Sexistisch kommt das neue Plakat vom Military Megastore in Pratteln daher. Eine sexy Brünette hält in ihrer Rechten einen langen Vorschlaghammer und blickt mit einem eng anliegenden Trägershirt dem Betrachter auffordernd ins Gesicht. Ein Blickfang speziell fürs männliche Auge. Das Plakat könnte genau so gut auch im letzten Bauernkalender hängen. Der Slogan «Nichts für schwache Mädchen» lässt Frau dagegen nur den Kopf schütteln. Was hat sich der Werbeguru da bloss überlegt? Auf der Suche nach einer Antwort wagt sich Frau also zum Military Megastore an der Rheinstrasse in Pratteln, um herauszufinden, was hinter dem Plakat steckt.

Der erste Schreck bereits vor dem Laden: Ein altes russisches Militärflugzeug, eine Mig 21 steht da. Imposant und grau erinnert es an Kriegszeiten. Weiter gehts zur Eingangstür. Auch dort wird einem bewusst gemacht, dass es nicht irgendein Laden ist, sondern der letzte verbliebene Armystore in der Region. Eine Soldatenpuppe, ausgestattet mit Feldstecher und Gewehr, hält einem die Öffnungszeiten entgegen.

Panzer zum Berühren

Im Laden entspannt man sich durch die freundliche Begrüssung jedoch wieder. Im Rundgang durch den Laden sieht man Werkzeuge, Messer, Schlafsäcke, Taschen, Helme und vieles mehr. Auf einmal aber versperrt ein 44 Tonnen schwerer Panzer den Weg. Mit dem Kanonenrohr im Gesicht fühlt man sich in die Zeit des Kalten Krieges zurück versetzt.

Der Laden ist eine Mischung zwischen Kriegsschauplatz, Baumarkt und Modehaus. Hochwertige Werkzeuge, preisgünstige Klamotten und Sammlerstücke bilden eine seltsame Einheit. Zurück zum sexistischen Plakat: Die freundliche Geschäftsführerin Susanne Husi erklärt, dass die fesche Brünette mit ihrem riesigen Hammer auf die Hammerpreise aufmerksam mache. Es stecke nichts Sexistisches dahinter. Ganz im Gegenteil zeige es, dass auch Frauen mit einem Hammer umgehen können. Eine Rechtfertigung so dünn wie die Bluse der Plakat-Schönheit. Klar können Frauen auch schweres Gerät schwingen, brauchen sie dies aber halb nackt zu tun?

Die Vermutung liegt nahe, dass die Hauptkunden des Ladens Männer sind. Die laszive Pose zielt einzig auf sie. Doch Husi wehrt sich vehement: «Unter unseren Kunden sind auch sehr viele Frauen», erklärt sie. Sie kauften alte Munitionshalter und funktionieren sie etwa zum Schirmständer um. Oder sie besorgen Jutesäcke und machen sie zum Santichlaussack. Clevere Mütter kommen in den Laden, kaufen Zeltplane und verwenden sie als Wasserschutz für den Sandkasten ihrer Kinder. Langsam wird klar, welche «starken Frauen» der Laden als Kundschaft hat. Es sind die kreativen Frauen und Mütter, die das ehemalige Militärmaterial einfach zweckentfremden. Polizistinnen und Security Personal seien ebenfalls Stammkundinnen.

«Es gibt schon richtige Militär Fans», schmunzelt Husi. Für die sei der Laden wie ein grosses Spielzeug-Museum. Doch diese seien selten. So kauft Rino Calabrese aus Aesch ein Militärmesser nicht aus Treue zum Vaterland, sondern um Isoliermaterial bei der Arbeit zuzuschneiden. «Es ist kurz, schneidet aber gut», erklärt er. Auch der ehemalige Kriminalpolizist Jozo Marianovic aus Kroatien sieht sich im Laden einfach nach guten Handschuhen und nicht nach einer Landesfahne um. Frauen sucht man an diesem Nachmittag allerdings vergeblich.