Der Binninger Gemeinderat ist gespannt. Heute Dienstag muss ihm der Stiftungsrat der Alters- und Pflegeheime Binningen seine künftige Strategie präsentieren. Der umstrittenste Punkt ist die Absicht, die Gebäudehüllen an einen Investor zu verkaufen und sich auf die Funktion als Betreiber der Alterszentren zu konzentrieren. Die bz hat publik gemacht, dass die Immobiliengesellschaft Verit bereits eine konkrete Kaufofferte eingereicht hatte.

Die Stiftung hat einen Vierer-Ausschuss des Gemeinderates erstmals im August über die sogenannten «Sale and rent back»-Pläne informiert. Nach vorliegenden Informationen reagierten die Gemeinderäte skeptisch – und ihre Skepsis hat sich in den vergangenen Wochen verschärft: Auch zusätzliche Informationen liessen nicht erkennen, weshalb der Verkauf und die Rückmiete für die Gemeinde oder auch nur für die Stiftung attraktiv sein sollen. Dies bestätigen Gemeinderäte im informellen Gespräch.

Für den dreiköpfigen Stiftungsrat geht es an der heutigen Sitzung wohl um alles oder nichts: Entweder kann Stiftungsratspräsident Markus Metz ein überzeugendes Paket vorlegen, das etwa auch einen ökonomischen Vorteil eines Verkaufs darlegt – oder sein Präsidium endet per Ende Jahr. Metz mag sich zwar nicht über seine Zukunft äussern. Formell ist er als Stiftungsrat jedoch angehalten, dem Gemeinderat einen Wahlvorschlag für die nächste zweijährige Amtsperiode einzureichen, die 1. Januar 2019 beginnt. Sollte sein Konzept bei der Präsentation durchfallen, wird er sich kaum zur Wiederwahl stellen. Der Gemeinderat hat im Dezember das Wahlgeschäft traktandiert.

Für gehobene Ansprüche

Recherchen zeigen nun, dass der Immobiliendeal in einem grösseren Zusammenhang steht. So will die Stiftung nicht nur die bestehenden Gebäudehüllen an einen Investor verkaufen, sondern mit diesem auch eine neue Altersresidenz für Wohlbetuchte bauen. Seit Frühjahr liegt eine Machbarkeitsstudie der Architekten Wirth + Wirth für eine diese Altersresidenz vor. Das Büro hatte von der Stiftung den Direktauftrag erhalten, die Eckpfeiler eines solchen Projekts zu entwickeln und Pläne zu skizzieren. Die dafür vorgesehene Parzelle an der Bottmingerstrasse wird von der Stiftung als Landreserve gehalten und liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum bestehenden Alterszentrum Langmatten. Die Zielsetzung lautet: «Wohnen mit gehobenem Ausbaustandard im Langmatten».

Nach Informationen, die der bz vorliegen, schlagen Wirth + Wirth einen achtstöckigen Baukörper mit bis zu zwanzig Alterswohnungen vor. Der Investitionsbedarf beträgt gemäss erster Schätzung rund 12,5 Millionen Franken. Als die Delegation des Gemeinderates im August auch über dieses Projekt informiert wurde, war sie von der Präsentation angetan. Schliesslich verspricht die Residenz, dass wohlhabende Binninger der Gemeinde als Steuerzahler erhalten bleiben, auch wenn sie im Seniorenalter auf Unterstützung angewiesen sind.

Konflikt ist absehbar

Die heiklen Punkte fanden in der Aussprache weniger Beachtung. Etwa, dass auf der Parzelle nach geltendem Zonenplan lediglich zweigeschossig gebaut werden darf. Naheliegend wäre eine Umteilung der Parzelle in die Zone für Öffentliche Werke und Anlagen (OeWA). Doch gemäss internen Unterlagen raten die Planer davon ab, weil damit gleichzeitig Nutzungsvorbehalte verbunden sind. So müsste geklärt werden, ob der Betrieb tatsächlich den rechtlichen OeWA-Kriterien entspricht. Absehbar ist zudem ein Konflikt mit der Nachbarschaft, die sich bei einem Neubau mit einem viermal höheren Gebäude konfrontiert sehen würde.

Immerhin die Finanzierung wäre gesichert. Vorgespräche hätten ergeben, dass Verit nicht nur das auf 2,3 Millionen Franken geschätzte Grundstück kaufen, sondern auch den Neubau finanzieren könnte. Markus Metz nimmt zu den Plänen nicht Stellung. Es sei alles in der Schwebe – und es werde ohnehin schon zuviel darüber geredet.