«Hier ist er!» Der kleine Liam sitzt Rücken an Rücken mit einem Trainingspartner auf dem Rasen. Sein Ziel: Den Ball seinem Kollegen hinter ihm zu übergeben. Für einmal mit den Händen. Beweglichkeitstraining für die Wirbelsäule könnte man das nennen. Liam kann sich kaum halten vor Lachen. «Hier ist er», sagt er nochmals, denn sein Partner hat sich zur falschen Seite gedreht.

Das amüsiert den Siebenjährigen. Einen Rüffel des Trainers oder auch nur ein Ermahnen zur Konzentration gibt es dafür nicht. «Sie sollen sportlich profitieren», sagt Campleiter Glenn Meier, «aber dabei immer eine Menge Spass haben.»

MS Sports aus Emmenbrücke ist mit einem Fussballcamp nach Pratteln auf die Anlagen Sandgrube gekommen. Hier trägt der FC Pratteln seine Heimspiele aus. Hier steht für das Innerschweizer Sportunternehmen eine geeignete Infrastruktur zur Verfügung. Dazu zählt der neu eröffnete Kunstrasen neben dem Hauptfeld und ein Klubhaus, wo die 70 Teilnehmenden ihr Mittagessen erhalten. «Wenn möglich, versuchen wir den Verein zu berücksichtigen, der uns Gastrecht gibt», erklärt Meier, die Wahl des Verpflegers. «Gibt es kein Klubhaus, das Essen anbietet, arbeiten wir mit einem regionalen Catering-Unternehmen zusammen.»

Ganz im Element

Liam ist wieder ganz in seinem Element. Es läuft gerade die Königsdisziplin, ein Match. Er ist mittendrin. Die ersten Minuten steht er zwischen den Pfosten, wo er sich mutig, jedoch oft vergeblich, den Bällen entgegen wirft. Nach einer Weile wird er abgelöst und spielt nun beinahe jede erdenkliche Position.

Mit schnellen Vorstössen über die linke Aussenbahn bringt er die gegnerische Abwehr ins Wanken. Von halb rechts verwertet er einen Freistoss direkt. Und er erweist sich als äusserst regelgewandt. «Das war kein Tor, er hat den Ball mit der Hand mitgenommen», kommentiert er ebenso wie «das war kein Foul von mir». Das hat der Siebenjährige beide Male richtig gesehen. Liam unterliegt mit seinem Team dem Gegner 8:10. Zwei, drei kurze Diskussionen nach dem Schlusspfiff und verarbeitet ist die Niederlage.

Kinder fliehen vor Regen

Genaue Vorgaben, wie die Trainer das Training zu gestalten haben, gebe es keine, sagt Camp-Leiter Glenn Meier. Rund 80 Trainer stehen MS Sports zur Verfügung. Eingesetzt werden sie, wenn sie Zeit haben. Eine Trainerausbildung beim Schweizerischen Fussballverband (SFV) haben sie alle durchlaufen. So wird eine Trainingsgruppe beispielsweise von Andres Wischnewski betreut, der während der Saison als Co-Trainer der Fussballerinnen des FC Basel im Einsatz steht. Grundsätzlich wird nach dem SFV-Prinzip gearbeitet, wobei einem analytischen Teil immer wieder ein spielerischer vorausgeht oder folgt. Die Trainingsgruppen werden altersgerecht zusammengesetzt.

Positiver Eindruck als Ziel

Es ist kurz vor 16 Uhr. Der Himmel platzt. Während Liam sein Training bereits hinter sich gebracht hat, ist eine andere Gruppe noch in einem Spiel. Einige fliehen vor den dicken Regentropfen. Liam nicht. Auf dem Weg zur gedeckten Tribüne bleibt er am Spielfeldrand stehen, genehmigt sich einen Schluck aus seiner Trinkflasche und verfolgt das Geschehen. «Ziel ist es, dass die Kinder das Camp immer mit einem positiven Eindruck verlassen», sagt Meier.

Dazu gehört unter anderem ein Duell gegen Lionel Messi, den argentinischen Wunderdribbler. Der ist zwar nicht in Pratteln, doch auf demselben Dribbelparcours, auf dem Messi den Weltrekord hält, dürfen die Jungs und Mädchen ran. Mit elektronischer Zeitmessung. Liam fühlt sich wohl. So wohl, dass Mama all ihre Überredungskünste einsetzen muss, um den Spross nach dem Training heimwärts zu locken.