Wie der Alltag in Psychiatrieberufen aussieht, ist öffentlich wenig bekannt. An Berufsmessen und in Ausbildungsprospekten dominieren Bilder somatischer Pflegepersonen in weissen Kitteln. Die Öffentlichkeitsarbeit klammert Psychiatrieberufe weitgehend aus.

Die Psychiatrie versucht indes, Offenheit zu demonstrieren. «Hier arbeiten alle in ziviler Kleidung. Das schafft Augenhöhe zwischen Mitarbeitern und Patienten», erklärt Carmen Huoni, Ausbildungsverantwortliche für Pflegefachleute Höhere Fachschule (HF).

Dass Hierarchien durch Alltagskleidung abgeflacht werden, sei wünschenswert, führe aber dazu, dass die öffentlichkeitswirksame Darstellung des Berufsalltags noch schwieriger sei.

Inhalte statt Bilder

Elena Seidel, Pflegedirektorin der Psychiatrie Baselland, erklärt: «Der Tätigkeitsbereich der psychiatrischen Pflege ist in der Öffentlichkeit noch viel zu wenig bekannt. In der öffentlichen Wahrnehmung wird der Pflegeberuf immer mit medizinisch-technischen Verrichtungen am Bett dargestellt. Das entspricht aber nicht der Tätigkeit einer Pflegefachperson in der Psychiatrie.»

Obwohl somatische Handlungen auch Teil des Berufs seien, stehe die persönliche Beziehung zwischen Patient und Pflegefachperson im Vordergrund, was schwierig zu bebildern sei. Beim Vorstellen des Berufs müsse man daher eher auf Inhalte statt auf Bilder setzen.

Die Psychiatrie Baselland veranstaltet aus diesem Grund viele öffentlich zugängliche Anlässe. Man fördert die Begegnung zwischen Besuchern, Patienten und Mitarbeitern.

Persönlich und vielfältig

Der Anreiz zur Ausbildung als Psychiatrie-Pflegefachperson scheint in der Verbindung von kommunikativen Fähigkeiten mit medizinischen Kompetenzen zu liegen. So empfindet es jedenfalls der frisch diplomierte Psychiatrie-Pflegefachmann Florian Avoledo.

«In der Psychiatrie hat man Zeit, die Menschen kennenzulernen. Man arbeitet interdisziplinär und steht dem Patienten nahe. Im Spital bleibt das Zwischenmenschliche viel mehr auf der Strecke.» Auch Jasmin Garn, diplomierte Pflegefachfrau auf einer Spezialstation für Psychose-Erkrankte, sieht den Vorteil ihres Berufs in den vielfältigen Tätigkeiten.

«Die Aufgaben sind sehr abwechslungsreich. Manchmal muss man mit den Patienten eine Wohnung suchen, einkaufen gehen oder alltägliche Fertigkeiten trainieren.» Huoni weiss aus Erfahrung, dass Psychiatrieberufe andere Menschen anziehen als die Somatik. «Bei uns geht es mehr um Beziehungen und prozesshafte Dynamik», erklärt sie.

Neue Ausbildungswege

In den letzten Jahren haben sich die Ausbildungswege stark verändert. Die früheren Ausbildungen auf Diplomniveau I und II waren nicht auf spezifische Tätigkeitsbereiche ausgerichtet.

Heute werden Studierende zwar immer noch zu Generalisten ausgebildet, entscheiden sich aber schon zu Beginn der Ausbildung für ein Arbeitsfeld, bewerben sich in der Institution ihrer Wahl und werden ab dem dritten Jahr in separaten Klassen mit Fokus auf den jeweiligen Schwerpunkt unterrichtet. «Dadurch gibt es viel weniger Ausbildungsabbrüche», betont Huoni.

Die Aufgabenbereiche des Pflegepersonals werden laufend erweitert, um eine attraktive Laufbahnplanung zu ermöglichen. Aus- und Weiterbildung werden finanziell unterstützt und Lernende von gut geschulten Berufsbildnern begleitet.

Und der Weg an die Universität in die Pflegewissenschaft ist ebenfalls offen. Trotzdem ist ungewiss, ob der Nachwuchs zukünftig gesichert ist. Das Hilfesuchverhalten der Menschen verändere sich, erklärt Elena Seidel.

Die Behandlungsdauer verkürze sich und es seien zunehmend akut erkrankte Menschen, die stationäre Betreuung benötigen oder wünschen. Dieser Wandel habe Einfluss auf den Personalbedarf und das Berufsbild.

Wichtig sei, dass Psychiatrieberufe in der Öffentlichkeit mehr Beachtung bekämen. Seidel hat eine klar formulierte Absicht für die Imageförderung der Psychiatrie: «Wir müssen der Pflege eine Stimme geben.»