Der Anteil der ausländischen Bevölkerung wächst in den beiden Basel stetig. So lebten vor zehn Jahren 268 000 Personen im Baselbiet, 49 000 davon waren Ausländer (18,3 Prozent). Ende des letzten Jahres waren es 61 000 Ausländer bei einer Gesamtbevölkerung von 283 000 Köpfen (21,6 Prozent). Mit dem steigenden Anteil steigt auch die Bedeutung der Ausländervereine, die für viele Migranten eine wichtige Integrationshilfe in der Fremde sind. Dabei sind die Ansätze der Ausländervereine recht unterschiedlich, wie unsere Besuche bei den Tamilen, Portugiesen und Chinesen zeigen.

Tamilen

Die Tamilen sind in den beiden Basel in einer privilegierten Situation: Ihnen steht auf dem Dreispitzareal auf Münchensteiner Boden nicht nur ein grosszügiger Treffpunkt, sondern auch eine Vielzahl an Unterstützungsangeboten zur Verfügung. Die Palette reicht von Aufgabenhilfe und Nachhilfestunden für Jugendliche über diverse Deutschkurse, vor allem für Frauen, bis hin zu Seniorenausflügen. Das Ganze findet unter dem Dach des 2004 gegründeten Tamilischen Vereins Nordwestschweiz statt. Treibende Kraft ist dessen erster und bisher einziger Präsident Viggy Kulasingam aus Pratteln, ein richtiggehender Vulkan an Ideen und Energie.

Der heute 42-jährige, zweifache Familienvater weiss aus eigener Erfahrung bestens, wo Neuankömmlinge in der Fremde der Schuh drückt. Denn Kulasingam kam wie die meisten Tamilen Anfang der 1990er-Jahre in die Schweiz, als Sri Lanka immer mehr in Bürgerkriegswirren versank. Und das als 17-jähriger Gymnasiast ohne Deutschkenntnisse. Er sagt: «Ich musste zuerst Deutsch lernen, arbeitete ein paar Jahre im Service und konnte mich schliesslich über ein Studium zum Informatiker ausbilden. Das war ein harter Kampf.»

Die mangelnden Deutschkenntnisse ortet er denn auch als das grösste Problem seiner Landsleute hier in der Schweiz. Betroffen seien in erster Linie diejenigen Frauen, die sich vor allem um Haushalt und Kinder kümmerten. Und weil viele ihrer Männer aufgrund prekärer finanzieller Verhältnisse nichts für deren Sprachausbildung bezahlen können, bietet der Tamilische Verein die Deutschkurse möglichst günstig an. Kulasingam: «Wir wollen, dass die Tamilen und auch andere Migranten Deutsch lernen. Sonst können sie sich nicht hier integrieren und gehen zum Beispiel auch nicht an Elternabende, was wiederum einen ganzen Rattenschwanz an Folgen auslöst.»

Inzwischen sind viele Tamilen Schweizer geworden – so auch Kulasingam – und können sich offenbar eine Rückkehr in ihre frühere Heimat nicht mehr vorstellen. «Viele von uns haben Häuser gekauft und wir fühlen uns inzwischen hier zu Hause», sagt Kulasingam dazu. Die Einbürgerungen sind auch die Erklärung dafür, dass die Anzahl Tamilen als grösste asiatische Bevölkerungsgruppe im Baselbiet stagniert; sie bewegte sich in den letzten zehn Jahren um die 1900. Nachdem abgewiesene tamilische Asylbewerber in ihrer Heimat verhaftet wurden, schickt die Schweiz derzeit keine zurück. Kulasingam wartet in diesem Zusammenhang gespannt auf den UNO-Bericht zu den Menschenrechtsverletzungen in Sri Lanka, der im Herbst veröffentlicht werden soll.

