Glaubt man den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), dauert die Sperrung der Rheintalstrecke zwischen Karlsruhe und Basel voraussichtlich noch bis zum 8. September. Zumindest bis dann fahren zwischen Baden-Baden und Rastatt keine Fernzüge und der Nachtzug Zürich – Basel – Hamburg fällt aus. Die ÖBB hat diese Informationen auf ihrer Baustellenkarte aufgeschaltet. Grund für den Unterbruch ist, dass sich seit vorletzten Samstag, 12. August, bei Rastatt die Gleise der Rheintalbahn abgesenkt haben. Bei Tunnelarbeiten unter der Bahnstrecke war es zu einem Erdrutsch gekommen. Der Tunnel wird im Rahmen der Erweiterung der 182 Kilometer langen Bahnstrecke zwischen Basel und Karlsruhe um ein drittes und viertes Gleis erstellt und soll dereinst die Stadt Rastatt unterqueren.

Ein halbes Jahr Sperrung?

Die Deutsche Bahn (DB) hatte schon letzten Dienstag auf einer Pressekonferenz durchblicken lassen, dass der ursprünglich für die Wiederaufnahme des Verkehrs anvisierte Zeitpunkt 26. August nicht zu halten sei. In Deutschland kursiert sogar das Gerücht, die Sperrung könnte ein halbes Jahr dauern. Laut der Badischen Zeitung soll die Sperrung vier Wochen dauern. Die DB selbst bestätigt weder das Gerücht noch den ÖBB-Termin.

«Wir werden so schnell wie möglich informieren. Das ist auch in unserem Interesse und dem unserer Kunden. Einen genauen Termin können wir aber nicht nennen», sagte eine DB-Sprecherin. Schon vorher hatte ein anderer Mediensprecher geschrieben: «Wir erwarten in Kürze einen belastbaren Terminplan durch die AGE Züblin - Hochtief.» Die AGE ist für die Bauarbeiten zuständig. Sobald dieser vorliege werde man das kommunizieren.

Kritik am Störungsmanagement

Die Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr Nordwestschweiz (IGöV) kritisierte das «absolut unbefriedigende Störungsmanagement» der DB und fehlende aktualisierte Fahrpläne. «So werden Fahrgäste bis zum letzten Augenblick im Unklaren gelassen, ob und wann ein Zug fährt. Planen ist so unmöglich, was auch tolerante Bahnfahrende auf die Strasse treibt.»
Die IGöV bemängelte ausserdem, dass die Bahn gleichsam als «Belohnung» sämtliche Sparpreise auf den betroffenen Strecken streiche. «Die IGöV hätte im Gegenteil Rabatte auf allen Fahrpreise erwartet. Dies als Ausgleich für die durch zusätzliches Umsteigen und Fahrzeitverlängerungen verursachten Unannehmlichkeiten.»

Reisende müssen für die Strecke zwischen Rastatt und Baden-Baden in einen Bus umsteigen. Ein Bahnsprecher verwies darauf, dass Zugbindungen die Voraussetzung für Sparpreise seien. Aufgrund der Sperrung seien sie nicht möglich. Deshalb könne man die Tickets nicht anbieten. «Auch Reservierungen sind obsolet. Wir sind aber guter Hoffnung, dass das bald vorbei ist.»
Massive Auswirkungen hat die Sperrung auch auf die Güterzüge. Regionale Umleitung sind nur eingeschränkt möglich. Um nachts vermehrten Güterzugverkehr zu ermöglichen, hat Baden-Württemberg akzeptiert, die Personenzüge auszudünnen. Die DB hat ihrerseits die für Ende August geplanten Arbeiten an der Hochrheinstrecke verschoben.