19 Jahre steht Ali Bal mit seinem Törli-Imbiss bereits in der Liestaler Rathausstrasse und gehört damit im Stedtli praktisch zum Inventar. Spätestens am 30. Juni 2012 ist nun aber definitiv Schluss. Vor dem Kantonsgericht einigten sich die Stadt Liestal und Bal auf einen Vergleich, der dieses Datum festschreibt. Bis dann muss der Kebab-Wagen aus der Rathausstrasse verschwunden sein. Zudem übernimmt die Stadt die Hälfte von Bals Anwaltskosten. Damit endet ein jahrelanger Streit «mit zwei Gewinnern», wie beide Parteien betonen.

Obwohl: «Wirklich zufrieden bin ich nicht», sagt Ali Bal zur bz. «Ich habe mir mehr Geld als die 3500 Franken erhofft.» Dies vor allem, weil Bal am liebsten das Restaurant Schweizerhof wieder aufgeben würde, das er erst Anfang 2010 übernommen hatte. «Aber ich muss es weiter betreiben, um überleben zu können», sagt er trocken.

Und dass der Törli-Imbiss keine Zukunft mehr hat, habe er schon vor dem Gerichtsurteil gewusst: «Spätestens, wenn Manor 2013 ins neue Bücheli-Zentrum umzieht, hätte ich sowieso meine wichtigste Kundschaft verloren.» Zudem zwinge ihn auch seine Gesundheit zur Aufgabe des Wagens.

Ali Bal bleibt dem Stedtli aber auch über 2012 hinaus erhalten. Bereits hat er an der Ecke Fischmarkt/Salzgasse die Räumlichkeiten der ehemaligen Brötli-Bar gemietet. Der Umbau läuft. Sein Ziel ist, dort bereits vor der Liestaler Fasnacht Mitte März ein neues Imbiss-Restaurant eröffnen zu können.

Ausserdem versucht sich der 39-Jährige an einem neuen Geschäftsmodell: «Wir werden auch einen Kurier-Dienst anbieten.» Bal stellte in letzter Zeit nämlich einen Gästerückgang im «Schweizerhof» fest. Sein Rezept dagegen ist einfach: «Wenn die Leute nicht mehr zu mir kommen, muss ich eben zu ihnen gehen.» Gut möglich ist, dass Bal bis zum Fristende 2012 alle drei Standorte parallel betreibt.

Gegner über Einigung empört

Gegen diese Pläne hat die Liestaler Stadtpräsidentin Regula Gysin nichts einzuwenden. «Ich bin einfach froh, dass die Sicht aufs Törli nun wieder frei wird.» Gleichzeitig macht sie aber auch klar, dass ihr ein früherer Termin als Mitte 2012 lieber gewesen wäre. Deutlich härtere Worte findet Stefan Saladin, der ehemalige SVP-Einwohnerrat: «Der Vergleich ist der Horror. Ich bin empört, dass Liestal Ali Bal tatsächlich auch noch etwas draufzahlt.»

Er hätte Mitte 2011 als äusserste Frist für den Abzug gesetzt. Saladin kann die «jahrelange Sonderbehandlung» des kurdischstämmigen Schweizers nicht nachvollziehen. «Immer wieder hat er sich mit juristischen Tricks Zeit verschafft.»

Bernhard Allemann, der als Leiter des Liestaler Rechtsdienstes die Verhandlungen führte, sei sich bewusst, dass einige Liestaler den Entscheid als Niederlage auffassen würden, lässt das aber nicht gelten: «Wenn wir keinen Vergleich gemacht hätten, wäre Bal wohl vors Bundesgericht gezogen. Dann hätte es sogar länger gedauert als bis Mitte 2012.»