Es war der geplatzte Deal des Jahres im Baselbiet: Im letzten Herbst stieg der Kanton als potenzieller Ankermieter im geplanten SBB-Hochhaus am Liestaler Bahnhof aus. Gleichzeitig gab die Regierung bekannt, dass sie nun «unter Einbezug der Stadt Liestal» Standorte für einen Verwaltungsneubau prüfe. Wo stehen die beiden Partner ein halbes Jahr später?

Stadtpräsident Lukas Ott sagt: «Wir sind bei der Standortsuche keinen Millimeter weiter. Damit sind weiterhin beste Flächen der wirtschaftlichen Entwicklung entzogen.» Die Stadt habe sich aber mit dem Kanton geeinigt, übers Gebiet Rheinstrasse, Kreuzboden und ehemaliges Birmannspital, wo heute diverse Bauten und Parkplätze des Kantons angesiedelt sind, eine Masterplanung anzuschieben.

Damit könne die Stadtentwicklung in diesem Gebiet endlich aus einer übergeordneten Sicht angegangen werden. Doch das gehe nur, wenn der Kanton nicht weiterhin den ganzen Perimeter blockiere und bei der Standortsuche vorwärts mache. Ott: «Wir stellen zwei Forderungen an den Kanton: Er muss so schnell wie möglich das Areal bezeichnen, auf den der Verwaltungsneubau zu stehen kommen soll. Und dieser soll so nahe wie möglich beim Stedtli sein.» Ansonsten könnten Gastronomie und Detailhandel kaum von der Verwaltungsnähe profitieren.

Verwaltungsneubau offen

Wo liegt denn für Ott der ideale Standort? «Ich will hier nicht vorgreifen. Aber man sollte die Frage mit offenem Visier ohne Tabus angehen und auch disponible Areale prüfen, die nicht in Kantonsbesitz sind.» Auf dem Kreuzboden-Areal habe es schon «drei Kantonsarchitekten früher» ein Projekt für einen Verwaltungsneubau gegeben, doch das sei zu weit weg vom Stedtli.

Es ist nicht zu überhören: In Liestal sitzt der Frust über die gescheiterte Lösung mit den SBB und damit die Befürchtung, weiter an Ort zu treten, tief. Trotzdem ist Stadtpräsident Ott zuversichtlicher als auch schon: «Ich setze grosse Hoffnungen in das neue Koordinationsgremium ‹Kantonshauptstadt Liestal› zwischen dem Kanton und der Stadt, das gerade am Entstehen ist.»

Federführend beim Aufgleisen dieses Gremiums ist Thomas Kübler, Leiter der kantonalen Standortförderung. Grundlage dafür sei ein Auftrag des Regierungsrates, Hintergrund der Koordinationsbedarf zwischen Liestal und dem Kanton bei der weiteren Entwicklung, sagt Kübler. Und weiter: «Wir sind jetzt am Erarbeiten eines Konzepts. Ziel ist, dass sich auf operativer Ebene ab Sommer Chefbeamte der Bau- und Umweltschutz- und der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion sowie der Liestaler Stadtverwalter periodisch austauschen.» Mit einer bestimmten Regelmässigkeit sollten laut Kübler aber auch die Regierungsräte Thomas Weber und Sabine Pegoraro und der Liestaler Stadtpräsident Ott teilnehmen.

In der Vergangenheit habe man sich vorwiegend zu Einzelfällen, nicht aber zu einer Gesamtschau ausgetauscht. Kübler: «So ein Koordinationsgremium macht Sinn, denn sowohl der Kanton wie auch die Stadt haben räumliche Bedürfnisse und Standortförderungsperspektiven mit vielen Schnittstellen.» Bis jetzt gab es eine Startsitzung, der Verwaltungsneubau war dabei aber noch kein Thema.

Der Lead bei diesem Projekt liegt bei Kantonsarchitekt Marco Frigerio. Er hält grundsätzlich fest: «Ein Neubau ist eine Möglichkeit. Möglich ist aber auch eine Erweiterung oder Aufstockung eines bestehenden Baus.» Das Projekt, das die Regierung Anfang Jahr beschlossen habe, heisse denn auch «Optimierung Verwaltungsstandort Liestal». Im ersten Quartal seien die Grundlagendaten betreffend Bedarf überprüft worden. Als nächster Schritt würden nun die infrage kommenden Standorte nochmals auf ihre Eignung und ihr Potenzial angeschaut und die räumliche und bauliche Machbarkeit abgeklärt. Konkretere Angaben will Frigerio zum jetzigen Zeitpunkt nicht machen, sondern vertröstet aufs erste Quartal 2018.