Die IG Dialekt ist bunt gemischt: Vertreter aller Parteien haben sich in dieser Interessengemeinschaft zusammengefunden. Alle spielen in den Parteien keine tragenden Rollen mehr. Gemeinsam ist ihnen die Sorge um den Dialekt. Sie fürchten, dass in Basel dasselbe passiert wie im benachbarten Ausland.

Ex-Fasnachtscomité-Obmaa Felix Rudolf von Rohr etwa blickt besorgt nach Deutschland: «Das Badische ist praktisch vergessen gegangen. Sie sprechen alle nur noch das Einheitsbrei-Deutsch, das ZDF-Deutsch.» Noch drastischere Worte findet alt SP-Ständerat Carl Miville für das Verschwinden des Elsässerdeutsch: «Es wurde von der zentralistischen Regierung bewusst ausgerottet.»

Im Unterricht soll Dialekt gesprochen werden

Das droht nun auch in Basel, warnt die IG Dialekt. Denn in Basler Kindergärten werde immer öfter auf Standarddeutsch unterrichtet. Aktuell heisst es im Lehrplan, dass Dialekt und Standarddeutsch gleichwertig gefördert werden. Das geht der IG Dialekt zu wenig weit: Mit ihrer Initiative, über die am 15. Mai in Basel-Stadt abgestimmt wird, verlangt sie, dass Dialekt die Unterrichtssprache des Kindergartens ist. Hochdeutsch solle nur in definierten Sequenzen gefördert werden.

WWF-Geschäftsführer Jost Müller, der sich als Privatperson in der IG Dialekt engagiert, gibt dem Erziehungsrat nur in einem Punkt recht: «Standarddeutsch bereitet die Kinder besser auf die Primarschule vor. Aber nicht auf die Gesellschaft.» Ihn störe die Radikalität, mit der Christoph Eymanns Erziehungsdepartement Standarddeutsch als Unterrichtssprache vorantreibe: «Das ist eine Missachtung der sprachlichen Realität.»

Keine Spur von Dialektschädigung

Es stimme nicht, dass Deutschschweizer dialektgeschädigt seien, betont Müller. Denn in der Pisa-Studie schneiden Schweizer sprachlich leicht besser ab als Deutsche und Deutschschweizer etwas besser als Romands. Eduard Etter Zunftmeister zu Rebleuten: «Es geht uns weniger um unsere eigenen Kinder: Diese bekommen den Dialekt im Elternhaus von klein auf zuhören.» Die Schweizer der IG Dialekt wollen vor allem Kindern fremdsprachiger Eltern helfen.

Dank vielen kleinen Spenden verfügt die IG Dialekt über ein Budget von 25000 Franken. GLP-Grossrat Dieter Werthemann ist zuversichtlich: «Ich habe fast noch nie erlebt, dass Unterschriften für eine Initiative so schnell beisammen waren.» Müllers Prognose fällt etwas vorsichtiger aus: Die Chance für ein Ja zur Initiative schätzt er auf 50 Prozent.