Aus, vorbei – auch in Sissach ist die Fasnacht 2017 Geschichte. Am Donnerstagabend trat das Chluri seine letzte irdische Reise von der Begegnungszone zum Richtplatz auf der Allmend an, um dort eingeäschert zu werden. Heuer fiel die höchste Auszeichnung, die Sissach zu vergeben hat, Roland Schmitter zu. Denn es ist eine ausserordentliche Ehre, das Leben als Chluri auf dem Scheiterhaufen aushauchen zu dürfen. Nur wenigen Persönlichkeiten ist es vergönnt, in den Flammen zu enden.

Schon als kleiner Binggis, vermerkte der Leichenredner, dessen Name niemals in der Zeitung steht, sei der Rolli im Vortrab mitmarschiert. Die Liste der Verdienste um die Verdienste des Geehrten um die Fasnacht in der Bezirksmetropole ist lang, sehr lang. Er war Tambour bei der Nuggi-Clique, malte Plakate, Laternen und Larven, brachte den «Glöggeliwage», die älteste Sonntagszeitung der Schweiz, unter die Leute und band Chienbesen.

Er war auch schon als Schnitzelbänkler oder Guggemusiker unterwegs. Zudem gehört Schmitter als Vizepräsident dem Vorstand der Fasnachtsgesellschaft Sissach an und wirkt seit vielen Jahren als Erbauer des Chluris mit. «Der Abriss stellt nur einen kleinen Teil dessen dar, was Rolli vor, während und nach der Fasnacht macht, um das Gesicht des Dorfes sauber zu halten», hob der Sprecher hervor.

Tausende am Strassenrand

Wie jedes Jahr wohnten der Prozession Tausende Trauernder bei, die, dicht gedrängt am Strassenrand stehend, dem Chluri tief ergriffen die letzte Ehre erwiesen, um sich dann in den Zug zum Richtplatz einzureihen. Langsamen Schrittes bewegte sich die Prozession durch die dunklen Sissacher Gassen. Die Guggen, alle in weisser Trauerkleidung, spielten Trauermärsche, wie sie sonst nur in New Orleans zu hören sind.

Die Animositäten mit den Bewohnern der Trabantensiedlungen um das Dorf sind vergessen, zumindest vorläufig. Ehe die Flammen des Scheiterhaufens züngelten und dem irdischen Dasein des Chluris ein Ende setzten, liess der Leichenredner die Fasnacht 2017 in Sissach nochmals Revue passieren.

Die Bilanz, die er mit Grabesstimme aus dem viertägigen Treiben zog, fällt neben den wenigen negativen Vorkommnissen höchst positiv aus. Nachdenklich fragte er sich angesichts der immer grösser werdenden Traktoren im Corso, wo die Grüpplein zu Fuss geblieben sind, die im Umzug auf Augenhöhe mit dem Volk mitlaufen. Denn zeitweise sei man sich wie an einer Traktorenparade vorgekommen.

Lobende Worte fand der Sprecher für die Arbeit der Frauen im Vorstand der FGS sowie für den Laternen- und Fackelumzug. Den Schnitzbänken bezeugte er heuer eine besonders hohe Qualität. «Doch jetz heisst s Abschied neh. Liebe Rolli, mit übergäbe dy de Flamme und hoffe, dass du eus no lang lang lang erhalte blibsch. In dämm Sinn: Adiee Fasnecht, adiee Chluri», schloss der Redner. Den Rest erledigten die Flammen.