Die Schuldenlast drückt etwa gleich stark wie bei ihrem Amtsantritt vor gut zwei Jahren. «Dazu gekommen ist die ganze Geschichte mit der Basellandschaftlichen Pensionskasse», seufzt die 37-Jährige. Das geht ins Geld. Und im Sozialwesen und Bildungswesen steigen die Kosten ebenfalls. 

«Vereine waren nicht begeistert»

Aber Waldenburg spart. Auch wenn einige Massnahmen der Gemeindepräsidentin gar keine Freude bereiteten. So die 20-prozentige Kürzung der Vereinsbeiträge. Das tue weh, weiss Kaufmann. Denn die Beiträge drückten die Wertschätzung der Gemeinde gegenüber den Vereinen aus. «Die Vereine, die das kulturelle Leben bereichern, waren natürlich nicht begeistert. Aber sie akzeptierten es.»

Dennoch: Sie habe immer noch Spass am Gemeindepräsidium, sagt Andrea Kaufmann. «Die Aufgabe ist zwar anspruchsvoll, aber sehr lehrreich.» Das gute Einvernehmen im Gemeinderat und die gute Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung erleichtere vieles. Und Kaufmann fährt gleich weiter mit Positivem, das sie kürzlich erlebt hat. Die Gemeinde Waldenburg erhielt ein Schreiben einer über 90-jährigen Frau, die ins Altersheim zügelte. Darin bedankte sich die Hochbetagte für die schönen 70 Jahre, die sie in Waldenburg habe erleben dürfen. «Das war ein Aufsteller. Diese Zeilen berührten mich», berichtet die Gemeindepräsidentin mit glänzenden Augen.

Mit der stagnierenden Einwohnerzahl – Waldenburg, welches das historische Stadt- und Marktrecht besitzt, zählt seit längerer Zeit zwischen 1200 und 1250 Köpfe – muss sich die Gemeindepräsidentin abfinden. Das Stedtli im engen, schattigen Talkessel ist keine gesuchte Wohnlage. Es darbt auch wirtschaftlich. Im Bezirkshauptort gingen weitere Arbeitsplätze verloren. Nach dem Institut Straumann vor ein paar Jahren zogen ebenfalls Depuy Synthes und Thommen Medical von Waldenburg weg. Dies wirkte sich auf die Finanzen aber nicht gravierend aus.

Auch die Bezirksschreiberei und das Bezirksgericht haben sich verabschiedet. Das Zivilstandsamt ist noch ab und zu besetzt. Laut Kaufmann ist noch offen, was genau mit den leeren Gebäulichkeiten geschehen soll. «Der Kanton will sie veräussern», weiss sie aufgrund einer schriftlichen Antwort aus Liestal. Darauf habe Waldenburg keinen Einfluss, eine Übernahme der Liegenschaften durch die Gemeinde sei aber aus finanziellen Gründen unmöglich.

Für die Gemeindepräsidentin war das Einweihungsfest der sanierten Ortsdurchfahrt im August 2013 ein Highlight. Der Kanton habe gute Arbeit geleistet. Die Bauerei forderte den Handwerkern und den Anwohnern alles ab. Umso grösser sei nun die Freude über dieses geglückte Werk. «Das Stedtli hat gewonnen und ist attraktiver geworden», freut sich Andrea Kaufmann, «und die historischen Dorfbrunnen verschönern das Ortsbild».

Ein Hoch auf das Dampfbähnli

Als wichtigen Faktor ihrer Lebensqualität bezeichnet die Mutter einer Tochter und eines Sohnes ihren Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis in Waldenburg. «Allen gefällt es hier.» Bei Festen, Theatern oder Jodlerabenden lebe die Gemeinde mit. Sie hätten hier ein intaktes Vereinsleben.

Eine emotionale Angelegenheit für Kaufmann ist die Waldenburgerbahn (WB). Sie ist froh, dass der Landrat Millionen für Investitionen bewilligt hat, und dadurch die Zukunft der «Kultbahn» gesichert ist. Andrea Kaufmann, die dem WB-Verwaltungsrat angehört, möchte aber nicht in die Diskussion über die Spurbreite einstimmen. Für sie ist klar: Die Spurbreite muss bei 75 Zentimetern bleiben. «Damit der Dampfbetrieb weiter bestehen kann», begründet sie ihren Standpunkt. Das Dampfbähnli wecke in ihr viele Jugenderinnerungen. In ihm fand sogar Kaufmanns Hochzeitsfahrt statt.