Gewandelt haben sich laut Kulasingam die beruflichen Perspektiven der Tamilen in der Region. Während die erste Generation vor allem in Küchen und Fabriken arbeite und dort ein Stück weit die Türken abgelöst hätten, verfügten viele Tamilen der zweiten Generation über Universitätsabschlüsse und seien in praktisch allen Berufen tätig. Aber der Tamilische Verein verschliesst auch nicht die Augen vor Problemen wie Alkohol und Gewalt in der Familie, die Tamilen wie praktisch alle Bevölkerungsgruppen auch haben.

So hat er für seine Landsleute eine dicke Informationsmappe mit Tipps und Adressen von professionellen Beratern unter dem Titel «Glückliches Leben» zusammengestellt. Zu den treibenden Kräfte dahinter gehört ebenfalls Kulasingam. Und er hält fest: «Die viele ehrenamtliche Arbeit kostet Energie und es ist manchmal schwierig, motiviert zu bleiben.» Trotzdem hat er in den letzten Monaten einen Effort geleistet, der ihn stolz macht: Einen Steinwurf vom Vereinszentrum entfernt steht seit neustem der erste hinduistische Tempel in der Schweiz.

Portugiesen

Stetig zieht es mehr Portugiesen ins Baselbiet. Mittlerweile leben knapp 2000 Personen hier, womit Portugal die siebtgrösste europäische «Kolonie» im Kanton Baselland stellt. Der grösste Teil sei arbeitsbedingt gekommen, sagt Davide Peixoto, Präsident von «Comunidade Portugesa de Sissach», dem grössten von drei portugiesischen Vereinen im Kanton. Und er ergänzt: «Die meisten sind gekommen, um hier Geld zu verdienen und dann zurückzukehren. Doch die wenigsten gehen tatsächlich zurück, weil ihre Kinder hierbleiben wollen.» Er selber sehe seine Zukunft auch nicht in Portugal, so der 33-jährige Betriebswirtschafter. Für viele seiner Landsleute, die vor 30 oder 40 Jahren in die Schweiz gekommen sind, sei aber das Heimweh ein Problem. «Comunidade Portugesa» sei für sie ein Stück Heimat hier.

Der vor bald 30 Jahren von Portugiesen zusammen mit der katholischen Kirche in Sissach gegründete Verein setzt denn auch vor allem auf die Pflege von kulturellen Traditionen. Dazu gehören portugiesische Folklore mit Tanzen und Singen, das Feiern des Vatertags im Winter, das Sardinen-Essen im Juni oder das Marroni-Essen im Spätherbst. Dazu kommt das grosse Mitgliederfest jeweils an Pfingsten. Man helfe sich aber auch gegenseitig bei Problemen, wie etwa dem Übersetzen von Dokumenten oder Briefen. Generell sei für viele Portugiesen der ersten Generation die deutsche Sprache das grösste Problem. Das hänge auch damit zusammen, dass viele auf dem Bau arbeiten. Und weil dort auch viele Italiener tätig seien und sich die beiden Sprachen nahe lägen, spreche ein Teil der Portugiesen inzwischen zwar Italienisch, aber kein Deutsch, sagt Peixoto.

Für ihn selbst, der als 14-Jähriger in die Schweiz gekommen ist, sind aber Deutschkenntnisse der Schlüssel zur Integration. Ein weiterer erfolgversprechender Schritt, sich schnell einzuleben, sei der Beitritt zu einem hiesigen Verein, meint Peixoto. Dabei spricht er aus Erfahrung: «Ich spielte schon bald beim SV Sissach Fussball, nachdem ich in die Schweiz gekommen war. Das war für mich Integration, deshalb bin ich jetzt noch als Juniorentrainer beim SV Sissach tätig.» Und, so muss man ergänzen, heute spielen viele jüngere Portugiesen in einer Untersektion des SV Sissach Fussball in der 4. Liga. Und wenn wir schon beim Fussball sind: Wem half Peixoto beim Champions-League-Spiel Basel gegen Porto? «Porto, weil ich dort aufgewachsen und schon seit Kindheit Mitglied beim Verein bin. Spielt der FCB aber gegen eine Mannschaft aus Lissabon, so ist klar, dass ich Basel helfe.»

