Roland Kienzler, der Personalchef von Endress+Hauser (E+H), weiss es ganz genau: Am Dienstagvormittag hatte das Reinacher Vorzeigeunternehmen 263 offene Stellen anzubieten, von der Kaderposition bis zum Montagejob. Alleine im vergangenen Jahr wurden am Holdingsitz in Reinach 99 Mitarbeitende zusätzlich angestellt, womit die Gesamtzahl der dort Beschäftigten auf 1728 anstieg. 2018 sollen zu den weltweit rund 13'300 Stellen in 47 Ländern (+296 im 2017) 500 neue hinzukommen. Der Abbau von sieben Stellen in der Verkaufsabteilung für die Schweiz wurde laut Kienzler durch interne Rochaden ohne Entlassungen vollzogen – so wie das bei E+H in den meisten Fällen üblich sei. Dazu werden praktisch alle 300 Lehrlinge von der eigenen «Bude» übernommen.

Man darf diese Behauptungen dem Corporate Director Human Resources, so Kienzlers offizieller Titel, getrost abkaufen. Es ist schon verblüffend. Vermutlich gibt es kaum ein anderes industrielles Produkt, das mit so wenig Sexappeal verbunden ist wie diese Durchlaufmessgeräte, auf denen der Welterfolg von Endress+Hauser beruht. Trotzdem schafft es der Konzern kontinuierlich, nach Aussen das Bild von ungeheurer wirtschaftlicher Stabilität, gesundem Menschenverstand in der Geschäftsführung und hoher Wertschätzung gegenüber dem eigenen Personal zu vermitteln.

Vieles richtig gut gemacht

Das alles tut E+H so überzeugend und transparent, wie das nur wenigen anderen Unternehmen in der Region gelingt. So sollten auch die eingangs erwähnten Beschäftigungszahlen an der alljährlichen Bilanzpressekonferenz eigentlich nicht viel mehr als eine Randnotiz wert sein, angesichts der Milliardenumsätze und Millionengewinne, die E+H erneut geschrieben hat. Es ist aber Verwaltungsratspräsident Klaus Endress selbst, der neben der guten Branchenkonjunkturlage betont, dass eben auch die Menschen in seinem Unternehmen vieles «richtig gut gemacht» hätten. Typisch Klaus Endress. Der Verwaltungsratspräsident und Gemeinderat, der Ende Jahr 70 wird, gilt nach wie als personifizierte Garantie für die regionale Verbundenheit und Menschlichkeit des Familienunternehmens.

Viel Wert legt er auf die Feststellung, dass E+H der beste Steuerzahler in Reinach ist. Insgesamt 23 Millionen Franken haben die in der Schweiz domizilierten E+H-Firmen 2017 an Ertrags-, Kapital- und Kirchensteuern abgeliefert; dies gibt Finanzchef Luc Schultheiss auf Nachfrage bekannt. Weltweit waren es 66 Millionen Euro an Ertragssteuern, ergänzt CEO Matthias Altendorf. Steuerliche Vorteile würden genützt, «wenn sie uns zustehen». Strategien zur Steuerumgehung mit irgendwelchen Offshore-Deals verfolge man dagegen nicht. Ebenso wenig ist mit dem Rückgang der Investitionstätigkeit zu rechnen. Nach der Einweihung des neuen Produktionsgebäudes im Mai 2017 für 50 Millionen Franken sollen heuer 40 Millionen in die Schweiz und den Standort Reinach fliessen.