Eigentlich super: Bei Solarspar in Sissach Geld anlegen mit bis zu 2 Prozent Zins bei einer Darlehensdauer von 10 Jahren. Bei einer Darlehensdauer von bei 20 Jahren beträgt der Zins sogar 2,5 Prozent. Zudem wird mit dem Geld der Bau von Solarstromanlagen finanziert, und aus deren Gewinn fliesst erst noch ein Teil in Entwicklungsprojekte in Ländern wie Moçambique, Madagaskar oder Mexiko. Das ist doch etwas anderes als ein Sparkonto bei einer Grossbank, wo man mit 0,01 Prozent Zins anfängt und es auf 0,1 Prozent bringen kann, aber nicht weiss, ob die Bank mit dem Geld der Sparer beispielsweise in Moçambique Geschäfte finanziert, die nicht nur moralisch fragwürdig sind, sondern auch ein juristisches Nachspiel zur Folge haben dürften.

Tempi passati: Das Angebot von Solarspar galt bis vor rund einem Dreivierteljahr. Der Verein nimmt derzeit keine Darlehen mehr entgegen. Dafür gibt es mehrere Gründe: Einerseits hat Solarspar entgegengenommene Darlehen gemäss der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma mit einer Bankgarantie abzusichern, andererseits hat Solarspar derzeit schlicht zu viel flüssige Mittel im Verhältnis zu den realisierbaren Investitionsvorhaben.

Solarspar ist keine Sparkasse

«Wir dürfen weiter Darlehen entgegennehmen», berichtigt Solarspar-Präsident Peter Wettler das Gerücht, die Finma habe mit Verweis auf das Bankengesetz das schöne Alternativmodell torpediert. «Man kann doch einer Nonprofit-Organisation nicht das Arbeiten verbieten.»

Allerdings habe der Vereinsvorstand Mühe gehabt, die Finanzaufseher zu überzeugen, dass sich «Solarspar» nicht auf Finanzen, sondern aufs Energiesparen bezieht. «Aber im Oktober haben sie es begriffen.» Insgesamt seien es rund 700 Darlehensgeber, allesamt Vereinsmitglieder, die das Geld für die derzeit 78 Photovoltaik-Anlagen zur Verfügung stellen – darunter viele, die dies aus ethischen und nicht aus finanziellen Überlegungen tun. Trotzdem zeigt Wettler Verständnis für das Vorgehen der Finma: «Es geht um einen normalen Vorgang zum Schutz der Anleger.»

Zu viel Geld auf dem Konto

Gemäss Christian Haidlauf, im Solarspar-Vorstand zuständig für die Finanzen, ist nicht die Finma Grund für den derzeitigen Darlehens-Stopp, sondern der Umstand, dass dem Verein einfach mehr Mittel zugeflossen sind, als er vorneweg investieren kann. Es mache keinen Sinn, zu verzinsendes Fremdkapital entgegenzunehmen, wenn dieses nicht benötigt wird. Ein Blick auf die Jahresrechnung 2015 zeigt: Vor einem Jahr wies die Bilanz 8,3 Millionen Franken Fremdkapital aus, denen 8,5 Millionen Anlagevermögen entgegenstanden. Hinzu kamen 3,1 Millionen Franken flüssige Mittel, also sofort verfügbares Geld.

Damit realisierte Solarspar im vergangenen Jahr zehn Anlagen mit insgesamt 669 Kilowatt Spitzenleistung für insgesamt 1,8 Millionen Franken und begann ein grösseres Projekt von 715 Kilowatt für 0,9 Millionen Franken auf einem Hallendach in Emmenbrücke (LU). Letzteres soll jetzt im März 2017 ans Netz gehen und profitiert von der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV). Das heisst: Solarspar kann den Strom 21 Jahre lang für 14,26 Rappen an Swissgrid verkaufen.

Solche KEV-Projekte sind aufgrund der überlangen Warteliste beim Bund selten. Typischer ist eine 29,6-Kilowattanlage für rund 53 000 Franken auf einem Gewerbedach. Diese wurde vom Bund mit einem einmaligen Beitrag von gut 16 000 Franken gefördert. Wenn rund 60 Prozent des Stroms der Grundstücks-Eigentümer für 17 Rappen pro Kilowattstunde abnehmen, was für ihn immer noch günstiger ist, als der Strom von seinem lokalen Lieferanten, da beim Strom vom eigenen Dach die Netz- und andere Kosten wegfallen. Den Rest wird Solarspar für 5 Rappen ins Netz einspeisen, was letztlich einen Mischpreis von rund 13 Rappen ergibt.

«Solche Projekte aufzugleisen erfordert umfangreiche Abklärungen und Verhandlungen und ist deutlich aufwendiger, als wenn man den ganzen Strom per KEV verkaufen kann», erklärt Solarspar-Geschäftsleiter Markus Chrétien. «Es geht jeweils darum, Liegenschaften zu finden, deren Eigentümer einen grossen Teil des Stroms selbst abnehmen wollen. Diese Anlagen erfordern aber hinterher auch mehr Verwaltungs-Aufwand.»

Energiewende rentiert

Die Liste der seit dem Jahr 2000 gebauten Sonnenkraftwerke zeigt, dass Solarspar trotzdem nicht weniger Anlagen realisiert: Deren zehn wie im vergangenen Jahr waren es letztmals im Jahr 2009. Seither lag der Schnitt bei etwas mehr als sechs Anlagen im Jahr.

Spannend auch die Entwicklung der Kosten pro installiertes Kilowatt Spitzenleistung: Betrugen diese im Jahr 2000 für die kleine Anlage auf dem Schulhausdach am St.-Johanns-Ring in Basel noch 10 695 Franken, so rechnet man für die demnächst in Betrieb gehende Anlage in Emmenbrücke mit 1315 Franken und bei den kleineren Anlagen um 1800 Franken pro Kilowatt. Hinzu kommt: Je länger eine Anlage arbeitet, desto weiter ist sie abgeschrieben und desto rentabler wird sie.