Die Kindertagesstätte der Stiftung Kinderbetreuung in Binningen wurde im März von Eltern sowie ehemaligen und aktuellen Mitarbeitenden heftig kritisiert. Nun zieht die Stiftung die Reissleine. Mit der Kimi Krippen AG übernimmt eine im Kanton Zürich beheimatete Firma die Kindertagesstätte.

Die Kritik damals: Das Betreuungsverhältnis habe sich schleichend verschlechtert. Zudem überzeugte das neue Ernährungskonzept nicht. So sehr offenbar, dass eine ehemalige Betreuerin den Kindern heimlich Brot zugesteckt habe, wie sie der bz verriet. Sie wollte die Kinder nicht hungern lassen. Zwischen Oktober 2016 und März 2017 haben rund 35 Kinder die Kita verlassen oder werden dies noch tun, teilte die Stiftung damals mit. Dies jedoch auch aufgrund von Wegzügen.

Der offizielle Grund für die Aufgabe der Kita: Die Stiftung kämpfe seit dem zweiten Halbjahr 2016 aufgrund des Überangebots an Betreuungsplätzen in Binningen mit sinkenden Belegungszahlen. Dies schreibt die Stiftung in einer Medienmitteilung. Die Stiftung hat zudem mit einem politischen Entscheid zu kämpfen. «Der Wechsel von der Objekt- zur Subjektfinanzierung hat zweifellos zur heutigen Situation der Stiftung beigetragen», sagt Dieter Freiburghaus, Stiftungsrat der Stiftung Kinderbetreuung.

Schneller Niedergang

Seit der zweiten Jahreshälfte 2016 kämpfte die Kita. Nun also die Kapitulation. Warum dieser schnelle Niedergang? «Mit der Konzentration an einem Standort konnte die Belegung zwar verbessert werden. Aber wegen der ungünstigen Altersstruktur und den im Verhältnis gestiegenen Kosten ist eine Weiterführung nicht möglich», erklärt Freiburghaus. So gab es unter anderem zu wenig Babys, die in der Folge zu treuen Kita-Kindern herangewachsen wären. Denn: «Eltern, die mit der Betreuung zufrieden sind, wechseln den Platz erfahrungsgemäss sehr selten.»

Bei der Übergabe an die Kimi Krippen AG handle es sich nicht um einen Verkauf, wie die Stiftung auf Anfrage klarstellt. «Die Kimi Krippen AG übernimmt die operative Leitung der Kindertagesstätte», sagt Dieter Freiburghaus. Ab November 2017 ist die Nachfolgerin für die Leitung der Kita verantwortlich. Zudem wird sie auch als Vertragspartnerin der Eltern und des Personals auftreten.

Der Belegschaft muss deshalb zuerst gekündet werden. Betroffen sind 13 Mitarbeitende. Vorerst läuft jedoch ein sogenanntes Konsultationsverfahren. Das heisst: Das betroffene Personal wird in den Prozess eingebunden. Dies, weil die Entlassung der 13 Angestellten nach Gesetz einer Massenentlassung gleichkomme. In einer Woche wird der Stiftungsrat endgültig über die Kündigungen entscheiden. Praktikanten und Lernende würden derweil von der Kimi Krippen AG übernommen, so Freiburghaus.

Ein Lichtblick für die Angestellten: «Kimi wird den heutigen Betreuerinnen und Betreuern ein Angebot machen», so Tina Hauser von der Kimi Krippen AG. Als Folge des Rückgangs in der Belegung im Jahr 2016 wurde von der Stiftung bereits Kita-Personal abgebaut. Unter anderem daraus entwickelte sich in der Folge die Kritik an der Kita. Die entsprechenden Kündigungen seien anfangs 2017 ausgesprochen worden, wie Stiftungsrat Dieter Freiburghaus sagt.

Stiftung bleibt bestehen

Die Stiftung Kinderbetreuung wurde 1949 gegründet. Die Übergabe der Kita ist derweil nicht das Ende der traditionsreichen Institution. Denn der Zweck der Stiftung werde erfüllt, indem man der neuen Betreiberin die Infrastruktur zur Verfügung stellt, erklärt Freiburghaus. Der Stiftungszweck ist im Handelsregistereintrag klar definiert: «Zweck der Stiftung ist es, sich für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, für eine familienergänzende Kinderbetreuung und kindgerechten Förderung einzusetzen.»

Die Kimi Krippen AG führt in der Schweiz insgesamt 23 Kindertagesstätten, unter anderem auch in Liestal. Die Preise sollen auch unter dem neuen Regime in etwa gleich bleiben, wie es seitens der neuen Betreiberin heisst. Das Rezept, wie es mit der Kita wieder aufwärtsgehen soll: Durch Marketingaktivitäten will man die Auslastung erhöhen. Zudem soll eine bessere Infrastruktur die Kita attraktiver machen.