In Liestal nimmt die Zahl der Sozialhilfefälle ungebremst zu: 2014 verzeichnete der Baselbieter Bezirkshauptort einen Anstieg von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie die «Schweiz am Sonntag» in ihrer gestrigen Ausgabe berichtete. Von 20 von der Zeitung befragten Klein- und Grossstädten in der Deutschschweiz lag Liestal damit an der Spitze. Hingegen ist in Basel die Zahl der Sozialhilfebezüger im vergangenen Jahr leicht – um ein Prozent – gesunken; dies nach einem relativ starken Anstieg seit 2010.

In Liestal zeigt der Trend seit Jahren nur in eine Richtung – nach oben: Bereits in den zwei Vorjahren (von 2011 bis 2013) haben die Sozialhilfekosten um rund 10 Prozent zugenommen. Mit einer Sozialhilfequote von 4,9 Prozent (Anteil der Sozialhilfebezüger an der Gesamtbevölkerung) lag Liestal 2013 hinter Pratteln auf Rang zwei der am stärksten betroffenen Baselbieter Gemeinden. Liestal gab für die Sozialhilfe im Jahr 2013 pro Einwohner 421 Franken aus – nach Grellingen war dies der zweithöchste Wert im Kanton. Flächendeckende Angaben für 2014 liegen noch nicht vor.

Alleinerziehende, Ausgesteuerte

Die Hauptgründe für die Zunahme in Liestal liegen laut René Frei, Bereichsleiter Soziales, in der zunehmenden Inanspruchnahme der Sozialhilfe durch Alleinerziehende und Working Poor sowie der Bevorschussung der Invaliden- und der Arbeitslosenversicherung. Neben Alleinerziehenden sind in Liestal die Ausgesteuerten sowie Sucht- und Psychischkranke in der Sozialhilfe stark vertreten. In den kommenden Jahren ist laut Frei keine Entspannung der Lage in Sicht: «Wir sind davon überzeugt, dass die Kosten aufgrund des Lohndrucks, der Arbeitslosigkeit und aufgrund der Zunahme von psychischen Erkrankungen weiter steigen werden.»

Zwar liegt Liestal aktuell immer noch hinter Basel, das für 2013 eine Sozialhilfequote von 6,5 Prozent ausweist. Allerdings: Der Vergleich in der «Schweiz am Sonntag» zeigt, dass 2014 die Fallzahlen in kleineren Städten wie Wohlen, Olten, Chur oder eben Liestal stärker gestiegen sind als in Basel, Zürich oder Winterthur. Von hohen Sozialhilfekosten sind offensichtlich nicht mehr «nur» Grossstädte betroffen, sondern zunehmend auch Kleinstädte, Agglomerationsgemeinden oder gar Landgemeinden, sofern diese per öV gut erschlossen sind und über günstige Wohnungen verfügen.

Das zeigt auch die Entwicklung im Baselbiet: Neben den Hotspots in der Agglomeration wie Liestal und Pratteln kämpfen auch gut erschlossene Landgemeinden wie Grellingen oder Waldenburg mit explodierenden Sozialhilfekosten. Nach Ansicht einiger Gemeindevertreter ist das heutige System am Anschlag. Im Landrat fordert nun der Grellinger SP-Vertreter Andreas Giger Solidarität ein: Wie etwa im Kanton Bern soll ein gemeinsamer Topf in der Sozialhilfe die stark betroffenen Gemeinden entlasten.