Herr Burkhard, die Polizei ist im Kampf gegen Einbrüche derzeit auf den Baselbieter Strassen sehr präsent. Viele Autofahrerinnen und Autofahrer sind wohl schon einmal in eine solche Schwerpunktkontrolle geraten. Was bringen diese Kontrollen?

Mark Burkhard: Wir haben eine Task-Force eingesetzt zur Bekämpfung der Einbruchsdelikte im Kanton. Die von Ihnen erwähnten Schwerpunktkontrollen sind öffentlich sehr sichtbar, aber nur eine von insgesamt rund 40 Massnahmen: Die Polizei führt parallel auch Kontrollen im öffentlichen Verkehr, in den Schrebergärten, in Parkhäusern oder in Hotels durch. Das ist ein breit angelegtes Paket, das als Ganzes viel bringt. Seit Ende Sommer haben wir unsere Anstrengungen verstärkt. Mit den Ergebnissen bin ich zufrieden: So wie es nun aussieht, schaffen wir 2014 insgesamt eine Stabilisierung der Einbruchsdelikte.

Sie greifen also auf der Strasse potenzielle Einbrecher auf?

Ja. Bei diesen Kontrollen halten wir gezielt nach potenziellen Einbrechern Ausschau. Dieses Instrument bewährt sich: Die Polizisten haben ein gutes Auge für Verdächtige, die für eine weitere Kontrolle herausgepickt werden. Bei diesen vertieften Kontrollen sind schon einige hängen geblieben, denen man eine Straftat nachweisen konnte.

Sind diese Schwerpunktkontrollen in der Bevölkerung akzeptiert?

Die Bevölkerung nimmt diese stark wahr. Wenn unsere Polizisten den Autofahrerinnen und Autofahrern erklären, weshalb wir die Kontrollen durchführen, dann ist das Verständnis in der Regel sehr gross. Einem Polizisten ist sogar eine Tafel Schokolade angeboten worden. Es gab wegen der Rückstaus auch wenige negative Reaktionen. Aber generell haben wir ein zumeist positives Feedback.

Haben diese Schwerpunktkontrollen demnach eine abschreckende Wirkung?

Diesen Eindruck haben wir. Die Dichte an Kontrollen ist relativ hoch. Das Risiko, auf der Strasse angehalten zu werden, ist gegenüber früher gestiegen. Dies spricht sich auch unter den Einbrechern herum. Unser Ziel ist es, mit unserem Massnahmenpaket dafür zu sorgen, dass die Einbrecher abgeschreckt werden und schon gar nicht erst ins Baselbiet kommen. Die abschreckende, präventive Wirkung der Kontrollen ist aus unserer Sicht stärker als der direkte Erfolg, Einbrecher zu erwischen.

Wird damit das Problem nicht bloss geografisch verdrängt? Die Einbrecher werden dann halt im süddeutschen Raum tätig.

Das ist definitiv nicht unser Ziel. Wir möchten durch die Zusammenarbeit mit anderen Korps Druck erzeugen, dass diese Einbrechergruppierungen gar nicht erst anreisen.

Wird es bald wieder eine gemeinsame Schwerpunktkontrolle mit der Militärpolizei geben?

Im Moment nicht. Dazu ist zu sagen: Diese Aktion wurde aufgegleist, bevor ich am 1. Oktober 2013 mein Amt angetreten hatte. Ich habe diese quasi geerbt. Ich empfand die Zusammenarbeit als positiv, das Echo war gross und mehrheitlich positiv.

In der Volksmeinung sind vor allem Banden aus Osteuropa für die Einbrüche verantwortlich.

Das ist tatsächlich so. Das Wohlstandsgefälle ist innerhalb Europas noch immer sehr gross. Die Herkunft der Tätergruppierungen hat sich in den letzten 15 Jahren aber verschoben: Stammten Ende der 1990er-Jahren viele aus dem Kosovo oder anderen Balkan-Staaten, kommen die Einbrecher-Gruppierungen, die wir heute aufgreifen, in der Mehrzahl aus Rumänien, der Türkei, Serbien, in geringerer Zahl auch aus Georgien. Südosteuropa bildet einen Schwerpunkt. Unter den Einbrechern gibt es zudem die ganze Bandbreite: vom Gelegenheitseinbrecher, der eher ungeplant vorgeht, bis hin zu grossen Banden, die professionell vorgehen, aus vielen Personen bestehen und entsprechend eine fein strukturierte «Arbeitsteilung» vornehmen können.

