Junkies oder soziale Misere: Beim Stichwort Suchtkrankheit denkt man zuerst an die schlimmen Folgen von Heroin, Alkohol und anderen Substanzen. Doch auch Spielautomaten oder Onlinespiele katapultieren Menschen im Baselbiet in die soziale Abwärtsspirale. Soeben ist eine Sensibilisierungs-Kampagne der Suchthilfe Schweiz zu Ende gegangen. Auch die Psychiatrie Baselland war an der Aktion beteiligt.

Süchtige suchen zu spät Hilfe

«Bis jetzt hat die Kampagne noch keine Auswirkungen», sagt Bernhard Feineis vom Ambulatorium für Abhängigkeitserkrankungen (AFA) bei der Psychiatrie Baselland. Die Psychiatrie hat seit der Kampagne nicht mehr oder weniger Anrufe und Patienten.

Das Ziel der Aktion war es, die Leute auf Beratungsstellen für Spielsüchtige aufmerksam zu machen. «Die Leute kommen erst sehr spät zu uns. Sie und ihre Angehörigen wissen oft nicht, wo sie Hilfe bekommen können.» Feineis kritisiert, dass die Kampagne vor allem auf Websites konzentriert war und zu wenig auf die Beratungsstandorte hingewiesen hat. «Wenn man aufs Internet verweist, spricht man nicht alle an.»

In der AFA arbeiten drei Personen im Fachteam Glücksspielsucht. In Liestal und in Münchenstein führen sie Beratungsgespräche mit Süchtigen durch. Gemäss Hochrechnungen gibt es in Baselland etwa 1000 Personen, die problematisch spielen. Das sind Leute, die spielen, obwohl alles dagegen spricht, und beispielsweise Verschuldung droht.

Im Internet kaum kontrollierbar

Spielsucht ist eine Impulsstörung, also ein Kontrollverlust, die zu irrationalen Entscheidungen führt. Die Sucht hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Dazu Feineis: «Früher gab es Süchtige primär in Casinos und an den Automaten.» Die Kontrolle in den öffentlichen Räumen sei unterdessen intensiviert worden. «Doch im Internet lässt sich das Phänomen kaum kontrollieren.»

Etwa 50 Patienten pro Jahr betreut das AFA. Bei anderen Beratungsstellen wie der Schuldenberatung melden sich die schweren Fälle. «Spielsucht hat oft psychosoziale Folgen wie Arbeitsplatzverlust, hohe Verschuldung oder geprellte Freunde», erklärt Feineis.

Internet verstärkt Spielsucht

Spielsucht wird in drei Phasen behandelt. Die erste Phase ist die Diagnostik. Da werden nebst der Sucht an sich auch die Motivation des Patienten geklärt und die Therapieziele festgelegt. Nachher folgt die Behandlungsphase. Dazu gehört auch der Schuldenabbau, die Jobsuche und Unterstützung für Angehörige. Die dritte Phase ist die Behandlung von Menschen mit weiteren psychischen Krankheiten.

Spielsüchtige sind meist Männer, zwischen 35 und 60 Jahren und beruflich gut integriert. Allerdings gibt es unterschiedliche Spielertypen: «Wer im Casino spielt, will seine Macht darstellen. Er ist narzisstisch und braucht das Spiel im sozialen Rahmen», sagt Feineis. Das Internet hingegen ziehe auch andere Typen an. Die Auswirkungen der Spielsucht im Internet seien noch nicht absehbar. «Die Lawine kommt erst noch», befürchtet Feineis.