Peixoto führt «Comunidade Portugesa» seit letztem April. Er sagt: «Ich mache das gerne, denn der Verein bedeutet mir viel. Aber der Aufwand ist brutal. Die grösste Herausforderung ist nun, ein neues Clublokal in Sissach zu finden.» Das jetzige Lokal werde nächsten Frühling abgebrochen. (hi)

Chinesen

«In Basel gab es eine lange Zeit keine Informationsquelle über chinesische Aktivitäten und keinen Kulturaustausch», sagt der Präsident des Vereins China-Basel, Daniel Meier. Deshalb rief er im September 2010 mit seiner Frau Die Ying und Brigitte Koller, einer Chinesischlehrerin, «China-Basel» ins Leben. Meier erklärt, die wesentliche Absicht von «China-Basel» sei die Förderung des gegenseitigen Verständnisses zwischen den in der Region Basel lebenden Chinesen und der Basler Bevölkerung. Für einen Grossteil der Bevölkerung im Raum Basel ist das fernöstliche Land ein unbeschriebenes Blatt. Man weiss nicht viel vom Land. Vielen fällt beim Begriff China Mao, Kommunismus oder auch das Fehlen von Menschenrechten ein.

Doch die Volksrepublik China, mit 1,4 Milliarden Menschen der bevölkerungsreichste Staat unserer Erde, ist weitaus mehr. Meier sagt: «Viele Schweizer haben ein sehr grosses Interesse an China und dessen Kultur. Jedoch stellen wir fest, dass das Wissen über China bei der Mehrheit der Schweizer falsch und ungenügend ist.» Deshalb hat «China-Basel» eine Website ins Leben gerufen, mit der der Verein die Leute informieren und die Kultur Chinas vorstellen möchte. Meier sagt sichtlich stolz: «Die Website ist eine wichtige Informationsquelle und wird auch rege benutzt: Sie hat monatlich 1000 bis 2000 Besucher.»

Der in Solothurn geborene Daniel Meier kam durch Zufall mit dem fernöstlichen Land in Kontakt. Vor fast zwölf Jahren flog er zum ersten Mal nach Kunming und half dort beim Aufbau eines neuen Naturhistorischen Museums mit. Bei diesem Besuch lernte er dann auch seine Frau, eine einheimische Englischprofessorin, kennen. «Seit sechs Jahren sind wir nun verheiratet», so Meier. Seit seinem ersten Besuch sei er mehr als 30 Mal in China gewesen und habe dabei sehr vieles über China gelernt, erzählt der Vereinspräsident. Und Meier weiter: «Ich erhielt einen tiefen Einblick in das Leben der Chinesen und auch in den Wandel des Landes. Das Land ist wirklich beeindruckend.»
«China-Basel» hat eine lose Vereinsstruktur, es gibt keine eigentlichen Mitglieder. Meier: «Jeder, der Interesse an China hat, kann kommen.» So seien auch nicht nur Chinesen und Chinesinnen in der Vereinigung, sondern auch viele Schweizer, Deutsche und Franzosen. Der Kulturaustausch zwischen der hier wohnenden chinesischen Bevölkerung und der lokalen Bevölkerung sei ihnen einfach sehr wichtig. Und wie wichtig das ist, zeigt auch ein Blick auf die Website des Bundesamtes für Statistik: In der Schweiz wohnen etwa 15 000 Chinesen, im Raum Basel etwa 2000.

Auch deshalb ist «China-Basel» sehr aktiv. Meier sagt: «Zudem organisieren wir Filmvorführungen, Mahjong-Spiele und Ausstellungsbesuche.»
Neben den regelmässigen Treffen des Vereins organisierte «China-Basel» 2012 und 2013 zusammen mit dem Standortmarketing Basel das Mondfest mit 6000 Besuchern auf dem Münsterplatz. Am Samstag, 26. September, steht es wieder an. (nil)