In den letzten 15 Jahren nahm die Elektra Birseck Münchenstein (EBM) zwei Strategiewechsel vor. Den ersten datiert EBM-Kommunikationschef Jo Krebs auf 2001: Mit Blick auf die erwartete Strommarktöffnung und der damit verbundenen gesetzlichen Vorschriften teilte man die Aktivitäten der Genossenschaft in Tochtergesellschaften auf.

Diese waren als Aktiengesellschaften organisiert, was eine raschere Reaktion auf den Markt erlaubt als die behäbige Genossenschaftsstruktur. So entstanden die EBM Netz AG, die EBM Energie AG und später die EBM Wärme AG fürs Kerngeschäft als Energieversorger.

Etliche Firmenübernahmen

In der EBM Technik AG, der späteren Ecotec, konzentrierte man die handwerklichen Dienstleistungen. Unter deren Dach weitete die EBM-Führung die Geschäftsbereiche zunehmend aus, oft durch Firmenübernahmen: So entstand der diversifizierte Mischkonzern, der sich von Telekommunikation über Fassadenisolation, Heizungsinstallation, Gartenarbeiten und Arealentwicklung bis zur Stromproduktion in verschiedensten Geschäftsfeldern tummelte. Die Elektroinstallation deckte die EBM-Tochter Schwarz+Partner ab.

Im Einzelnen sei dies sinnvoll gewesen, betont Krebs: So ziehe man Telekommunikationskabel durch die gleichen Kanäle wie Stromleitungen. Das ergibt Synergien. Und durch Areal-Entwicklung wie bei Hero in Lenzburg, beim Elcopark oder auf dem Baselink-Gelände im Bachgraben (beide Allschwil) habe die EBM nicht nur Geld verdient, sondern konnte die Wärmesysteme installieren und auf die Optimierung der Stromversorgung Einfluss nehmen.

Hoher Investitionsbedarf

Im Lauf der Nullerjahre rückte das Ende der laufenden Kraftwerkskonzessionen und der Lieferverträge mit der Alpiq - beides Ende der kommenden 20er- und Anfang der 30er-Jahre - ins Blickfeld.

Wer dannzumal über zu wenig eigene Stromproduktion verfügt, wird bei Neuverhandlungen der Konzessionen schlechte Karten haben und kann den Strom nur teuer an der Börse kaufen.

Entsprechend begann die Suche nach Kraftwerks-Anteilen. In dieses Kapitel fiel die verunglückte Beteiligung am - später nicht realisierten - Kohlekraftwerk Brunsbüttel in Norddeutschland. Für regionale Energieversorger eröffnete sich zugleich das Feld der neuen erneuerbaren Energien: Die relativ kleinen Anlagen erfordern nicht die Kapitalkraft eines Grosskonzerns.

Um hier mitzumischen, gründete die EBM 2005 die Kleinkraftwerk Birseck AG. 2009 zeichnete sie den Fonds Aravis Energy I LP zwecks Projektentwicklung. Aus diesem Engagement ergaben sich je ein Windpark in Spanien und Deutschland und zwei Photovoltaik-Kraftwerke in Italien.

Im vergangenen Jahr gründete sie gemeinsam mit Energie Wasser Bern zwecks Projektentwicklung und Kraftwerksbeteiligung die Leading Swiss Renewables AG. Und im Februar 2014 wurde bekannt, dass der auf Wärme spezialisierte UBS-Fonds Clean Energy Infrastructure Switzerland seit Herbst 2013 mit der EBM zusammenarbeitet.

Bei Kraftwerksinvestitionen bleibt das Kapital lange gebunden, bevor es als Gewinn zurückkommt. Zugleich reduzierten sich die zuvor sprudelnden Alpiq-Dividenden zum Rinnsal. Hinzu kamen die schrumpfenden Margen wegen der tiefen Strompreise auf dem europäischen Markt. Dem langfristig gebundenen Geld fliesst also kurzfristig zu wenig Neues nach.

Konzentration aufs Kerngeschäft

Die EBM reagierte darauf mit dem zweiten Strategiewechsel, indem sie 2012 beschloss, ihre Investitionen zu reduzieren und sie auf das Kerngeschäft Strom, Netz und Wärme zu beschränken.

Das heisst, dass für andere Bereiche das Kapital für die Weiterentwicklung fehlt. Entsprechend verkaufte die EBM im März 2013 ihre Telekomsparte und nun Schwarz + Partner. «Damit ist die Fokussierung abgeschlossen», erklärt Krebs und betont: «Dies dient nicht der Finanzierung der bereits erworbenen Kraftwerke, sondern um Mittel für die zukünftigen Investitionen zu haben.»

Auch das Kerngeschäft blieb vom Umbau nicht unberührt: Im September gab die EBM bekannt, dass sie unter dem Projektnamen «Industrialisierung» die Strukturen strafft, was 80 Arbeitsplätze kostet.

Im Rahmen dieses Programms wurde die Elektroinstallations-Kontrolle an Electrosuisse verkauft, die Gebäudeverwaltung ging an die Bächtiger Liwoba Immobilien AG in Basel, die Gebäudeisolation an die Gipserfirma Oser in Grellingen, die Malerdienstleistungen an die Marcel Fischer AG in Allschwil. Zusammen mit dem Stellenabbau in Marketing und Administration betraf dies 39 Personen.

«Bei den veräusserten Bereichen hat die EBM Wert darauf gelegt, dass die Betroffenen jeweils mit übernommen wurden», erklärt Krebs. Bis auf einige wenige, die wegen verlängerter Kündigungsfristen noch bei der EBM arbeiten, wurde somit die Phase der Entlassungen Ende März abgeschlossen.

«Weitere 40 Stellen werden eingespart, indem in den nächsten drei Jahren 40 Pensionierungen nicht ersetzt werden.» Krebs' Fazit: «Mit dem Umbau ist die EBM in der Lage, ihr Kerngeschäft auszubauen und Grossprojekte wie die Modernisierung des städtischen Fernwärmeverbunds von Strassburg, dem Wärmeverbund Leimental oder den Windpark Liesberg anzugehen.»