Die Planer werden es nicht leicht haben: An welchem der vier Standorte der politisch aufgegleisten gemeinsamen Spitalgruppe beider Basel man welche medizinischen Schwerpunkte ansiedelt, dürfte zu Debatten führen, die nicht zuletzt von persönlichen Interessen befeuert werden. Doch Hilfe naht aus der Hochschule für Life Sciences der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Muttenz: Eine Software, mit der man die Diskussion auf den Boden der medizinischen Alltags-Realität holen kann.

«Ich bin ein absoluter Fan davon», bekennt Volker Büche. Was den Leiter Betriebsplanung und Organisationsentwicklung des Universitätsspitals Basel (USB) so begeistert, ist die Software Xplan, mit der man die Wege der Patienten im Spital verfolgen kann. Damit kann Büche visualisieren, welchen Pfad bestimmte Patientengruppen von der Aufnahme bis zur Entlassung zurücklegen, etwa von der Notfallabteilung in den Operationssaal, dann über die Intensivstation in den Bettentrakt. Wie oft müssen sie zum Röntgen? Welche weiteren Abteilungen sind in die Behandlung bestimmter Erkrankungen oder Verletzungen involviert?

«Ein Spital ist ein System hochkomplexer Vernetzungen», erklärt Büche. Indem man diese sichtbar macht, lässt sich bei der Planung eines Neubaus feststellen, was man sinnvollerweise möglichst nahe zusammenlegt. «Abteilungen, die im täglichen Betrieb enge Beziehungen unterhalten, platziert man auf dem gleichen Stockwerk, um Liftfahrten zu vermeiden. Das spart Kosten und kommt auch den Patienten zugute.» Und wo man miteinander häufig kooperierende Abteilungen aus Platzgründen auf verschiedenen Etagen unterbringt, lässt sich durch die Visualisierung leichter eruieren, welche Lift-Kapazitäten man einplanen muss.

Transparenz im Datenhaufen

Entwickelt wurde Xplan in Muttenz im Team von Dominique Brodbeck am Institut für Medizinal- und Analysetechnologie der Hochschule für Life Sciences FHNW. Die erste Bewährungsprobe bestand Xplan bei der Planung des Neubaus des Inselspitals in Bern. Dort ersetzt man die Bauten aus den 70er-Jahren. «Die Architekten denken raumplanerisch und definieren die Raumvolumen», erläutert Brodbeck. «Wie aber plant man die Anordnung der medizinischen Funktionen? Administrativ? Intuitiv? Oder gemäss der Meinungen und der Hierarchie wichtiger Chefärzte?»

Die medizinischen Abläufe ändern sich. Deshalb gehe es darum, aktuelle räumliche Beziehungen und das, was in Zukunft an Entwicklung zu erwarten ist, realitätsgetreu darzustellen. «Die Fakten stecken in den Daten, die bei der Behandlung der Patienten anfallen», erklärt Brodbeck. Ein Hindernis sei allerdings, dass oft die Systeme der verschiedenen Stationen und Abteilungen nicht miteinander kompatibel seien. «Das übergreifende System ist die Buchhaltung.»

Also habe man aus den Buchhaltungsdaten der 40 000 Insel-Patienten eines Jahres ein Modell entwickelt, das die 320 000 Transfers innerhalb des Spitals sichtbar macht. Dabei kann man einzelne Kliniken ein- und ausblenden. Man kann also separat darstellen, mit welchen anderen Abteilungen beispielsweise die Onkologie (Krebs) am häufigsten Patientenverkehr hat. Ergebnis: Indem man diese Beziehungen sichtbar macht, habe man den Masterplan für das erneuerte Inselspital so gestalten können, dass sich jährlich 8000 Patientenkilometer innerhalb des Spitals vermeiden lassen. Dies entspricht der Strecke von Bern nach New Orleans. «Das ist erstens besser für die Patienten und spart zweitens Zeit, was in Zeiten der Fallpauschalen wichtig für das Spital ist», betont Brodbeck.

Neben der Insel und dem Universitätsspital Basel sei die Hochschule für Life Sciences FHNW in Kontakt mit dem Felix Platter Spital und der Planer der Insel habe sich selbstständig gemacht und werde das System in Deutschland auf den Markt bringen.

Für verschiedene Fragen

Auch der Vertrag für den Einsatz von Xplan bei der Planung der Spitalgruppe beider Basel wurde in den letzten Tagen unterschrieben: Doch lässt sich Xplan für die Planung eines Spitals mit mehreren Standorten einsetzen? Lässt sich beispielsweise die Beziehung zwischen der stationären und der ambulanten Abteilung etwa der Orthopädie darstellen und so sichtbar machen, ob ein Ambulatorium auf dem Bruderholz mit einer stationären Abteilung in Liestal funktional Sinn machen?

Die Software sei für verschiedene Fragestellungen anpassbar, betont Brodbeck. «Für eine solche Planung benötigen wir die entsprechenden Daten. Dann können wir die Fakten visualisieren. Dies würde die Diskussion unter den Anspruchsgruppen erleichtern», kommentiert Brodbeck. «Wir liefern also nur das Werkzeug für faktenbasierte Entscheide.»