Nur wenige Dutzend Meter sind es von der Tramhaltestelle Freilager bis zu den Meriangärten auf der Brüglinger Ebene. Doch die neuen Bewohner, Arbeitnehmer und Studenten auf dem Boomgebiet Dreispitz kommen zu Fuss nicht ins Grüne. Sie müssten nämlich eine Kantonsstrasse, zwei Tramlinien und eine Bahnlinie überqueren, zudem gäbe es eine beträchtliche Höhendifferenz zu bewältigen.

Für die Christoph Merian Stiftung (CMS), die Grundbesitzerin von Dreispitz und Meriangärten, wäre deshalb ein neuer Übergang ein grosser Gewinn. Das habe man schon bei der Planung des Dreispitzes so gesehen, sagt CMS-Sprecher Toni Schürmann, als «Nice-to-have-Projekt».

Laut einer Vorstudie der CMS soll ein Fussgänger- und Veloweg von der heutigen Tramhaltestelle Freilager zur Linie 10 führen, wo eine neue Haltestelle entstehen soll. Weil dann die Trams dort anhalten, vermeidet man den Bau einer Barriere, die sonst aus Sicherheitsgründen nötig wäre. Über die SBB-Linie soll dann eine Passerelle führen, die ins Wegnetz der Meriangärten mündet.

Geschütztes Ensemble

Doch die Denkmalpflege ist nur unter gewissen Bedingungen mit dem Bau des Stegs einverstanden. «Die charakteristischen Gestaltungselemente des Landschaftsgartens wie Gehölzgruppen, Spazierwege, Aussichtspunkte und Sichtachsen haben sich bis heute erhalten und begründen die hohe gartenkünstlerische Qualität der Anlage», sagt die kantonale Denkmalpflegerin Brigitte Frei-Heitz. Der Landschaftsgarten, die Villa Merian und die Orangerie seien als Ensemble von Bund und Kanton geschützt. «Der projektierte Verbindungssteg greift nun in dieses historisch gewachsene Ensemble ein.» Ein Osteingang in die Gärten müsse «den Charakter eines Nebeneingangs» haben «und auf dem bestehenden Bodenniveau in den Park hineinführen». Frei weist zudem darauf hin, dass sich dort, wo der Steg den Garten erreichen soll, eine vom Bund geschützte Trockenwiesenweide befindet.

Ob das im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens ein Problem darstellt, ist noch offen – für Pro Natura Baselland ist es das jedenfalls nicht. Geschäftsführer Urs Chrétien betont zwar den ökologischen Wert der Wiese, mit ihren Orchideen, Mauereidechsen und Schmetterlinge.

Trotzdem begrüsst er den Steg. «Wenn der Erholungsraum schon da ist, sollen die Leute ihn auch nutzen», sagt er. Die eigentlichen Erholungsflächen befänden sich unterhalb der geschützten Trockenwiese, betont er. «Wichtig sind deshalb Besucherlenkungsmassnahmen.» Und für die vom Steg beanspruchte Fläche müsse Ersatz geleistet werden. Laut dem Münchensteiner Gemeinderat Lukas Lauper steht eine Fläche dafür zur Verfügung.

Alle sollen mitzahlen

Gemäss ersten groben Schätzungen kostet der Übergang rund fünf Millionen Franken. Das möchte die CMS aber nicht selber stemmen. «Wir haben bereits zwölf Millionen Franken im Freilager Dreispitz investiert, zudem eine halbe Million Franken für die Planung des Übergangs», sagt Schürmann. Im Gegenzug erwartet die CMS, dass nun Gemeinde und Kanton die Baukosten übernehmen. «Unter Partnern zahlt am Tisch nicht immer der Gleiche», meint Schürmann weiter.

Die Aufteilung der Kosten des Übergangs dürfte aber kein Spaziergang sein. Der Kanton sieht sich nicht verantwortlich für den Anschluss des Dreispitzes an eine Erholungsfläche. Zudem seien die Tramlinien neu im Besitz des Bundes, sagt Dieter Leutwyler, Sprecher der kantonalen Bau- und Umweltdirektion. «Falls der Bund eine neue Haltestelle will, ist er selber für deren Erreichbarkeit zuständig.»

Der Münchensteiner Gemeindepräsident Giorgio Lüthi will sich einer Diskussion über eine finanzielle Beteiligung mit der CMS nicht verschliessen. Denn er hält den Übergang für «interessant und sinnvoll». Er erinnert aber auch an den Quartierplan Dreispitz, der festhalte, dass die CMS alle Infrastrukturkosten selber zu tragen habe.

Sicher ist nur, dass der Bund sich finanziell beteiligen wird, in noch unbekannter Höhe. Das Projekt ist bewilligter Bestandteil des zweiten Agglomerationsprogramms.