Heinz Schneider, CEO des Kantonsspitals Baselland, lobt sich gerne. Vor allem der Prozess der Zusammenführung der drei Standorte Liestal, Bruderholz und Laufen sei schon weit vorangeschritten. Massgeblicher Projektbegleiter ist der Controller des neuen Baselbieter Spitalkonzerns. Er heisst Cedric Schneider – und ist der Sohn des Konzernchefs.

Schneider Senior hält die Geschäftsführer der drei Kliniken beim Integrationsprozess an der kurzen Leine. Kein Entscheid von Bedeutung, der nicht vom Chef persönlich abgesegnet wird. Und kein Entscheid der Geschäftsführer ist davor gefeit, vom obersten Chef nicht wieder gekippt zu werden. Entsprechende Beispiele in Personalfragen sind der «Schweiz am Sonntag» bekannt. Dass auch Aktivitäten unterer Chargen nicht an der Zentrale vorbeilaufen, darüber wacht das Controlling.

Zwei unabhängige Quellen bestätigen, was aus Gründen des Quellenschutzes anonymisiert dargestellt wird: Mittlere Kadermitarbeiter aus den Grosskliniken Bruderholz und Liestal haben die Aufforderung, Synergien zu schaffen, ernst genommen und sich selbstständig zusammengesetzt. Als dies dem Controller zu Ohren kam, habe sich dieser eingeschaltet und die Devise durchgegeben, dass Eigeninitiative nicht gefragt sei. Die Konsequenz waren mehrere Abgänge verdienter und langjähriger Mitarbeiter.

Für Heinz Schneider stellt die personelle Konstellation kein Problem dar. Sein Sohn arbeite in der Finanzabteilung als Teamleiter Betriebsbuchhaltung. In dieser Funktion stelle er der Führung Finanz- und Leistungszahlen zur Verfügung. Schneider sagt: «Seine Rekrutierung wurde vom Leiter Finanzen vorgenommen, ohne dass ich darauf Einfluss genommen habe.» Dieter Völlmin, Verwaltungsratspräsident des Kantonsspitals, ergänzt: «Cedric Schneider hat keine Complianceaufgabe im Sinne einer Kontroll- und Überwachungsfunktion.» Seine Anstellung sei deshalb auch unter Corporate-Governance-Gesichtspunkten unproblematisch.»

Zur innerbetrieblichen Kritik am Führungsstil der Familie Schneider gesellt sich immer lauter werdende Kritik von aussen. Diese Woche holte Professor Hans Kummer zu einem Rundumschlag aus. In der «Basler Zeitung» mahnt er dringenden Korrekturbedarf an der Strategie an. Kummer ist nicht irgendwer. Von der Gründung 1973 bis 1998 war er Chefarzt des Bruderholzspitals. 1996 ernannte ihn die Universität Basel zum ordentlichen Professor für Innere Medizin und beförderte damit das Bruderholzspital zur ersten universitären Klinik ausserhalb des Stadtkantons.

Professor Kummer, der grosse alte Mann des Spitals, sagt gegenüber der «Schweiz am Sonntag», er halte es für seine Pflicht, vor der «drohenden Herabstufung» des Bruderholz-Spitals» zu warnen. Ein besonderes Ärgernis ist ihm die Idee, «Fast Track» zu einem Spitalschwerpunkt zu entwickeln. Darunter ist die Spezialisierung auf häufige, schnelle und einfach zu erledigende Eingriffe zu verstehen. Damit werde das Bruderholz zu einem Zulieferspital, was weder der geforderten erweiterten Grundversorgung entspreche noch als Arbeitsort für die Ärzte attraktiv sei. Schneider widerspricht: Es sei falsch, das Bruderholz auf Fast Track zu reduzieren. Die bestehenden Spezialisierungen blieben erhalten und weitere kämen neu dazu. Schneider nennt als Beispiel das Schlaflabor.

Kummer kritisiert auch die geplante Neuorganisation der Kardiologie, die bisher bestens im Zusammenspiel der Basler Uniklinik und dem Bruderholzspital funktioniert habe. Schneider sagt: Entschieden sei hier noch nichts. Der Vertrag mit dem Universitätsspital sei lediglich vorsorglich gekündet worden, um «alle Varianten» diskutieren zu können.

Wichtiger noch als Kummers Einzelkritik ist die durchscheinende grundsätzliche Skepsis, ob die Führung des Spitals richtig besetzt ist. Schneiders Vorgesetzter Dieter Völlmin sagt, auf den Rundumschlag angesprochen: «Der Verwaltungsrat kommentiert die persönliche Meinung eines seit Jahren pensionierten Chefarzts nicht.» Doch Kummer ist nicht ein x-beliebiger Ex-Chefarzt und sein Beitrag erschien just am gleichen Tag, als das Spital Bruderholz eine Einladung zu einem Symposium «40 Jahre Bruderholzspital» verschickte, das am 12. September auf dem Bruderholz stattfinden wird. Nach der Begrüssung und Einführung durch den Verwaltungsratspräsidenten Dieter Völlmin, so steht es im Programm, werde als erster Gastredner antreten: Prof. Dr. med. Hans Kummer.

Die Organisatorin des Symposiums sowie des lange infrage gestellten und nun auf den Tag darauf angesetzten Mitarbeiterfestes ist explizit nicht das Kantonsspital Baselland, sondern allein der Standort Bruderholz. Dies bestätigt Schneider: «Symposium und Feier werden von Mitarbeitenden am Standort Bruderholz organisiert.» Entgegen der schriftlichen Einladung wird sich Schneider jedoch am Symposium auch das Mikrofon nehmen. «Ich werde die Begrüssung machen», erklärt er. Auf die Frage, ob Kritiker Kummer sein Referat halten wird, erklärt Schneider: «Ja, so ist es geplant.»

Zu einem Auftritt wird auch der neue Gesundheitsdirektor Thomas Weber (SVP) kommen. Er muss sich bis dann entscheiden, ob er wie sein Vorgänger Peter Zwick in der Achse Schneider–Völlmin läuft oder ob er sich einen eigenen Standpunkt erlaubt.