Die Einbrüche sind in der Bevölkerung ein Top-Thema. Besteht da nicht die Gefahr der Übersensibilisierung und Panik? Da wird dann schnell mal der Gärtner, der in Nachbars Garten die Hecke schneidet, als Einbrecher gemeldet.

Deswegen möchte es die Polizei mit der Kommunikation nicht übertreiben. Es soll nicht der Eindruck entstehen, die ganze Bevölkerung sei bedroht. Das ist auch nicht der Fall. Wir reden von rund 2300 Einbrüchen im Kanton Baselland im vergangenen Jahr. Wir sind aber dezidiert nicht der Meinung, dass wir zu viele Hinweise aus der Bevölkerung haben.

Erhalten Sie viele Fehlalarme?

Die Polizei Basel-Landschaft registrierte im vergangenen Jahr 1580 technische Fehlalarme von Alarmanlagen – das sind fünf Fehlalarme pro Tag. Aus Sicht der Polizei ist das sehr viel. Pro Fall bindet das eine Patrouille während rund einer Stunde. Dieser zeitliche Aufwand belastet die Polizei stark.

Wie kann die Polizei diesem Problem Einhalt gebieten, das so viele Ressourcen bindet?

Die Polizei stellt bei Fehlalarmen eine Rechnung von 390 Franken. Wir sind daran interessiert, dass die Baselbieterinnen und Baselbieter in ihren Häusern qualitativ gute Alarmanlagen einbauen und diese auch so warten, dass es möglichst keine Fehlalarme gibt. Im Vergleich zu anderen Kantonen ist der Rechnungsbetrag eher tief. Wir haben uns aber bewusst dazu entschieden, die Gebühr für Fehlalarme beizubehalten. Es soll ein Anreiz für die Bürgerinnen und Bürger darstellen, die Anlagen gut zu warten.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit Nachbarschaftsorganisationen wie etwa Bürgerwehren, von denen es im Kanton mittlerweile einige gibt?

Ich möchte festhalten: Eine Zusammenarbeit im engeren Sinn gibt es nicht. Die Polizei unterstützt deren Arbeit, solange sich diese aufs Patrouillieren, Beobachten und Melden beschränkt. Je mehr Informationen die Polizei aus der Bevölkerung erhält, desto besser. Die Präsenz dieser Patrouillen auf der Strasse wirkt präventiv. Ebenso klar ist, dass die Polizei explizit nicht wünscht, dass diese Organisationen bei Verdachtsfällen selber aktiv einschreiten und allenfalls gar Selbstjustiz üben.

Im Baselbiet sind diese Nachbarschaftsorganisationen ein relativ junges Phänomen. Können Sie bereits abschätzen, ob deren Arbeit wirklich etwas bringt?

Aktenkundig ist ein Fall in Giebenach, wo eine Nachbarschaftspatrouille Einbrecher beobachtet und der Polizei gemeldet hat. Mithilfe dieser Patrouille konnte die Polizei die Täter dingfest machen. Es sind aber zugegeben auch bereits andere Fälle registriert worden: dass nämlich solche Patrouillen anderen Patrouillen der Polizei als Verdächtige gemeldet wurden.

Was raten Sie verängstigten Menschen, zum Beispiel älteren Einwohnern mit einem grossen Einfamilienhaus am Waldrand?

Das Haus zu sichern. Erwiesen ist: Wenn es einem Einbrecher innert fünf Minuten nicht gelingt, in ein Haus einzudringen, dann lässt er vom Objekt ab. Den meisten Einbrechern ist das Risiko zu gross, über 10, 20 Minuten zu probieren, sich Zutritt zum Gebäude zu verschaffen. Wir raten auch, bei Abwesenheit in der Nacht das Licht brennen und mittels Zeitschaltuhren Lichter und Geräte laufen zu lassen. Damit der Eindruck entsteht, das Haus sei bewohnt. Zudem bieten wir den Einwohnerinnen und Einwohnern des Kantons eine kostenlose und produktneutrale Sicherheitsberatung an. Unsere Präventionsbeauftragten beraten dabei Interessierte vor Ort.

Was, wenn ein Einwohner einen Einbrecher bei sich zu Hause in flagranti erwischt?

