Der neue Belag der Rathausstrasse ist offensichtlich ebenso chienbäsetauglich wie der alte. Das sagt nach der ersten Einschätzung im Schummerlicht des noch verdunkelten Stedtlis zumindest einer, der gleich dreifach qualifiziert ist dafür: Daniel Spinnler, Stadtpräsident von Liestal, ehemaliger Feuerwehrmann und dieses Jahr zum dritten Mal Chienbäseträger. «Es war ein absolut genialer Chienbäse», schwärmt er. Als chienbäsetragender Stapi stelle er eine Premiere dar, hätten ihm die langjährigen Mitwirkenden versichert.

Chienbäse 2018

Ein Feuerwagen «brennt» sich seinen Weg durchs Törli.

Seine Stadtratskollegin Regula Nebiker, zuständig für Sicherheit, findet die Situation in der Rathausstrasse sogar deutlich besser als zuvor: Mit den Bordsteinen seien Stolperfallen beseitigt worden. «Die Zuschauer haben sehr gut reagiert und sich an die Anweisungen der Feuerwehrleute vor Ort gehalten», sagt sie der bz direkt nach dem Umzug. Ob der Belag alles unbeschadet mitgemacht habe, werde man am heutigen Montag sehen, wenn alles gereinigt ist.

Chienbäse 2018

Die Rathausstrasse wurde letztes Jahr saniert. Erstmals fehlten die Trottoirs. Wie reagieren die Zuschauer?

Publikum aus aller Welt

Tatsächlich standen die Menschen direkt hinterm Törli auf jeder Seite in fünf bis sechs Reihen und bildeten anfangs eine Gasse von etwa vier Metern. Die weitete sich zwar deutlich, als die Flammen des ersten grossen Wagens den Törliturm emporleckten; dennoch blieb genug Luft für alle zum Ausweichen, ohne dass es zur Druggete kam. Solcherlei Probleme hatten jene Zuschauer, die sich einen Fensterplatz ergattern konnten, sowieso nicht: Ein paar feiernde Jugendliche verfolgten die Feuerparade sogar im zweiten Stock aus offenem Fenster.

Das internationale Publikum hinterm Törli, das dem Vernehmen nach sowohl aus erfahrenen Chienbäse-Besuchern wie auch Neulingen bestand, empfing die über 300 Besenträger sowie die Zugmannschaften der 15 Feuerwagen unterschiedlicher Grösse mit ehrlicher Begeisterung, wenn sie durch das Tor gekommen waren. Mit Gejohle und Gegröle wurden sie angefeuert, wenn sie zum Spurt die Rathausstrasse hinunter ansetzten.

Höhepunkt: Der «Klöpfer-Wagen»

Entsprechend bemitleidet wurden auch die wenigen Träger, deren Kienspane schon ganz erloschen waren: «Der Arme, muss den ganzen Weg das Ding umsonst tragen», meinte ein Zuschauer um die 30 zu seinen Kollegen. Den grössten Applaus erhielt der «Klöpfer-Wagen», von dem die Chienbäseträger tatsächlich frisch gegrillte Würste an die Menge verteilten.

Nur bei den zwei grössten Feuerwagen musste sich die Menge bis zur letzten Reihe ducken; dann ging auch das erste Gehuste los, das später daheim für schwarze Papiertaschentücher sorgte, wenn der ganze Russ ausgeschneuzt wurde. Eine erfahrene junge Besucherin war der Meinung, dass Asche und Russ in den vergangenen Jahren nicht so schlimm gewesen seien; und ihr Begleiter schlug fürs nächste Mal vor, sich vor eine Seitenstrasse statt eine Hauswand zu stellen.

Eine ungewöhnlich lange Lücke kurz vor Schluss führte allerdings dazu, dass die Menge bereits die Rathausstrasse hinunter aufbrach, bevor die letzten Chienbäseträger durchs Törli gekommen waren.