«Die Baselbieter Solarenergieförderung bleibt mutlos.» Das ist die Erkenntnis des Grünen-Landrats Philipp Schoch nach eingehender Lektüre der Energiestrategie 2012, die als Grundlage der anstehenden Energiegesetzrevision gilt. Noch schärfer formulierte es am Dienstag im bz-Interview Solarunternehmer Dominik Müller. Mit dem Ausbauziel von 20 Gigawattstunden bis 2030 wolle der Kanton «nichts zur Entwicklung beitragen» und verspiele damit die Möglichkeit, Energie- und Wirtschaftspolitik zu kombinieren. Sukkurs erhält Müller nun von Heinrich Holinger, der in Bubendorf ein Solarunternehmen führt. «Die Ziele sind zu tief gesteckt», sagt der ehemalige Arbeitgeber Müllers. Die Zahlen des Solvatec-Chefs seien, das räumt er ein, ein bisschen gar hoch: Holinger selbst schätzt, dass bis 2030 800 Gigawattstunden produziert werden könnten - Müller hatte von 1200 gesprochen.

Die Vorwürfe kommen bei den Verantwortlichen schlecht an. Alberto Isenburg, Leiter des Amts für Umweltschutz und Energie im Kanton Baselland, sagt, dass die Ziele der Energiestrategie keinesfalls willkürlich gesteckt seien. «Die Rechnung basiert auf einer Expertise des Bundesamts für Energie.» Christoph Buser, der bei der Ausarbeitung der Energiestrategie am Runden Tisch sass, zweifelt an den optimistischen Hochrechnungen der Solarunternehmer. Noch sei die Solartechnologie nicht die Lösung, solange sie nicht in grossem Ausmass gespeichert werden kann. Zudem liefere sie nicht zuverlässig immer genau dann Energie, wenn sie gebraucht werde.

Mit Vorstössen operieren

Buser lässt das Argument nicht gelten, dass die Solarenergie im Baselbiet keine Rolle spiele. Auf dem Kantonsgebiet seien überdurchschnittlich viele Photovoltaik-Dächer anzutreffen. Die entscheidende Frage, der sich die Politiker im anstehenden Beratungsprozess stellen müssen, sei indes: Welche Aufgaben stehen dem Bund zu und welche dem Kanton? Schoch, wie Buser Mitglied der landrätlichen Umwelt- und Energiekommission, sieht auch den Kanton in der Pflicht. Er kündigt deswegen an, bei der Energiegesetzrevision mit parlamentarischen Vorstössen auf bessere Unterstützung der Solarenergie hinzuwirken. Buser ist hingegen der Ansicht, dass dies eine Aufgabe des Bundes sei.

Tatsächlich nimmt der Bund bei der Förderung von Photovoltaik eine führende Rolle ein. Mit der sogenannten Kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) begleicht der Bund bei erneuerbaren Energien den Unterschied zwischen dem Marktpreis und den Produktionskosten. Weil der Bund die KEV kontingentiert hat, sind einige Kantone in die Bresche gesprungen. In Basel-Stadt wurden alleine im Jahr 2012 über 1,8 Millionen Franken an Investitionsbeiträgen ausgegeben - 300 000 Franken für Klein-Photovoltaik-Anlagen, 1,5 Millionen für thermische Solaranlagen. In Baselland haben die beiden grossen Energiegenossenschaften Förderprogramme für Photovoltaik.

Baselland bekommt Solarkataster

Dass der Kanton die Photovoltaik allemal als zukunftsträchtig erachtet, zeigt das Erstellen des Solarkatasters, das am nächsten Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz präsentiert werden soll. Und zumindest hier lässt man sich von den Baslern nichts vormachen. «Das Kataster ist genauer als dasjenige der Basler», sagt Alberto Isenburg. Eine Ankündigung, die sich sehen lässt: Jürg Hofer vom Basler Amt für Umwelt und Energie spricht von einem Kataster, «das auf den halben Meter genau ist».