Martialische Metaphern sollten nur mit Vorsicht verwendet werden. Doch der Hemmiker Bauer und Besitzer des Hofs Maiberg, Alfred Suter, kann nicht anders – zu lange liegt er bereits mit dem Kanton und der Gemeinde im Clinch: «Ich war 16 Jahre lang im Bürgerkrieg und jetzt bin ich Kriegsveteran», sagt Suter, als er von der bz auf die neueste Entwicklung angesprochen wird. Der heutige Tag sei wie ein zweiter Geburtstag für ihn.

Diese Euphorie mag erstaunen, denn was die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) gestern mitteilte, klingt wenig spektakulär: Die Parteien des runden Tischs zum Fall Wischberg – also Kanton, Gemeinde und Hofbesitzer Suter – hätten sich nach mehreren Sitzungen geeinigt, im Gelände Sondierbohrungen durchzuführen. Dies, um den Baugrund «im Bereich der verfüllten Mergelgrube und im Zwischengelände bis oberhalb des Hofs Maiberg» zu untersuchen, heisst es wörtlich. Das Baugesuch wurde gestern im Amtsblatt publiziert. Bleiben Einsprachen aus, sollen die Bohrungen bereits im März beginnen. Das durch die Gemeinde Hemmiken beauftragte Geologiebüro Pfirter Nyfeler + Partner AG aus Muttenz rechne damit, dass die Arbeiten rund einen Monat dauern werden.

Wer hat Zugeständnisse gemacht?

Nimmt man Suters Perspektive ein, ist die Euphorie schon eher verständlich. Die Schäden an seinem Hof und der Rechtsstreit haben ihn an den Rand des Ruins gebracht (siehe Kasten). Es stehen Forderungen in Millionenhöhe im Raum. Sechs Gerichtsverfahren sind sistiert, solange der runde Tisch läuft. Von den Bohrungen erhofft man sich Antworten auf die zentralsten Fragen des Streits – und letztlich Beweise dafür, was zu den Veränderungen am Hang geführt hat.

Wie stabil ist der Hang? Um wie viel wurde die Grube überfüllt und mit welchem Material genau? Oder mit wie viel Wasser ist der Boden durchsetzt? «Vielleicht erhalten wir noch nicht gleich auf alles Antworten, dann braucht es weitere Analysen wie etwa Färbversuche. Aber der Anfang ist gemacht», sagt Suter. Eine wichtige Frage sei für ihn allerdings auch: «Warum haben Kanton und Gemeinde gerade jetzt mit dem Krieg aufgehört?»

Tatsächlich stehen die Sondierbohrungen schon seit 2008 zur Diskussion und Suters Bedingungen, wann er ihnen zustimmt, hat sich nicht verändert. Für ihn war stets ausgeschlossen, dass er für eventuelle Folgeschäden haftet, die aus den Bohrungen entstehen können. Doch genau das wollten Kanton und Gemeinde bis anhin.

GPK bremst die Euphorie

Was aus der Medienmitteilung nicht hervorgeht, verrät Suter: Nun habe die Gemeinde Hemmiken als Bauherr der Sondierbohrungen eine Risikoversicherung abgeschlossen und haftet demnach – zähneknirschend, wie er anfügt. «Genau da hat es in den letzten drei Jahren geklemmt», sagt der Landwirt hörbar erleichtert. Gemeindepräsident Alfred Sutter – mit zwei «t» – sagt gegenüber der bz bloss «kein Kommentar» und verweist für Auskünfte an den Kanton.

Die zuständige Baudirektorin Sabine Pegoraro antwortet aus den Skiferien zwar schriftlich, geht jedoch auf diese Frage nicht ein, weil unter den Parteien Stillschweigen vereinbart worden sei. Sie teilt aber Suters Einschätzung, dass die Einigung ein Durchbruch ist: «Damit wird die Basis gelegt, dass das Kantonsgerichtsurteil von 2007 vollzogen werden kann.» Pegoraro betont dabei aber auch, dass das Urteil nicht den Kanton in die Pflicht genommen habe. Dies kann auch als indirekte Spitze gegen die Gemeinde gelesen werden. Die Regierungsrätin fügt freilich an: «Es geht bei den Sondierbohrungen nicht darum, Schuldzuweisungen zu machen.»

Die BUD sieht nun auch die Vorgabe der landrätlichen Geschäftsprüfungskommission (GPK) als erfüllt an, die innert nützlicher Frist eine konkrete Lösung forderte. GPK-Präsident Hanspeter Weibel zeigt sich zurückhaltend: «Dass nun die bereits vom Kantonsgericht geforderten Bohrungen gemacht werden, ist längst überfällig, stellt aber noch keinen Durchbruch dar.»

Die GPK hätte einen Vergleich, der die Summe aller Ansprüche abdeckt, erwartet. Weibel: «Die Ergebnisse der Bohrungen könnten verschieden interpretiert werden.» Hier ist Landwirt Suter optimistischer: «Die Bohrkerne dienen den Spezialisten als sichere Grundlage. Ich hoffe nicht, dass es dann noch Anlass zum Streit gibt.» Dennoch geht er davon aus, dass es weitere zehn Jahre dauert, ehe der «Fall Wischberg» endgültig ad acta gelegt werden kann.