Der Solarmarkt boomt. Dies zeigen nicht zuletzt die in kurzen Abständen hereinflatternden Meldungen zu den jeweils aktuell «grössten Photovoltaikanlagen». War das EBL-Solarkraftwerk auf dem Prattler Aquabasilea 2009 mit 170 Kilowatt Peak das damals grösste des Kantons Baselland, so sind fünf Jahre später Anlagen mit der zehnfachen Leistung angesagt. Selbst Ikea in Pratteln, die seit Dezember mit einer 977 Kilowatt-Peak-Anlage Strom vor allem für den Eigenbedarf erzeugt, schafft es nicht mehr unter die Top five. Dabei rentiert Grösse, denn die Einspeisung ins Netz ist bei einem Industriebetrieb, der bereits mit einer dicken Leitung angeschlossen ist, einfacher als bei einem abgelegenen Bauernhof.

Im Baselbiet fehlen grosse Dächer

Dabei fällt auf, dass die beiden derzeit grössten Anlagen – Rheinfelden und Breitenbach – der EBM-Tochter Kleinkraftwerk Birseck (KKB) gehören. Zudem hat die Allschwiler Tritec in Neuendorf SO auf einem Migros-Dach mit 5210 Kilowatt Peak die grösste Photovoltaikanlage der Schweiz gebaut. Auch die Liestaler Adev hat in Wohlen AG die mit 2900 Kilowatt Peak grösste in die Dachhaut integrierte Anlage der Schweiz auf einer Fabrikhalle realisiert. Doch selbst wenn Baselbieter Akteure im Markt durchaus präsent sind, reicht es für den Kanton Baselland in der Nordwestschweizer Rangliste mit der Anlage auf dem Birs Terminal nur gerade für den vierten Rang. «Reiner Zufall», kommentiert EBM-Sprecher Jo Krebs. «Wir haben im Baselbiet nicht so grosse Dächer.»

Dabei kommt es offensichtlich nicht nur auf die Grösse an: Ein Dach, das demnächst saniert werden muss, eignet sich nicht. Und Dächer mit vielen Lüftungs- und Infrastruktur-Aufbauten, wie sie oft bei Pharma- und Chemiebetrieben vorkommen, sind auch weniger ideal als ein Logistik-Hallendach ohne Aufbauten.

KEV weiterhin wichtig

Doch nicht nur die Beschaffenheit und die Lage des Dachs sind entscheidend. So ist Windgate aus dem Kanton Zürich als Investor in der Region vor allem an Dächern in der Stadt interessiert, da die IWB weiterhin die KEV-Zahlungen überbrückt, bis der Bund, respektive Swissgrid, eine Anlage mit Kostendeckender Einspeisevergütung (KEV) fördert.

Diese Überbrückung hat die EBM zeitweilig auch geleistet mit dem Effekt, dass in nur zwei Jahren im EBM-Netzgebiet die Zahl der Anlagen von 270 auf 1100 gestiegen ist. Doch vor gut einem Jahr stellte die EBM die Solarförderung um auf Einmalzuschüsse für kleinere Anlagen.

«In der Stadt gäbe es bei den grossen Pharmafirmen durchaus interessante Dächer», stellt Windgate-Geschäftsleiter Marco Rall fest. Doch sei es komplizierter, für die Dachmiete mit einem Grosskonzern ins Geschäft zu kommen als mit einem KMU. «Giebeldächer ab 450 bis 500 Quadratmeter oder Flachdächer ab 600 Quadratmeter sind aber bereits interessant.» Auch Sibylle Hamann, Marketing-Verantwortliche bei Tritec, vermutet, dass künftig anstelle von Grossprojekten eher viele kleine und mittlere Anlagen gebaut würden.

Ost-West-Ausrichtung nimmt zu

Richtete man bis vor kurzem auch auf Flachdächern die Solarpanels möglichst nach Süden aus, geht man nun bei sinkenden Preisen für die Panels dazu über, die Module in Richtung Osten und Westen aufzustellen. Dies ergibt zwar pro installierte Fläche einen etwas geringeren Ertrag. Dafür kann man mehr Panels pro Dachfläche montieren und hat eine besser über den Tag verteilte Produktion, vermeidet also die Mittagsspitze.

So baute man die Anlage auf dem Tramdepot in Oberwil oder auf dem St. Jakob-Park noch in Richtung Süden. Auf der Ikea in Pratteln oder auf Teilen des Feldschlösschen-Dachs blicken die Solarpanels nach Osten und Westen.