Als «etwas gedrückt» und «enttäuscht» beschreibt SP-Vizepräsident Christoph Hänggi die Gefühlslage bei den Baselbieter Genossen am Tag nach dem historischen Rauswurf aus der Baselbieter Regierung. Zwar sei die Stimmung nicht so schlecht wie vor knapp zwei Jahren, als SP-Nationalrat Eric Nussbaumer in einer Regierungsersatzwahl dem heutigen SVP-Regierungsrat Thomas Weber knapp unterlag. Das sagen zumindest zwei SP-Mitglieder, die keine Parteiversammlung auslassen. Damals, im Frühjahr 2013, schnupperte die SP an der rot-grünen Regierungsmehrheit. Nun ist die zweitstärkste Partei im Baselbiet gar nicht mehr in der fünfköpfigen Exekutive.

Zweierkandidatur war richtig

So schnell kanns gehen. Doch wie konnte es soweit kommen? Die These, wonach sich die zwei Kandidierenden Regula Nebiker und Daniel Münger gegenseitig Stimmen genommen hätten, lässt Hänggi nicht gelten. Der relativ grosse Stimmenabstand zu den beiden gewählten FDP-Regierungsrätinnen Sabine Pegoraro und Monica Gschwind zeige, dass die SP wohl auch mit einer Einerkandidatur gescheitert wäre. Zudem: «Wenn wir mit einem oder einer Kandidierenden angetreten wären, hätten wir im vornherein akzeptiert, dass wir keinen Wechsel anstreben», gibt Hänggi zu bedenken. Die SP wollte aber zeigen, dass es neue Köpfe braucht für den Kanton. Auch Nationalrat Nussbaumer schüttelt den Kopf über die These, die Zweierkandidatur sei ein Fehler gewesen. «Das entbehrt jeglicher Logik. Die FDP ist die kleinere Partei als die SP, ist mit zwei Kandidatinnen angetreten und war mit dieser Strategie erfolgreich.»

Was, wenn nicht die Strategie, war dann ausschlaggebend für das klägliche Scheitern der SP? Immer wieder genannt wird die Tatsache, dass die SP und die beiden Kandidierenden im Wahlkampf kaum Themen setzen konnten: «Wir haben es nicht geschafft, den Bürgerlichen kritische Fragen zu stellen», analysiert Hänggi. Solche kritischen Fragen hätte es zur Genüge gegeben – schliesslich trägt an der schlechten Finanzlage des Kantons eine bürgerlich dominierte Regierung der Nullerjahre zumindest eine Mitschuld. Und wenn Münger und Nebiker dann doch in Erscheinung traten, dann mit Kritik an eigenen Magistraten – wie etwa Nebikers bildungspolitischer Angriff auf den abtretenden Urs Wüthrich.

Wie geht es nach dem Debakel weiter? Die Jungsozialisten fordern mehr Mitsprache, sprich mehr Sitze in der 15-köpfigen Geschäftsleitung der Kantonalpartei. «Die SP kann viel von uns lernen», sagt Juso-Co-Präsident Jan Kirchmayr (21) mit einigem Selbstvertrauen. Sein Kollege Adil Koller (21), der es im Wahlkreis Münchenstein auf der Landratsliste zum ersten Nachrückenden geschafft hat, doppelt nach. Die SP müsse nun machen, was die Juso seit langem fordern: profilierter auftreten und die Partei als pointierte und unbequeme Alternative zum bürgerlichen Mainstream positionieren. «Ich erwarte, dass in der Geschäftsleitung nur Personen vertreten sind, die anpacken und die Partei vorwärtsbringen wollen», sagt Koller, der die Juso in der Geschäftsleitung vertritt. Einige Mitglieder könnten dies als Rücktrittsaufforderung auffassen. Namen will Koller keine nennen und stellt klar: «Pia Fankhauser ist die richtige Parteichefin.»

Parteispitzen sollen reden

SP-Nationalrat Eric Nussbaumer fordert derweil, dass SP und Grüne wieder stärker zusammenarbeiten: «Das gegenseitige Sticheln muss aufhören.» Die Parteispitzen seien aufgefordert die Verhältnisse zu klären. Die Resultate von Sonntag zeigten, dass es niemandem nütze, wenn sich das rot-grüne Lager auseinanderdividieren lasse», findet Nussbaumer. Implizit kritisiert er Grünen-Regierungsrat Isaac Reber, der sich zu seiner politischen Herkunft stets zurückhaltend äussert. Über die Erneuerung der Freundschaft mit den Grünen hinaus fordert Nussbaumer eine Annäherung an GLP und EVP; mit dem Ziel, als Gegengewicht zum bürgerlichen Lager längerfristig ein Mitte-links-Bündnis zu etablieren. Bei der Ausmarchung zwischen Thomi Jourdan (EVP) und Anton Lauber (CVP) um den Sitz des verstorbenen Peter Zwick hat dieses Bündnis überraschend gut funktioniert – auch wenn Lauber gewählt wurde.