber plötzlich der ein Jahr ältere Kollege im Zimmer. «Ich schaute erschrocken», erzählte die Frau am Montag mit brüchiger Stimme. «Ich fragte: ‹Was macht er da?›.» Der Gastgeber habe gesagt: «Du hast mich zum Kommen gebracht – jetzt kannst Du doch auch ihn noch befriedigen.» Aus Angst habe sie sich nicht gegen den körperlich überlegenen Mann gewehrt. Er habe ihr den Penis in den Mund gesteckt und sei danach in sie eingedrungen.

Später verliess die Frau die Asylunterkunft und reiste nach Hause – laut eigenen Angaben war sie völlig verstört. Sie habe unter Tränen ihre Mutter angerufen und kurz darauf Anzeige erstattet.

Die Staatsanwaltschaft verlangt für beide Täter drei Jahre Freiheitsstrafe, davon ein Jahr unbedingt. Dem Beschuldigten, in dessen Zimmer die Handlungen geschahen, könne zwar keine Vergewaltigung vorgeworfen werden, sagte die Staatsanwältin Silvia Schweizer. Doch er habe seine Garantenstellung missbraucht.

Der Verteidiger des Asylheimbewohners sagte, die Aussagen der Frau seien inkonsistent und widersprüchlich. Sie habe die Initiative ergriffen für das Rencontre. Unter anderem habe sie schon in der Bar mit beiden geschmust und anzüglich getanzt. Es stehe Aussage gegen Aussage, die Staatsanwaltschaft bleibe Beweise schuldig.

Verteidiger verlangen Freisprüche

Die Angeklagten sind nicht geständig. «Sie lügt, 100-prozentig», sagte der Freund des Gastgebers. Der unterstellte der Frau Rache. Sie habe plötzlich Geld verlangt, sie hätten ihr aber keines geben wollen. «Wir waren noch gewarnt worden vor der Frau, sie sei ein Flittchen.»

Die Verteidiger der beiden Beschuldigten verlangten Freisprüche. Das Dreiergericht fällt sein Urteil am Donnerstag.