Als ob die Schulraumplanung von Muttenz nicht schon kompliziert genug wäre, wird sie auch noch durch einen Entscheid des Baselbieter Regierungsrats über den Haufen geworfen. Das Schulhaus Gründen bleibt während der zweijährigen Bauphase für den neuen Primarschultrakt ab Sommer 2015 für Primarklassen komplett geschlossen.

Ursprünglich sah die Schulraumplanung des Gemeinderats vor, dass die Primarklassen während der Bauarbeiten ins benachbarte Sekundarschulhaus umziehen, wo sich die Gemeinde beim Kanton Baselland einmieten würde. Dies kommunizierte der Gemeinderat auch so, als es darum ging, dass die Gemeinde das zentrale Schulhaus Hinterzweien dem Kanton verkaufen musste. Der Kanton hatte versprochen, dort die gesamte Sekundarschule von Muttenz zusammenzuziehen.

Dieser Deal ist nun geplatzt: Weil der Regierungsrat aus finanziellen Überlegungen überraschend und ohne Vorwarnung den geplanten Ergänzungsbau beim Schulhaus Hinterzweien auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegt hat, braucht der Kanton den Sekundarschultrakt Gründen weiterhin zu grossen Teilen für seine Sekundarschulklassen. Denn die Sek-Klassen haben nun doch nicht alle im Hinterzweien Platz.

200 000 Franken für 6 Zimmer

Nur sechs Klassenzimmer bot der Kanton der Gemeinde im Sekundarschulhaus Gründen an. Und für diese sechs Zimmer und die Turnhalle verlangte er gegen 200 000 Franken Miete pro Jahr, wie Gemeinderat Thomi Jourdan (EVP) erklärt. Diese hohen Kosten und die Schwierigkeit, mit nur sechs Zimmern einen funktionierenden Schulbetrieb zu organisieren, bewogen den Gemeinderat, das Angebot des Kantons abzulehnen und komplett in das freigewordene ehemalige Sekundarschulhaus Margelacker zu ziehen. Dieses gehört der Gemeinde.

Hochbauchef Jourdan verhandelte mit der Bau- und Umweltschutzdirektion des Kantons. Dabei schlug er dem Kanton auch vor, die Sekundarschule noch für zwei Jahre im Margelacker zu belassen und dafür die Primarschule im Gründen führen zu können. Dies sei für den Kanton jedoch keine Option gewesen, sagt Jourdan.

Und so kommt es zu einer grotesken Situation: Diesen Sommer zieht die Sekundarschule komplett aus dem Margelacker aus, bleibt aber entgegen der Abmachung im Gründenschulhaus. Für die Primarschüler heisst das: Sie müssen den umgekehrten und langen Weg vom Gründen ins Margelacker nehmen. «Uns ist der damit verbundene längere Schulweg bewusst», sagt Jourdan. «Um die Auswirkungen für die jüngsten Schüler möglichst gering zu halten, werden an allen drei Standorten Breite, Margelacker und Donnerbaum erste bis dritte Primarklassen geführt.»

Längere Mittagszeit

Für die Schulleitung ist die Einteilung der Klassen für das kommende Schuljahr eine Herkulesaufgabe. «Wir wurden komplett überrascht», gibt Schulleiterin Regula Meschberger zu. Weil in den drei verbleibenden Schulhäusern die Anzahl erste bis dritte Klassen ansteigt, müssen nicht nur die Mittelstufenklassen des Schulhauses Gründen, sondern voraussichtlich auch einzelne aus dem Breiteschulhaus im Dorf ins Margelacker am anderen Ende der Gemeinde zügeln. Weil die Schulwege um ein Vielfaches länger werden, plant die Schulleitung, den Beginn des Nachmittagsunterrichts zu verschieben, damit die Kinder über Mittag länger zu Hause sein können. Allenfalls müssen auch die Mittagstischangebote ausgebaut werden, sagt Meschberger. Für die besorgten Eltern ist dies wohl nur ein kleiner Trost.

Elterninfo erst im Januar

«Ich finde es eine Zumutung, was der Kanton den betroffenen Gemeinden und so den Eltern und Kindern antut», ärgert sich Schulleiterin Meschberger. Sie äussert Verständnis für die Gemeinde, dass sie das teure Angebot für sechs Zimmer nicht angenommen hat. «Man hätte der Gemeinde in diesem schwierigen Fall auch entgegenkommen können.» Die Schulleitung sei nun auf der Suche nach Lösungen, die die Situation für die Kinder und Eltern verkraftbar machen. Die Eltern werden vom Gemeinderat informiert. Die Schulleiterin will nicht verbergen, dass sie für den Widerstand der Eltern, mit dem durchaus zu rechnen ist, Verständnis hätte.