Es war ein zwiespältiger Eindruck, den Monica Gschwind am Mittwochabend hinterliess. Die neue Bildungsdirektorin stellte sich an der Mitgliederversammlung des Lehrervereins Baselland (LVB) den Fragen der Lehrerschaft. Das allein brachte ihr einen gewissen Respekt ein, war der Freisinnigen doch bewusst, dass die Unzufriedenheit über die Sparmassnahmen im Bildungsbereich gross ist. Auch sammelte sie Pluspunkte, weil sie ankündigte, sich jeden zweiten Freitagmorgen für Schulbesuche freihalten zu wollen.

Die Geister der Vergangenheit

Doch im Coop-Tagungszentrum von Muttenz wurde ebenso offensichtlich, dass die Hölsteiner Treuhänderin nach 85 Tagen im Amt noch nicht in allen Bildungsdossiers sattelfest ist. «Jetzt muss ich meinen Joker ziehen», gab sie während der Fragerunde das Wort gleich mehrfach an Urs Zinniker weiter, den Abteilungsleiter Schulbetrieb beim Amt für Volksschulen. Gar nicht gut kam Gschwind mit ihrem Versuch an, die Lehrer davon zu überzeugen, dass sie von den im Juli vorgestellten Sparmassnahmen nicht stärker als andere Staatsangestellte betroffen seien.

Nur zu gern wurde sie daran erinnert, dass sie noch im Regierungswahlkampf Anfang Jahr versprochen habe, nicht im Klassenzimmer und auch nicht bei den Lehrerlöhnen sparen zu wollen. «Ich sagte damals, dass ich dagegen bin, wenn nur bei den Lehrern gespart wird. Nun sind aber alle Direktionen betroffen», versuchte Gschwind sich zu erklären. «Na, das ist ein echter Trost», kam prompt ein vor Ironie triefender Zwischenruf.

Dennoch bewies Gschwind auch, dass ihre Ankündigung in der bz von Ende Juli, «als neue Direktionsvorsteherin hinterfrage ich alles, was bisher galt», nicht bloss leere Worte waren. Dass sie bei der Erarbeitung des aktuellen Sparmassnahmen-Pakets noch gar nicht involviert war und zudem bildungspolitisch konservativer tickt als ihr Vorgänger Urs Wüthrich (SP), zeigt sich nicht nur in ihrem «Marschhalt» beim Lehrplan 21 (siehe Interview unten).

Im Schnitt zwei Schüler mehr

Als die versammelte Lehrerschaft sich echauffierte, dass die Regierung die maximalen Klassengrössen auf den Sekundarstufen I und II auf 26 erhöhen möchte – und das sogar im Niveau A, wo die Höchstzahl momentan bei 20 liegt –, relativierte Gschwind: Keinesfalls sei es die Meinung gewesen, über alle Niveaus flächendeckend diese Klassengrösse einzuführen. Dafür fehle es in Baselland sowieso an Schulraum.

Dies genügte LVB-Präsident Roger von Wartburg allerdings nicht. Er hakte nach: «Können Sie heute ein Bekenntnis abgeben, dass die Niveau-A-Klassen nicht auf 26 Schüler erhöht werden, Frau Gschwind?» Und die Regierungsrätin machte ihm den Gefallen: «Ja, 26 Schüler in einer Niveau-A-Klasse sind für mich nicht denkbar. Es darf nicht zulasten der Schwächsten gehen.» Tosender Applaus. Dabei schien fast etwas unterzugehen, dass Gschwind betonte, das Sparziel ihrer Direktion von 50 Millionen Franken dennoch einhalten zu müssen und die Lehrer wohl auch nicht mit 24 oder 25 Schülern im Niveau A zufrieden wären. Zuversichtlich dürfte Zinnikers Ergänzung stimmen, wonach die Klassen im Schnitt um rund zwei Schüler vergrössert werden müssten.

Gschwind stärkte den Lehrern noch an anderer Stelle den Rücken: Die bereits umgesetzte Pflichtstundenerhöhung für Sekundar- und Gymnasiallehrer sollte eigentlich in den Bereichen Schulentwicklung, Weiterbildung oder Elternberatung kompensiert werden, doch im Alltag werde dies von den Schulleitungen kaum umgesetzt. «Sie müssen darauf beharren, dass sie die Zusatzlektion kompensieren können.» Wenig Gehör zeigte Gschwind aber dafür, dass die Lehrer von der Politik Vorschläge erwarten, wo genau sie kompensieren können.

Widerstand gegen Passepartout

Schonungslos aufgedeckt wurde die Unerfahrenheit der Bildungsdirektorin beim Thema Fremdsprachenkonzept «Passepartout». Dieses didaktische Konzept für den Französisch- und Englisch-Unterricht in der Primar- und der Sekundarschule wird von sechs Kantonen unterstützt und ist in Baselland bereits angelaufen. Dass alle Fremdsprachenlehrer dafür bis zu 16 Tage Weiterbildung besuchen müssen, sei gerade beim aktuellen Spardruck unsinnig, monierten die Lehrer und verhehlten dabei auch nicht, dass sie sich die alten Lehrmittel zurückwünschen.

Gschwind jedoch gab zu, das Konzept noch nicht genau angeschaut zu haben («Sie bringen mich in eine Zwickmühle») und betonte bloss, dass ein Abbruch von «Passepartout» so früh nach dem Start nicht zu verantworten sei. Nicht unrecht dürfte Landrat und Lehrer Jürg Wiedemann gehabt haben, als er aufstand, um der von ihm im Wahlkampf unterstützten Regierungsrätin zu helfen: «Ich kenne Deine persönliche Haltung, Monica. Wärst Du nicht in der Regierung, würdest Du ‹Passepartout› bachab schicken.» Darauf Gschwinds bezeichnende Antwort: «Ich kann das Rad nicht mehr zurückdrehen.» Die Freisinnige muss sich eindeutig noch in ihrer neuen Rolle zurechtfinden.