Wieder waren sie zahlreich, die Besucher, die durch die Sissacher Begegnungszone flanierten, die Marktbuden begutachteten und sich den Bauch mit Wurst und Magenbrot vollschlugen. Mit dem Frühlingsmarkt hat Sissach vergangene Woche den Frühling eingeläutet. Und wieder einmal bewiesen, welch ein Besuchermagnet diese Gemeinde doch ist.

Das Oberbaselbiet richtet seine Augen immer wieder nach Sissach. Das kommt nicht von ungefähr: Auch wenn die Gemeinde flächenmässig nicht die grösste im Oberbaselbiet ist, gehört sie doch zu einem der wichtigsten Wirtschaftsstandorte in der Region: Rund 3600 Beschäftigte finden hier eine Arbeitsstelle, und dank der nicht abflachenden Baulust in der Gemeinde kommen immer mehr dazu.

Gelterkinden hat es schwerer

Sissach–Gelterkinden – auf dieser Achse spielt sich ein Grossteil des Oberbaselbieter Treibens ab. Sei es wegen der Schulstandorte, des kulturellen Angebots oder des öffentlichen Verkehrs. Dennoch hat es Sissach in den vergangenen Jahren geschafft, sich gegen Gelterkinden zu behaupten, was die wirtschaftliche Bedeutung betrifft. Während Gelterkinden in den vergangenen Jahren immer wieder Arbeitgeber verloren hatte, konnte Sissach zulegen. Von einem «Kampf» zwischen den beiden Gemeinden will Daniela Schneeberger, FDP-Nationalrätin und Präsidentin des Gewerbevereins Sissach und Umgebung, aber nicht reden: «Wir empfinden die Konkurrenz zwischen Gelterkinden und Sissach als gegenseitig befruchtend», sagt sie diplomatisch.

Als Bezirkshauptort ist Sissach auch die verwaltungstechnische Hochburg der Region – oder war es zumindest, bis Bezirksgericht, Bezirksschreiberei und Statthalteramt aufgrund der neuen kantonalen Strukturen die Gemeinde verliessen. Der zentrale Standort ist aber wohl der grösste Trumpf, den Sissach in der Hand hält: Direkt an der Autobahn gelegen, mit dem Zug innerhalb von einer Stunde in Bern, Zürich oder Luzern und Eintrittstor zu Ergolz-, Diegter- und Homburgertal – wenige Gemeinden können sich über eine solche Anbindung freuen.

Der Platz an der Sonne verpflichtet

Der Verkehr ist gleichzeitig aber auch die Achillesferse der Gemeinde. Ohne den Chienbergtunnel würde Sissach unter dem immensen Durchgangsverkehr leiden. «Wenn der Tunnel heuer einmal geschlossen wird, weil es einen Unfall gegeben hat, verstopfen bei uns schnell alle Strassen», weiss auch Daniel Stocker, der für den Verkehr zuständige Gemeinderat. Schliesslich waren es vor dem Bau des Chienbergtunnels über 19 000 Fahrzeuge, die täglich durch Sissach fuhren. Von einer «zweifellosen Aufwertung» spricht auch Schneeberger mit Blick auf den Verkehr durch das Dorf.

Für sie ist aber auch klar, dass der Standort Sissach als Zentrum gepflegt werden muss, um weiterhin erfolgreich zu sein: «Mit einer guten Standortpolitik und vor allem einem moderaten Steuerklima müssen wir einerseits eine gute Bestandespflege betreiben und im Weiteren dafür sorgen, dass sich neue Arbeitgeber ansiedeln.» Die Mischung zwischen Wohn- und Wirtschaftsstandort sei es, die den Erfolg der Gemeinde garantiere. Den Schlüssel zum Erfolg sieht sie ganz klar in der Verkehrsanbindung und -pflege.