Die Spitex Regio Liestal musste mit «grossem Bedauern», wie Geschäftsleiterin Claudia Aufdereggen betont, die Notbremse ziehen: Per 10. Juni schliesst sie ihre Tagesstätte für Betagte am Zeughausplatz in Liestal. Dort betreut die Spitex seit 2008, als sie die Tagesstätte von Pro Senectute übernahm, an vier Wochentagen ältere Leute mit körperlichen und psychischen Problemen oder einer Demenz, um die Angehörigen zu entlasten.

Doch das wachsende Angebot von solchen Tagesstätten im Kanton liess die Auslastung jener der Spitex Regio Liestal schrumpfen. Aufdereggen sagt: «In den letzten Jahren sind vor allem in Alters- und Pflegeheimen zahlreiche Tagesstätten aufgegangen. Dies meistens im Rahmen von Erweiterungsbauten. Deshalb ist in den letzten drei Jahren die Auslastung bei uns kontinuierlich gesunken.» Alleine in Liestal herrsche mit einem Angebot von 25 Plätzen – nebst der Spitex betreibt hier noch das Rote Kreuz eine Tagesstätte – eine Überkapazität. Das habe eine Marktanalyse gezeigt, erläutert Aufdereggen.

Folgenschwere Studie

Die Analyse, die auch von der Spitex Birsfelden, die mit ähnlichen Problemen kämpfte, in Auftrag gegeben wurde, kam zum Schluss, die Tagesstätten an den beiden Orten zu schliessen. Birsfelden vollzog diesen Schritt bereits letzten Dezember. Somit betreibt mit der Spitex Allschwil-Schönenbuch-Binningen in Zukunft nur noch eine der 21 kantonalen Spitex-Organisationen Tagesstätten: Sie bietet je eine in Allschwil und in Binningen an. Die finanzielle Situation der Tagesstätte der Spitex Regio Liestal hat sich in den letzten Jahren parallel zum Besucherrückgang verschlechtert. Um eine schwarze Null schreiben zu können, müssten die zwölf Plätze zu einem Tagespreis von 75 Franken im Jahresdurchschnitt zu drei Vierteln belegt sein. Doch im Tiefpunktjahr 2014 waren gerade noch die Hälfte, 2015 immerhin 7,5 Plätze besetzt. Aufdereggen: «Nach einer längeren Phase des Abwägens – wir mussten die Defizite mit Spendengeldern decken – beschloss der Vorstand im letzten Jahr, unsere Tagesstätte zu schliessen. Das war für uns ein schwieriger Prozess.»

Keine Entlassungen

Nach dem Schliessungsentscheid hätten die vier Betreuerinnen der Tagesstätte Stellenangebote innerhalb der Spitex erhalten und für die Besucher seien zusammen mit den Angehörigen mit Erfolg Anschlusslösungen gesucht worden, ergänzt Aufdereggen. Eine aktuelle Erhebung des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums zeigt, dass es mittlerweile in der Schweiz 400 Einrichtungen gibt, die Tages- und Nachtstrukturen für ältere Menschen anbieten. 17 von diesen befinden sich laut einer Zusammenstellung des Kantons im Baselbiet. Ob das den Bedürfnissen im Kanton entspricht, kann allerdings niemand sagen. Gabriele Marty, Leiterin Alter beim kantonalen Amt für Gesundheit, sagt dazu: «Es gibt keine Bedarfsregelung für den ganzen Kanton, das ist Sache der Gemeinden.» In die verwaiste Liestaler Tagesstätte, deren Lokalität dem Kanton gehört, zieht übrigens im Sommer die Wirtschaftsförderung Baselland ein.