Wie nachhaltig Eric (44) und Yvonne (47) Rütsche mit ihrem «Guggenheim» in Liestal Fuss gefasst haben, zeigt ihr Jubiläumsprogramm wahrscheinlich am besten: Zum fünften Geburtstag präsentieren praktisch alle relevanten Liestaler Kultur-Player Ende August zusammen vor dem «Guggenheim» ein einwöchiges Open-Air-Spektakel. Das Kino Sputnik wartet mit Filmen, Palazzo und Dichtermuseum mit einer Comedyshow, Kulturscheune und Klavierwerkstatt Waldhauser mit einem Jazz-Konzert und der Jubilar selbst mit diversen Pop-Konzerten auf.

Rütsches haben in Liestal aber nicht nur Fuss gefasst, sondern mit ihrem «Guggenheim» dem einst als kulturell randständig belächelten Kantonshauptort neuen Drive verliehen und erstklassige Stars wie Stiller Has, Sina, Nemo oder Dodo Hug hierher geholt. Kein Wunder sagt Eric Rütsche: «Von unsern Standbeinen ist die Event-Abteilung die grösste Erfolgsstory. Aber ohne Restaurant würde sie nicht so gut laufen. Das eine bedingt eben das andere.»

Als Quereinsteiger überfordert

Womit wir beim Erfolgsrezept sind: Das «Guggenheim», das exakt heute vor fünf Jahren seine Türen öffnete, basiert auf den vier Standbeinen Hotel, Restaurant, Events und Musikschule. Eigentliche Anlaufstelle ist das Restaurant namens Mooi. Hier kommen die meisten Kunden erstmals mit dem «Guggenheim» in Kontakt, nehmen Flyers von Konzerten, vom Catering-Service und dem Saal-Vermietungsangebot mit. Zurück kommen sie etwa als Konzertbesucher, als Teil eines Firmen-Anlasses oder als Hochzeitspaar. Und auftretende Künstler, Hochzeitsgäste oder Firmenseminar-Teilnehmer übernachten dann wiederum im Hotel.

Was alles ganz einfach und logisch tönt, war ein Projekt begleitet von Rückschlägen, Kinderkrankheiten und Lehrplätzen. Beispielhaft dafür ist das Restaurant, zu dem Eric Rütsche sagt: «Wir waren am Anfang als gastronomische Quereinsteiger völlig überfordert und haben viele Fehler gemacht. Wir haben immer noch Steigerungspotenzial.» Zu den Fehlern gehörte das Einstellen «von netten Leuten, die keine Profis waren». Zu den Folgen gehörten lange Wartezeiten und unzufriedene Gäste. Eric Rütsche: «Wir haben auch aus unserem Freundeskreis negatives Feedback erhalten. Das waren wir nicht gewohnt und das tat weh, denn zuvor haben uns rund um unsere Musikschule immer alle auf die Schultern geklopft.»

Sie wollen nicht kopieren

Nun, die Rütsches haben reagiert, professionelles Personal eingestellt, die Menükarte umgestellt und die gut laufende Gartenterrasse erweitert. Auch haben sie ihre Küche sukzessive ausgebaut. Der letzte Schritt erfolgte in diesem Frühling, als definitiv feststand, dass sie ab Juni Kurt und Maja Krattiger bei der Pacht des Cafés in der Kantonsbibliothek würden beerben können. Dazu haben sie ihr Personal, das 30 Köpfe zählt und sich 12 Vollzeitstellen teilt, um einen Patissier erweitert. Ein Stück weit typisch ist Eric Rütsches Kommentar dazu: «Wir wollten die Krattigers nicht kopieren, denn dabei hätten wir sowieso verloren. Wir gehen unseren eigenen Weg mit einer modernen Patisserie.»

Zurückblickend sagt das Ehepaar Rütsche, bei dem er als der unermüdliche Visionär und sie als die auf dem Boden verankerte Realistin gilt, übereinstimmend: «Wir haben fünf Jahre lang viel gearbeitet, haben uns aber immer so viel Privatsphäre erhalten können, dass unsere Familie nicht draufgegangen ist.» Zu dieser gehören vier Mädchen im Alter von 8 bis 14 Jahren.

In Liestal kommen die Rütsches gut an. Stellvertretend dafür sagt Stadtpräsident Lukas Ott: «Ich empfinde das ‹Guggenheim› für Liestal rundum als eine grosse Bereicherung.» Eric Rütsche sei ein Kulturmanager mit ökonomischen Sachverstand, dem es gelungen sei, die Liestaler Kulturszene kompetitiver zu machen und zu vernetzen.