Der Baselbieter Landrat lehnt eine bessere Ausschöpfung der Höchstzahl bei der Bildung der ersten Klassen an der Sekundarschule ab. Das Parlament entschied sich gestern mit 43 zu 42 Stimmen knapp gegen das Eintreten auf eine entsprechende Änderung des Bildungsgesetzes.

Das Stimmverhalten hielt sich für einmal strikt an die politischen Blöcke Mitte-Links und rechtsbürgerlich, die jeweils über 45 Sitze verfügen: Gegen Eintreten stimmten SP, Grüne, EVP, CVP, BDP, GU und GLP, dafür waren SVP und FDP. Entscheidend waren also die – wenigen – Abwesenden.

Damit ist eine Vorlage vom Tisch, von der man ausging, sie würde vom Landrat wohl knapp angenommen und müsse letztlich vom Volk beurteilt werden. Spätestens dort hätte sie aber wohl einen schweren Stand gehabt. Schliesslich ging es darum, auf den Sekundarstufen I und II die Richtzahl von 22 Schülern, die den Schulleitungen als Orientierung bei der Bildung der ersten Klassen dient, zu streichen. Dadurch wäre als einzige Richtgrösse die Höchstzahl von 24 im Gesetz verblieben. Da die Vorlage ursprünglich den Sparbemühungen der Regierung entstammt – pro Jahr sollten so rund fünf Millionen Franken gespart werden –, wäre eine konsequentere Annäherung an die Höchstzahl das Ziel gewesen. Vollere Klassen also – etwas, das nicht nur Lehrer, sondern wohl auch viele Eltern bekämpft hätten.

Sache auch für Primar gegessen

Das Resultat bedeutet auch einen herben Dämpfer für Bildungsdirektorin Monica Gschwind, die bei der Unifinanzierungsdebatte noch triumphiert hatte. «Ich wusste, dass das Geschäft umstritten ist, bin aber schon enttäuscht, dass es nun so kam», sagt sie am Ende zur bz. Nun müsse sich die Regierung besprechen, ob das Geld an anderer Stelle innerhalb der Bildungsdirektion eingespart werden muss.

Ad acta legen kann das Amt für Volksschulen damit auch den Auftrag der Regierung, dem Willen der Gemeinden zu folgen und in einem nächsten Schritt auch in der Primarschule die Richtzahl zu streichen. Gschwind: «Es ist klar, dass wir nun sicher nicht dasselbe auf Primarstufe anpacken.»

Die Meinungen im Landratssaal waren gemacht: Für Mitte-Links bedeutete die Vorlage einen Verlust an Bildungsqualität, da schon ein oder zwei Schüler mehr pro Klasse einen grossen Unterschied machen könnten. Für SVP und FDP standen eine bessere Effizienz und Einsatz der Ressourcen im Vordergrund. «Unsere gut ausgebildeten Lehrer sollten mit 24 Kindern klarkommen», hielt Paul Hofer (FDP) fest. Jürg Wiedemann (GU) dagegen befürchtete, dass vermehrt die Höchstzahl gesprengt würde und nicht bloss bei sieben von 380 Klassen wie aktuell. Auch Schülerverschiebungen könnten zunehmen.

Gschwind mit veralteten Daten?

Dass die durchschnittlichen Klassengrössen 2015 sogar deutlich unter der Richtzahl lagen, beruhigte Mitte-Links genau so wenig, wie Gschwinds Aussage, dass es 2017 nur eine einzige Beschwerde gegen die Klassenzuteilung gegeben habe. Pascal Ryf (CVP), als Schulleiter in Allschwil selbst betroffen, bezichtigte Gschwind gar der Falschaussage, da diese zuvor gesagt hatte, nicht der Kanton, sondern die Schulleitungen bildeten die Klassen. «Das Amt für Volksschulen bewilligt die Klassenbildung. Der Entscheid liegt dort», intervenierte Ryf. Auch seien Gschwinds Zahlen kaum aktuell, da er selbst von weit mehr überfüllten Klassen wisse als deren sieben.