Roger Salathe trägt am kommenden Sonntag eine nicht ganz leichte Bürde: Der Liestaler Feuerwehrkommandant ist verantwortlich für die Sicherheit am Chienbäse-Umzug. Und dieses Jahr dürfte die Bürde noch etwas schwerer wiegen, denn Salathe sagt: «Wegen des angesagten frühlingshaften Wetters rechnen wir eher mit mehr Zuschauern als sonst.»

In einem normalen Jahr geht man von 50'000 Zaungästen aus, die den Chienbäse-Umzug von der Burg via Törli-Rathausstrasse-Rebgasse bis zum Gestadeckplatz säumen. Und schon in einem Normaljahr stehen die Zuschauer vor allem im Stedtli sehr eng. Salathe empfiehlt denn auch Neulingen, sich den Umzug am untern Stedtli-Ende auf der Höhe des Lüdin-Gebäudes anzuschauen, weil es dort weniger eng und heiss sei. Zu sehen gibt es auch in diesem Jahr wieder das rechtlich zulässige Maximalprogramm: um die 300 Chienbäse und 17 Feuerwagen, wovon die drei grössten je acht Kubikmeter Holz geladen haben.

Entsprechend rigoros sind die Kontrollen. So wurde vor zwei Wochen die Konstruktion der Wagen in unbeladenem Zustand geprüft, morgen nimmt Salathe die beladenen Wagen ab und am Sonntag werden die Feuerwagen kurz vor Beginn des Umzugs – er startet wie immer um 19.15 Uhr – darauf überprüft, ob sie nicht noch nachträglich mit zusätzlichem Holz beladen wurden.

Grösste Gefahr ist die Masse

Einmal gab es bis jetzt in der über 100-jährigen Geschichte des Liestaler Chienbäse-Umzugs einen Unfall mit einem Feuerwagen: Vor rund 40 Jahren sei an einem Wagen auf Höhe der ehemaligen Manor eine Achse gebrochen, erzählte Hanspeter Meyer vorgestern auf einer Stadtführung zu den Liestaler Bräuchen. Die Feuerwehr habe den Wagen danach löschen können. Und Meyer fügt an: «Das Feuer ist am Umzug unter Kontrolle. Die grössere Gefahr geht von der Menschenmasse aus.» Salathe sind vor allem die Hobbyfotografen ein Dorn im Auge, die während des Umzugs verbotenerweise auf die Rathausstrasse springen.

Weniger Kitzel und Gefahren gehen von den eigentlichen Hauptdarstellern aus – den Chienbäsen. Sie sind einfach nur schön. Doch ist auch bei ihnen der Aufwand, der dahinter steckt, nicht zu unterschätzen. Denn was am Sonntag innerhalb kurzer Zeit zu Rauch und Asche verbrennt, wurde an vier Abenden in den letzten beiden Wochen mit viel Herzblut zusammengezimmert. Bei einem Augenschein auf der Sichtern hämmerten, sägten, feilten und klopften um die hundert Männer und ein paar wenige Frauen ihre Chienbäse in Form und machten den Vorplatz des Schiessplatzes für ein paar Stunden zur grössten Holzwerkstatt im Kanton.

Dabei standen Routinier und Neuling Schulter an Schulter und hatten die Wahl zwischen zwei Techniken: Entweder bauten sie ihren Chienbäse von aussen nach innen, das heisst, sie nagelten zuerst den äussersten Kranz an Föhrenstücken an den Tragstecken aus Buchenholz und füllten den Kranz dann mit weiterem Föhrenholz. Oder sie begannen mit dem innersten Kranz und nagelten Kranz für Kranz drauf. Unabhängig von der Technik halten jeweils mehrere Drähte um den äussersten Kranz die Chienbäsen zusammen.

Helfer wie Roland Schaub sorgten auf der Sichtern dafür, dass keiner bei der nicht alltäglichen Arbeit verzweifelte. Und Schaub wies auch auf Details hin: Je dichter der äusserste Kranz gebaut ist, desto weniger Funken springen am Umzug auf die Schultern und müssen von der Feuerwehr gekühlt werden. Und je sauberer und glatter der Übergang von Stecken und Kranz gearbeitet ist, also jenes Stück, das auf den Schultern aufliegt, desto schmerzfreier kann der Chienbäse getragen werden.

Wobei der Druck auf den Schultern natürlich auch vom Gewicht des Chienbäse abhängt. Fabio Armati zum Beispiel, der heuer seinen 38. Chienbäse baute, spielt gerne in der Oberklasse: Sein Chienbäse wiegt gegen 70 Kilogramm. Gearbeitet hat er über sechs Stunden daran.