Wie ein Fels in der Brandung steht das «Palazzo» am Liestaler Bahnhofplatz. Während rund herum fast alles abgerissen und neu gebaut wird, wird der markante Bau aus dem vorletzten Jahrhundert auch kommende Generationen an vergangene Zeiten erinnern und bekommt damit eine noch grössere Bedeutung. Aber auch das «Palazzo», einst altehrwürdige Post von Liestal, jetzt quirliges Kulturzentrum mit Kleintheater, Kino, Kunsthalle, Restaurant und Buchhandlung, will nicht an Ort treten.

So plant «Palazzo»-Chef Niggi Messerli einen Umbau des Restaurants zu einer «Brasserie de la gare» mit Wintergarten, wie er letzte Woche in einem Interview mit der bz sagte. Und er sagte in diesem Zusammenhang auch, dass er Angst vor Einschränkungen habe, falls der Kanton das «Palazzo» vom Schutzstatus her aufwerten würde.

Wie sieht nun die kantonale Denkmalpflege die Zukunft des «Palazzo»? Walter Niederberger, stellvertretender Denkmalpfleger, bestätigt: «Die Stadt Liestal hat das ‹Palazzo› der kommunalen Schutzkategorie B zugeteilt. Wir möchten das Gebäude gerne kantonal schützen.» Dies bedeute, dass festgehalten werde, was sowohl innen wie aussen am Gebäude wichtig und zu erhalten sei. Und sobald die Regierung einen Bau unter kantonalen Schutz stelle, müssten Veränderungen mit der Denkmalpflege abgesprochen werden, ergänzt er.

Nichts Vergleichbares im Kanton

Niederberger begründet den Wunsch nach stärkerem Schutz mit der überregionalen Bedeutung des «Palazzo» , das Bundeshaus-Architekt Hans Wilhelm Auer 1892 gebaut hatte: «Es handelt sich dabei um ein hervorragendes Werk der Neurenaissance, das seiner funktionalen und städtebaulichen Bedeutung gerecht wurde und wird. Im Baselbiet gibt es nichts Vergleichbares.» Wenn das «Palazzo» eine kantonale Schutzetikette umgehängt bekommt, heisst dies aber nicht, dass es in Zukunft baulich nicht mehr angerührt werden darf.

Doch ob dannzumal zum Beispiel noch ein Wintergarten, der das Palazzo-Restaurant gegen den Lärm und Staub der Züge schützt, möglich ist, will Niederberger zum jetzigen Zeitpunkt nicht beurteilen. Allfällige Änderungen seien jedenfalls eng mit der Umgebung abzustimmen. Niederberger: «Es geht meiner Meinung nach momentan vor allem darum, die Chance zu nutzen, das ‹Palazzo› und die Bedürfnisse seiner Nutzer sinnvoll in die grossen Entwicklungen rund um den Bahnhof einzubeziehen.»

Das Ziel sei, dass Liestal ein rundum stimmiges und städtebaulich wertvolles Bahnhofgebiet erhalte. Das «Palazzo» sei schliesslich als selbstbewusstes, monumentales Gebäude mit der Palastarchitektur der florentinischen Renaissance errichtet worden. Das erlaube ihm, auch in einer neuen Umgebung bestehen zu können, ist Niederberger überzeugt.

Auch der Liestaler Stadtpräsident Lukas Ott stellt das «Palazzo» in einen grösseren Zusammenhang: «Die Entwicklung rund um den Bahnhof mit all den Neubauten ist für den Stadtrat sehr wichtig. Aber wir wollen nicht alles Bisherige ausradieren. Das ‹Palazzo› mit seinem Kulturbetrieb und das gegenüberliegende, noch etwas ältere Gerichtsgebäude sind gesetzt für die Zukunft.» Weil für Ott zur Aufbruchstimmung am Bahnhof auch eine umfassende Sanierung des «Palazzo» gehört, unterstützt er eine kantonale Unterschutzstellung des Gebäudes. Denn so würde zumindest ein Teil der notwendigen Gelder fliessen.

Dass dadurch die Nutzung des Baus zu stark eingeschränkt werde, glaubt Ott nicht. Und er ergänzt: «Im Moment fehlt die gemeinsame Verständigungsbasis. Die Stadt bietet gerne ihre Vermittlerdienste an. Wir haben auf alle Seiten einen guten Draht.»