Der Dreikäsehoch mit dem Holzschwert im Gurt bläht die Backen, zittert am ganzen Körper und sein Gesicht läuft rot an. Ein Krächzen entweicht dem Cornu, dem geschwungenen römischen Blechblasinstrument. Wobei «Blech» in diesem Fall übertrieben ist: Ein Kunststoffrohr mit Plastiktrichter und einem Trompeten-Mundstück tuts auch. Und beim zweiten Versuch wird die Anstrengung bereits mit einem Ton belohnt. Hagen Pätzold, der den Kinderworkshop leitet, lobt. Der studierte Konzerttrompeter tritt heute nicht in Frack und Fliege auf, sondern einer römischen Tunika auf. Sein Cornu ist eine Kopie eines in Pompeji gefundenen Instruments. Und das Mundstück hat er einem Original nachgiessen lassen, das man hier in Augusta Raurica ausgegraben hat.

Die Gartenschlauch-Trompeten und das dem Original bis ins Detail nachgebaute Cornu zeigen den Spagat zwischen Wissenschaft und populärer Vermittlung, der das Römerfest auszeichnet. Da essen einerseits historisch eingekleidete «Römer» aus Plastiktellern, andererseits kann man durchs Mikroskop das Ei eines Peitschenwurms bewundern, das die Archäologen aus einem römischen Plumpsklo geborgen haben: Der Parasit hat zweifellos damals einen authentischen Römerdarm besiedelt.

Waffen, Töpfe, Werkzeuge – alles Materielle lässt sich irgendwo im Boden finden, wird zufällig beim Baggern entdeckt und dann von Archäologen mit Pinsel und Pinzette freigelegt. Und mit etwas handwerklichem Geschick lässt sich auch rekonstruieren, wie man die Artefakte damals hergestellt hat. Doch die damalige Musik ist verklungen. Woher wissen Pätzold und sein Mitmusiker Justus Willberg, wie die damalige Musik klang?

Willberg spielt unter anderem die Wasserorgel – auch diese ein Nachbau. Das Original wurde in der Nähe von Budapest ausgegraben. Die Länge und Art der Pfeifen gibt Auskunft über die damals gebräuchlichen Tonleitern. Zudem werden seit der Renaissance alte Notenblätter mit Liedern gesammelt. Dabei sind allerdings nur die Lieder in griechischer Sprache mit Noten versehen: Striche geben Auskunft über die Tonhöhe, Punkte über den Rhythmus.

Die Lieder mit lateinischem Text, gesungen zur Arbeit, zum Rudern, zum Saufen oder zur Hochzeit, wurden aber ohne Noten überliefert. Da damals die Melodie sich exakt nach dem Versmass richten musste, ist somit deren Rhythmus bekannt. Die Töne, also die eigentliche Melodie, fügen die Musikarchäologen gemäss der damals gebräuchlichen Tonarten ein nach dem Motto: So könnte es geklungen haben. Selbst wenn man von einem Lied Text und Noten auf Papyrus hat, fehlt meistens ein Teil. Willberg behilft sich, indem er den vorhandenen Part singt und den heute ergänzten Teil summt. Archäologie lebt wissenschaftlich – nicht nur in der Musik – von Bruchstücken. Zum Vermitteln, was damals los war, muss man aber ergänzen. So sind der Legionärs-Zapfenstreich oder der Morgen-Weckruf und die Nachtwachen-Wecksignale, die Pätzold auf verschiedenen damaligen Blasinstrumenten spielt, Kompositionen des 21. Jahrhunderts, wobei man aus der lautmalerischen Beschreibung «Taratantara» eines damaligen Chronisten wenigstens den Rhythmus des Angriffssignals der Legionäre rekonstruieren konnte.

Legionäre und Gladiatoren sind zweifelsohne eine Attraktion des Römerfests. Doch kippt dabei der Vermittlungs-Anspruch leicht in – gut kostümierten – Klamauk. Damalige Kämpfe auf Leben und Tod lassen sich eben nicht mit heutigen Unfallverhütungsvorschriften simulieren. Da sind Färbetechniken unter anderem mit Urin und Indigo, Brettchenweben, eine Fibel- oder Werkzeug-Schmitte informativer. Und die rekonstruierte römische Musik kann man immerhin auf einem «Diskus digitalis» nach Hause tragen.