Was spricht dafür, dass sich der Kanton Baselland an Wasserkraftwerken beteiligt?

In Visp VS wird bei der Lonza regelmässig die Notwendigkeit zu Restrukturierung und zum Arbeitsplatzabbau mit den Energiepreisen begründet – indirekt also damit, dass Christoph Blocher und Martin Ebner 2011 das werkseigene Kraftwerk an Energie Baden-Württemberg verkauft haben. Strom ist eine strategische Ressource. Dies gilt erst recht für die Zukunft. E-Mobilität, der Ausstieg aus der fossilen Energie, Roboter und das Internet der Dinge: Alles funktioniert mit Strom. Der Gedanke, die Kontrolle darüber ausländischen Investoren zu überlassen, dürfte politisch auch ausserhalb nationalistischer Kreise Unbehagen auslösen. Der strategische Stellenwert der Elektrizität war auch ein Grund, weswegen sich Baselland an den Kraftwerken Birsfelden und Augst beteiligt hat.

Was spricht dagegen, dass sich der Kanton Baselland an Wasserkraftwerken beteiligt?

Alberto Isenburg, Leiter des Amts für Umwelt und Energie, verweist darauf, dass gemäss Verfassung der Bund für die Stromversorgung zuständig ist: «Wenn der Bund seine Linie festgelegt hat, kann man dann darüber diskutieren, welchen Beitrag allenfalls die Kantone leisten sollen.» Auch Nationalrat Eric Nussbaumer, der aufgrund von Tweets so zitiert wurde, als ob er eine Kantonsbeteiligung befürworten würde, erklärt: «Die Kantone haben als Teilhaber der Stromkonzerne Verantwortung zu übernehmen. Im Baselbiet nehmen aber die beiden Genossenschaften EBL und EBM diese öffentliche Aufgabe wahr.» Es sei deshalb nicht vordringlich, dass sich der Kanton einschalte. Urs Steiner, Geschäftsleiter der EBL, weist darauf hin, dass sowohl EBM als auch EBL durch langfristige Verträge an ihren Lieferanten Alpiq gebunden sind. Sollte der Kanton durch ein Wasserkraft-Engagement plötzlich über eigenen Strom verfügen, müsste er selbst schauen, wohin er diesen verkauft. Deshalb käme wohl nur ein Finanzinvestment infrage, das aber kurzfristig nicht rentabel ist – sonst würde Alpiq ja nicht verkaufen.

Welche technologischen Risiken müssen Investoren, unabhängig ob Kanton oder Energieversorger, vor einer allfälligen Beteiligung klären?

Kraftwerke sind teuer und deshalb langfristige Investitionen. Derzeit erlebt die Strombranche eine Phase rasanter technologischer Umbrüche. Was gestern revolutionär war, ist heute gängige Technik und morgen schon veraltet. Dieses Auseinanderklaffen zwischen dem langfristigen Investitionshorizont in der Stromproduktion einerseits und der Innovationsgeschwindigkeit andererseits macht die Abschätzung der Technologierisiken schwierig.

Welche System-Risiken müssen Investoren beachten?

Zum technologischen Umbruch gehört die Dezentralisierung: Welcher Anteil der Haushalte speichert in 20 Jahren den Solarstrom vom Dach in der Batterie im Keller und ist vom Netz weitgehend unabhängig? Je dezentraler die Stromversorgung der Zukunft funktionieren wird, desto stärker werden Grosskraftwerke – auch solche, die sauberen Wasserstrom produzieren – unter Druck geraten.

Welche klimatischen Risiken müssen Investoren abschätzen?

Das Klima wird wärmer, die Gletscher schmelzen weg. Zwar ist CO2-freier Wasserstrom ein wichtiger Beitrag für den Ausstieg aus den fossilen Energien, der für die an der Klimakonferenz von Paris vereinbarten Ziele essenziell ist. Vielleicht kommt man aber zu spät und die Gletscher sind als Wasserspeicher nicht mehr verfügbar. Wie weit dies den Betrieb der Stauseen und die Stromproduktion wirtschaftlich beeinträchtigt, muss ein Investor abschätzen, bevor er einsteigt.

Welche wirtschaftlichen Risiken bestehen?

Die Preise an der europäischen Strombörse sind innerhalb von zwei Jahren um 45 Prozent gesunken. Sie werden sich in den nächsten fünf Jahren nicht wesentlich bewegen, da schon heute die Verträge für 2020 abgeschlossen werden. Zwar ist Strom die strategische Energieform schlechthin, aber wann sich dies für die Produzenten in Rentabilität ummünzen lässt, ist derzeit offen.