Isaac Reber, ist das Baselbiet sicher?

Isaac Reber: Ja. Das können wir mit gutem Gewissen sagen.

Zumindest die Kriminal-Statistik sagt, dass der Kanton 2015 – anders als in den Jahren zuvor – wieder sicherer geworden ist. Wie bewerten Sie diese Zahlen?

Bei der Gesamtzahl der Delikte haben wir uns stark verbessert, das Total hat sich um 16 Prozent reduziert. Bei unserem Haupt-Sorgenkind, den Einbruch-Diebstählen, liegt der Rückgang sogar bei 29 Prozent. Bei beiden Kennzahlen ist der Rückgang deutlich höher als im Schweizerischen Durchschnitt. In der Bilanz dürfen wir mit Recht sagen: Wir erzielen Wirkung, wir haben gut gearbeitet.

Auf die Polizei kommen wohl Sparmassnahmen zu – werden Sie in den kommenden Jahren Bad News zu verkünden haben?

Es ist ein Spagat, den wir da machen müssen. Auf der einen Seite wollen alle Sicherheit – andererseits muss der Kanton sparen, das ist eine Tatsache. Diese beiden Vorgaben bedeuten eine grosse Herausforderung für mich als Sicherheitsdirektor, aber auch für den Polizei-Kommandanten. Wir werden nicht ungeschoren davonkommen und werden unseren Beitrag an die Sparbemühungen leisten. Wir müssen nun schauen, dass wir dabei so intelligent vorgehen, dass möglichst wenig Schlagkraft verloren geht.

Wir stehen noch unter dem Eindruck der Terror-Anschläge vom Dienstag in Brüssel. Würde ein Ereignis von vergleichbarem Ausmass unsere Region treffen: Wäre die Baselbieter Polizei darauf vorbereitet?

Ich glaube, dass wir grundsätzlich gut aufgestellt sind. Ein solches Ereignis kann jedoch keine Kantonspolizei alleine bewältigen. Wir müssen aber derartige Ereignisse realistisch einordnen. Wir haben nicht dieselbe Ausgangslage wie andere Länder, die direkt in bewaffnete Konflikte involviert sind. Für die Schweiz ist das Risiko tiefer, direkt von Terror-Anschlägen getroffen zu werden – und Baselland ist da wohl nochmals weniger gefährdet als andere Kantone. Was nicht heisst, dass wir uns nicht auf das Unerwartete vorbereiten. Einer der entscheidenden Punkte ist die Zusammenarbeit mit anderen Kantonen und mit dem Bund. Das gilt übrigens schon bei einem planbaren Ereignis wie bei einem Spiel des FC Basel, wo sich die Polizei-Korps der Kantone gegenseitig unterstützen.

Wie gut ist die West-Grenze zu Frankreich geschützt? Es gibt in der Schweiz, aber auch innerhalb des Kantons Baselland, ein Ost-West-Gefälle: Die Gebiete, die entlang oder in der Nähe der Grenze zu Frankreich liegen, weisen eine höhere Kriminalität auf.

Dieses Ost-West-Gefälle ist auch bei uns Tatsache. Die Standes-Initiative des Kantons Baselland, die mehr Grenzwächter fordert, gerade in der Nordwestschweiz, wurde im März erfreulicherweise vom Bundesparlament angenommen. Die fast gleichlautende Initiative aus Basel-Stadt ist leider abgeschrieben. Das ist schade, aber nicht sehr tragisch, denn inhaltlich verlangen beide Vorstösse dasselbe. Nun gilt es, rasch Nägel mit Köpfen zu machen in dieser Sache, denn ein verstärkter Schutz der Grenze ist dringend notwendig. Diese Aufgabe ist aber Sache der Grenzwache und nicht des Militärs, wie da und dort gefordert wird.

Auffällig ist, dass die Asylsuchenden in der Kriminal-Statistik bei den Tatverdächtigen keine grosse Rolle spielen. Gerade nach den Ereignissen in Köln, wo in der Silvesternacht Frauen belästigt wurden und auch Asylsuchende als Täter identifiziert werden konnten, war zumindest die öffentliche Wahrnehmung anders.

Unsere Statistik geht über Jahre zurück. Dort sieht man, dass diese Personengruppe auch zuvor schon kaum eine Rolle gespielt hat. Unsere Hauptsorge gilt, wenn wir von den Tätergruppen reden, weiterhin den Kriminaltouristen und nicht den Asylbewerbern. Das bestätigen auch die Experten von der Polizei.

Wie erklären Sie sich diese Unterschiede?

Dieser Umstand lässt sich zu einem grossen Teil so erklären, dass jemand, der um Asyl ersucht, einiges zu verlieren hat, weil ein Delikt ja auch seine Chancen auf einen Verbleib im Land minimieren würde. Kriminaltouristen interessiert dieser Punkt wenig. Wir müssen sie mit Präsenz und Hartnäckigkeit abschrecken.