«Es ist 4,5 Jahre her. Wer weiss schon noch, was er am letzten Mittwoch gegessen hat?», regte sich der 42-jährige Mann am Montag im Strafgericht in Muttenz auf. Er habe bereits alles gesagt, was es zum Vorfall zu sagen gäbe, und er habe überhaupt keine Lust mehr, weitere Aussagen zu machen.

Tatsächlich reicht die Geschichte lange zurück: An einem Abend im November 2013 traf sich der heute 42-Jährige beim Campingplatz Talhaus in Bubendorf mit einem Mann in dessen Wohnwagen, um über den Verkauf einer Parzelle zu diskutieren. Ob dabei Alkohol im Spiel war, blieb vor Gericht unklar, jedenfalls arteten die Verhandlungen in einen handfesten Streit zwischen den beiden Männern aus.

Im Vorzelt des Wohnwagens gab es ein Gerangel, und irgendwann soll der heute 28-jährige Wohnwagenbesitzer dem 42-Jährigen einen knapp sechs Kilo schweren Stein über den Kopf gedonnert haben. Abgesehen von der Prellung und einer saftigen Rissquetschwunde am Kopf des 42-Jährigen gibt es für die ganze Geschichte allerdings lediglich die Aussagen der beiden Männer als Beweise.

Zurechnungsfähigkeit bestritten

So sass der 42-jährige nun am Montag vor Gericht, weil er damals den anderen Mann zuerst gestossen und damit den Streit provoziert haben soll. Neben ihm hätte im Gerichtssaal auch der 28-jährige Wohnwagenbesitzer Platz nehmen sollen, und vorsorglich hatte das Gericht zwei Polizisten in den Saal bestellt, um Handgreiflichkeiten gleich im Keim zu ersticken. Doch der 28-Jährige meldete sich kurz vor der Verhandlung krank, für ihn muss nun ein neuer Termin angesetzt werden.

Die Vorwürfe gegen den 42-Jährigen beerdigte das Dreiergericht dafür gleich am Montag: Die Beweise reichten allenfalls für eine Tätlichkeit, und die sei inzwischen verjährt. Deshalb stellte das Gericht das Verfahren ein, die Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen des Gegenübers verwies es damit auf den Zivilweg. Auch die Verfahrenskosten muss er nicht bezahlen.

Der 28-Jährige wird sich wegen des Schlages mit dem Stein später verantworten müssen, allerdings ist das keine Bagatelle: Staatsanwältin Elisabeth Vetsch hat den Mann wegen versuchter vorsätzlicher Tötung angeklagt. Offenbar ist die Zurechnungsfähigkeit des Mannes zur Tatzeit bestritten, das Gericht hatte ein entsprechendes Gutachten in Auftrag gegeben.

Der genaue Ablauf der Streiterei ist allerdings immer noch unklar. In der Voruntersuchung hatte der 28-Jährige betont, er habe sich lediglich gegen die Schläge des 42-Jährigen gewehrt. Die Staatsanwaltschaft hat sich angesichts der unklaren Beweislage bereits vorbehalten, auch eine weniger schwerwiegende Verurteilung wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu fordern.

Wann diese Hauptverhandlung stattfindet ist noch nicht klar. Erscheint der 28-Jährige auch beim zweiten Mal nicht zur Verhandlung, kann er in Abwesenheit verurteilt werden.