Die Prämien-Initiative hat etwas geschafft, was im Kanton Baselland selten geworden ist. Grosse Agglomerationsgemeinden sitzen im selben Boot mit kleinen Nestern aus dem Oberbaselbiet und dem Laufental (siehe Tabelle). Die Prämien-Initiative füllt den Stadt-Land-Graben auf – urbane und ländliche Wähler friedlich vereint, ausgerechnet bei einer Vorlage der SP. Wie kann das sein?

«Ich muss ehrlich sagen: Ich war überrascht über das Resultat», sagt Stephan Burgunder. Der Freisinnige präsidiert die grösste Baselbieter Gemeinde, welche die Prämien-Initiative angenommen hat, mit 53.9 Prozent Ja-Stimmen. Er könne nur Mutmassungen über die Ursachen anstellen, sagt Burgunder: «In Pratteln war es wohl eine Kombination aus hoher Sozialhilfe-Quote, einer traditionell starken SP-Wählerbasis und der wirkungsvollen Kampagne der Initianten.»

Dieser Analyse pflichtet Christof Hiltmann, Burgunders Amts-Kollege aus Birsfelden, bei. «Seine» Gemeinde sagte noch deutlicher Ja zur Prämien-Initiative als Pratteln. Im 10 400-Einwohner-Ort kam das Begehren auf 57,7 Prozent Zustimmung – der zweithöchste Wert im ganzen Kanton.

Gerade Birsfelden scherte in den vergangenen Jahren regelmässig aus bei linken Vorlagen. So nahm die Gemeinde 2014 mit 54,4 Prozent die Masseneinwanderungs-Initiative (MEI) an – der höchste Wert im Bezirk Arlesheim.

«Ich stelle fest», sagt Hiltmann, «dass Birsfelden bei sozialpolitischen Anliegen in der Regel eher auf SP-Linie ist. Sobald es jedoch um Themen wie Einwanderung und aussenpolitische Öffnung geht, fällt die Zustimmung mässig aus.» Man hat es in Birsfelden also mit einer sozialen, aber auch strukturkonservativen Wählerschaft zu tun. Den Ausschlag zur hohen Zustimmung zur Prämien-Initiative gab wohl die Bevölkerungsstruktur. Im Arbeitervorort Birsfelden gibt es überdurchschnittlich viele Mieter, Angestellte, Familien. In der Regel Angehörige des (unteren) Mittelstands – Kreise, die von den zusätzlichen Prämienverbilligungen profitiert hätten. «Die Zielgruppe der Initiative war in Birsfelden sicherlich überdurchschnittlich vertreten», sagt Hiltmann.
SVP-Hochburgen sagten Ja

Im Laufental hätte die SP beinahe einen Achtungserfolg erzielt. Ein paar Dutzend Stimmen fehlten für ein Ja des Bezirks zur Prämien-Initiative, obwohl die SP hier nicht besonders stark ist. Auch im Oberbaselbiet scherten sieben Gemeinden aus, SVP-Hochburgen wie Langenbruck sagten Ja. Im Oberbaselbiet liegen jedoch auch jene zwei Gemeinden, welche das Begehren am heftigsten verworfen haben: Lauwil und Hemmiken.

Der Hemmiker Gemeindepräsident Alfred Sutter (parteilos) sagt, in seinem Dorf seien die hohen Krankenkassen-Prämien auch ein Problem. «Ich glaube aber, die Einwohner haben eingesehen, dass Umverteilen nicht die Lösung sein kann.» Eines sei aber klar, sagt Sutter: «Die Prämien können nicht einfach immer weiter steigen. Sonst gibts bald die nächste Initiative.»