Am Chienbäse-Umzug von letztem Sonntag rückte auch die chinesische Botschafterin in der Schweiz, Xu Jinghu in den Fokus, die Liestals Aushänge-Anlass erstmals besuchte. Dass sie hier war, hat mit Christina Buess-Qu zu tun, die von der Botschafterin auch ausdrücklich für ihr Engagement im Kulturaustausch zwischen Chinesen und Schweizern gelobt wurde. Wer ist Buess-Qu?

Wir treffen die charmante gebürtige Chinesin, die perfekt Schweizerdeutsch redet, in ihrem unscheinbaren Ladenlokal an der Rosengasse in Liestals Altstadt. An den Wänden hängen chinesische Kalligrafien. Diese Handschriften sind derzeit das wichtigste Element von Buess-Qu’s Kulturaustausch: Sie bietet Kurse an, die alten, bedeutungsreichen Zeichen mit Pinsel zu Papier zu bringen. Was simpel tönt, ist Bestandteil einer ganzen Philosophie. Buess-Qu sagt es so: «Damit ist eine Körperhaltung verbunden und die Fähigkeit, sich ganz einzugeben und gedanklich abzuschalten.»

Schweizer haben Talent

Und die Kurse geben Einblick in die Entstehung der komplexen Schriftbilder, denn Buess-Qu erläutert zuerst den Grundgedanken dahinter und baut darauf auf. «Die Schweizer sind talentiert für die chinesische Kalligrafie», sagt die 46-Jährige lächelnd und fügt an, dass zu dieser Entspannungstechnik auch das Tee-Trinken gehöre. Monatliche Tee-Zirkel mit philosophischen Diskussionen, die Buess-Qu zusammen mit Dieter Roth leitet, sind denn auch ein weiteres Element in ihrem Kulturaustausch. Dazu kommen noch Taiji-Kurse, ein bewegungsmeditativer Ansatz zur Erlangung von Harmonie.

Über den Verein Kulturbrücke China-Schweiz, den sie präsidiert, führte Buess-Qu in den letzten Jahren mithilfe von Sponsoren auch verschiedene Anlässe durch, so etwa das Mondfest im Kantonsmuseum oder das chinesische Neujahrsfest mit 800 Besuchern in der Kantonsbibliothek. Der neuste Plan von Buess-Qu: Während den Sommermonaten in der Liestaler Allee öffentliche Taiji-Kurse durchzuführen. Sie wendet sich damit wie mit allen ihren Angeboten an Schweizer. Denn nur so könnten Brücken entstehen. Würden Chinesen ihre Kurse besuchen, bleibe ein trennender Fluss zwischen den beiden Nationalitäten, sagt Buess-Qu. Übrigens: Ende 2012, so die aktuellsten Zahlen des Statistischen Amts, lebten fünf Chinesen in Liestal und 315 im Kanton Baselland.

«Ich wollte einfach dazu gehören»

Nichts deutet heute darauf hin, dass Christina Buess-Qu vor 20 Jahren – damals noch als Qu Miaomiao – in der Schweiz einen sehr schweren Start hatte. Sie, die in China Wirtschafts-Management studiert hatte, war in Peking am Aufbau einer neuen Novartis-Fabrik beteiligt. Dabei lernte sie ihren späteren Mann kennen, mit dem sie 1994 in die Schweiz zog: «Wir wohnten in Gelterkinden, mein Aktionsradius bewegte sich zwischen Migros und Hallenbad. Ich verstand nichts, fühlte mich einsam, konnte nicht arbeiten, hatte Heimweh und fiel in ein Loch.» Zum Glück sei nach einem Jahr ihr Sohn zur Welt gekommen, sodass sie eine Aufgabe gehabt habe.

Gleichzeitig nahm sie das Heft in die Hand: «Ich wollte mich integrieren, belegte Deutschkurse, passte mein Essverhalten an die Schweizer Verhältnisse an, trat einem Tennisclub bei und lachte mit, wenn die andern lachten, ohne zu verstehen, um was es ging. Ich wollte einfach dazugehören.» Nach drei Jahren habe sie Deutsch geredet, nach fünf Jahren in einer Firma die Logistik-Leitung übernommen. Später holte sie nach, was sie schon in China wollte: Sie machte eine Malausbildung und unterrichtete Jugendliche im Malen.

Noch heute geht Buess-Qu einmal pro Jahr nach China, hat dort aber festgestellt, dass sie nicht mehr als Einheimische gilt: «In Peking, wo ich aufgewachsen bin, fragen mich die Leute, aus welcher Provinz ich komme. Sie merken, dass meine Sprache, mein Verhalten, mein Denken und meine Mimik anders sind.» Und sie teilt das Schicksal unzähliger Einwanderer: «Ein Teil von mir ist hier, ein Teil dort.»