Das ist für viele Menschen berechtigt eine schlimme Vorstellung, zum Glück aber selten. Kommt hinzu, dass ein Einbrecher in aller Regel keine Gewalt anwendet, wenn er auf Menschen trifft, sondern das Weite sucht. Einbrecher sind an Vermögensdelikten interessiert. Die meisten wissen genau, dass die Strafandrohung um ein Vielfaches grösser ist, wenn der Tatbestand des Raubs nachgewiesen werden kann. Nach unseren Erkenntnissen sind praktisch alle Einbrecher unbewaffnet. Sie suchen in der Regel keine Konflikte zu den Bewohnern.

Sie haben erwähnt, dass es der Polizei gelungen sei, die Zahl der Einbrüche zu stabilisieren. Langfristig soll die Zahl aber wohl sinken?

Ja. Wir möchten von aktuell 2300 runter kommen auf das langjährige Mittel von 1700 bis 1800 pro Jahr. Solange werden wir das erwähnte Massnahmenpaket weiterführen.

Soll der populäre Kampf gegen Einbrüche dem zuständigen Sicherheitsdirektor Isaac Reber im kommenden Februar die Wiederwahl in die Regierung sichern?

Unsere grossen Anstrengungen haben keinerlei politische Hintergründe. Es gibt genügend Fakten, die unsere Anstrengungen begründen. Zum Beispiel auch die Tatsache, dass der Anteil der Einbrüche an den Delikten insgesamt im interkantonalen Vergleich sehr hoch ist.

Inwiefern macht ein Benchmark mit anderen Kantonen Sinn?

Grundsätzlich lohnen sich solche Vergleiche. Der Wettbewerb unter den Kantonen, die Zahlen bei gewissen Delikten herunterzubringen, ist sinnvoll, stösst aber an Grenzen. Ein Beispiel: Es ist wenig zielführend, viele Ressourcen in die Bekämpfung von Gartenhauseinbrüchen zu stecken, wenn diese im interkantonalen Vergleich temporär gerade hoch sind. Wir wollen in erster Priorität Wohnungseinbrüche bekämpfen, in zweiter Priorität jene bei Geschäftsliegenschaften. Wir müssen unsere beschränkten Ressourcen auf die prioritären Bereiche legen. Einen unsinnigen Wettbewerb können und wollen wir uns nicht leisten.

Besteht die Gefahr, dass im Kampf gegen Einbrecher andere polizeiliche Tätigkeiten geopfert werden?

Es ist nicht so, dass wir gewisse Bereiche der polizeilichen Tätigkeit wegen des Massnahmenpakets links liegen lassen. Wir sind kein Einthemenkorps. Aber es ist schon so: Die Bekämpfung der Einbrüche geniesst derzeit eine hohe Priorität. Unser Schwerpunktprogramm führt dazu, dass die Öffnungszeiten der Polizeiposten gekürzt werden, dass im Verkehrsbereich weniger Kontrollen durchgeführt werden. Sollten allerdings plötzlich neue Herausforderungen auftreten wie eine starke Zunahme von Gewaltdelikten, dann müssten wir den Einsatz der Ressourcen überdenken. Denn klar ist: Die Bekämpfung der Gewaltdelikte hätte dann Priorität.

Wie gehen die Korpsangehörigen mit der Belastung durch das Schwerpunktprogramm um?

Die Zahl der Überstunden ist wegen der Aktionen kaum gestiegen. Im Korps selber ist aber eine grosse Belastung spürbar. Die Ziele der Aktion sind im Korps anerkannt. Ich habe den Eindruck, dass wir es mit den heutigen Ressourcen längerfristig nicht durchhalten würden. Wollten wir immer so sichtbar und unterwegs sein wie im Moment, müsste das Personal aufgestockt werden.

Werden Sie demnach bei Sicherheitsdirektor Isaac Reber eine weitere personelle Aufstockung beantragen?

Das ist im Moment nicht geplant. Wenn die Zahl der Einbrüche gemäss eingeschlagenem Pfad abnimmt, dann wird dies auch nicht zwingend nötig sein. Kommt hinzu: Wir werden 2015 im Korps einen Strategieprozess durchführen und dabei überprüfen, ob das Korps optimal aufgestellt ist.

Plädieren Sie für ein schärferes Strafmass für Einbrecher zur weitergehenden Abschreckung?

Welche Täter wie bestraft werden sollen, ist eine politische Frage. Es ist nicht am Polizeikommandanten, hier Forderungen aufzustellen. Ich kann beschreiben, was wir in der Polizeiarbeit erkennen: Haftstrafen wirken abschreckend. Sobald diese drohen, wird es unangenehm. Das gilt nicht nur für Einbrecher, sondern für alle Kriminellen.